Kirchenkreistag diskutiert die Möglichkeiten des Zusammenlebens

Verhältnis von Christen und Muslimen

Der Referent, Professor Dr. Wolfgang Reinbold, und die Vorsitzende des Kirchenkreistages, Dr. Viva Volkmann, im Gespräch.

Verden - Mit der Frage nach dem Engagement für Flüchtlinge und dem Verhältnis zu den Muslimen beschäftigte sich der Kirchenkreistag Verden. Unter dem Titel „Zwischen Feindesliebe und Profilverlust“ referierte Professor Dr. Wolfgang Reinbold aus Hannover, der Beauftragte für den Dialog von Kirche und Islam in der Hannoverschen Landeskirche. Er erläuterte anhand von Texten aus der jüdischen und christlichen Tradition, dass Nächstenliebe schon immer in besonderer Weise Fremden gegolten habe. Daran, ob Anderssein anerkannt wird, zeige sich die Qualität von Zusammenleben.

Dennoch bleibe die Frage, in wieweit das Miteinander von Christen und Muslimen möglich ist. Europaweit gebe es von Frankreich über die Niederlande bis Deutschland Strömungen, die auf eine scharfe Abgrenzung zielen.

Reinbold erläuterte anhand von Zitaten aus Bibel, Koran und anderen christlichen und islamischen Schriften, dass es auf beiden Seiten die Feindschaft zur jeweils anderen Glaubensgemeinschaft gibt, aber auch Schriftstellen, die von Respekt und friedlichem Nebeneinander sprechen. Jede politische Gruppe könne also mit Bibel- und Koranstellen ihre Ansichten untermauern. Da Glaube etwas ganz Persönliches sei, könne er keine politische Grundlage sein. Wer Glaubensfreiheit einfordere, müsse sie auch anderen zugestehen.

Prüfstein für das Miteinander in der Gesellschaft könne deshalb allein das Grundgesetz sein, und das garantiere Glaubensfreiheit. Für viele Einwanderer sei das ungewohnt. Wo sie herkommen gebe es die Trennung von Staat und Kirche nicht und Andersgläubige würden verfolgt. Die Freiheit auf vielen Ebenen hier müssten viele Zuwanderer erst einüben.

Im anschließenden Gespräch ergab sich, dass hier die größte Herausforderung liege. Es gelte gegenüber den neu zu uns Kommenden immer wieder deutlich zu machen, dass ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft nur funktioniert, wenn die Verfassung und die Grundrechte der Maßstab für das Zusammenleben sind.

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