Verloren gegangene Anrufe bei Leitstellen: Anfrage beim Landkreis

Vertrauen in den Notruf

Kontakt innerhalb von 20 Sekunden: Die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle im Kreishaus.
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Kontakt innerhalb von 20 Sekunden: Die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle im Kreishaus.

Landkreis - Neun Prozent der Notrufe bei der Polizei kommen nicht zustande. Diese Information des Innenministeriums über verloren gegangene Anrufe hat Henning Wittboldt-Müller alarmiert. Und tatsächlich, auch jeder 25. Anrufer, der die Feuerwehr mit 112 oder den Krankenwagen mit 19222 rufen will, erreicht die Leitstelle nicht. Die Gründe allerdings sind vielfältig und ein echter Anlass, dem Notruf nicht mehr zu vertrauen, ist nicht dabei.

„Jeder einzelne verlorene Notruf kann lebensbedrohlich sein“, begründet der Kreistagsabgeordnete Wittboldt-Müller (FDP) eine Anfrage an die Kreisverwaltung. Die im ersten Moment erschreckende Zahl, dass fast ein Zehntel der Anrufe bei der Notrufnummer 110 nicht zustande kommen, ist für Andrea Wresmann von der Pressestelle der Polizeidirektion Oldenburg kein Grund zur Sorge.

Wer im Kreisgebiet die 110 wählt, landet automatisch in der Kooperativen Großleitstelle Oldenburg (KGO). Dasselbe gilt für Notrufe aus Vechta, Cuxhaven, Diepholz und Wilhelmshaven. Von März bis Dezember vergangenen Jahres 212688 insgesamt, davon 29052 aus dem Landkreis Verden. 2556, also 8,8 Prozent, seien abgebrochen worden, legte Wresmann die Zahlen vor.

Gründe für diese Abbrüche hat die Pressesprecherin eine ganze Reihe parat. Das fange an mit den „Scherzanrufen“, die die Beamten in der KGO leider recht häufig beschäftigen. Ein typischer Fall, bei dem Anrufe verloren gehen können, sei etwa ein Unfall auf der Autobahn, eine größere Unwetterlage oder ein Großbrand. „Da rufen dann gleich schnell mal 200 oder 300 hilfsbereite gleichzeitig Menschen an“, wusste auch der leitende Beamte in der KGO, Torsten Hillebrand.

„Das ist nun mal das Handy-Zeitalter“, nimmt Christian Groth an. Der Leiter des Fachdienstes Ordnung und Verkehr kennt ähnliche Effekte bei größeren Bränden oder Schadenslagen, die dann bei der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle des Landkreises gemeldet werden. Auch hier kommen vier Prozent der Notrufe nicht an, hat die Verwaltung ermittelt.

„Heute habe eben jeder sein Handy sofort zur Hand, während man früher erstmal eine Telefonzelle suchen musste.“ Groth weiß aber auch von den Scherzanrufen und, dass sich jemand schlicht mal verwählt.

Wie Andrea Wresmann sieht der Fachdienstleiter keinen Grund, dem System der Notrufe zu misstrauen. In Oldenburg stehe ebenso wie im Verdener Kreishaus eine hochmoderne technische Anlage. Innerhalb von 20 Sekunden soll der Notruf auch in Spitzenzeiten angenommen werden, darauf ist die Besetzung der Leitstelle in Oldenburg ausgelegt. „Im Kreishaus ist eine Doppelbesetzung die Regel“, erklärte Groth. Bei besonderen Lagen könne die Zahl der Mitarbeiter bis auf acht erhöht werden.

Häufig würden Notrufe nach weniger als fünf Sekunden beendet. „Die werden nicht als „echte“ verlorengegangene Anrufe eingestuft“, erklärt Wresmann. Die Leute legen einfach auf, überlegen es sich anders, oder wählen neu, weil sie das Besetztzeichen gehört haben. Gezählt würden aber auch diese abgebrochenen Notrufe, das könne die Anlage nicht unterscheiden. Durchschnittlich aber betrage die Reaktionszeit beim Eingang eines Notrufes lediglich sieben Sekunden.

kle

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