Geschäftsführer und Zuchtleiter

Vergleich für Dr. Werner Schade keine Option

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Verden – Sitzfleisch wurde den Verfahrensbeteiligten und Zuhörern Dienstagnachmittag am Verdener Arbeitsgericht abverlangt. Vier Stunden lang bemühten sich Dr. Klaus Rinck und zwei ehrenamtliche Richter teils mit kriminalistischem Spürsinn darum zu ergründen, ob die Kündigung Dr. Werner Schades als Geschäftsführer und Zuchtleiter des Hannoveraner Verbandes Mitte Mai rechtens war. Der Termin wird voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres fortgesetzt.

Dabei hatte Rinck dem Kläger Schade und seiner Anwältin Heike Ahrens-Kuhlenkampff nahegelegt, noch einmal über einen Vergleich mit dem Hannoveraner Verband inklusive sehr gutem Zeugnis und Abfindung im Bereich von 100.000 Euro zu beraten. Zwar reichten nach seiner Auffassung die meisten vom Verband angeführten Kündigungsgründe allenfalls für Abmahnungen. Als rechtlich bedenklich sah es der Richter jedoch an, dass Schade einen Vertrag mit der gescannten Unterschrift des Verbandsvorsitzenden Hans-Hermann von der Decken, einem Faksimile, hatte zeichnen lassen.

Schade lehnte einen Vergleich gestern mit einem Kopfschütteln ab. Zuvor hatte seine Anwältin bereits erklärt, dass es ihrem Mandanten in diesem Verfahren vor allem um die Wiederherstellung seines guten Rufes gehe. Das sei eher über ein Urteil zu erreichen. Und so hatte Richter Rinck denn zu ergründen, wie und mit wessen Wissen das Faksimile auf dem Vertrag landen konnte.

Das Schriftstück vom Anfang dieses Jahres war aufgesetzt worden, nachdem eine gute Kundin des Hannoveraner Verbandes ein Pferd gewissermaßen reklamiert hatte. Die Norwegerin hatte den Hengst Dario im Oktober 2018 in Verden für 120.000 Euro ersteigert. Ein Spontankauf, soll heißen, die Skandinavierin hatte zuvor nicht den Tierarzt konsultiert und daher nicht gewusst, dass Dario unter dem Shivering-Syndrom leidet. Diese Zitterkrankheit sei in Dänemark, wo der Hengst eingesetzt werden sollte, ein Ausschlusskriterium für die Zucht, erklärte Schade dem Gericht.

Zwecks Schadensbegrenzung war nun ein Vertrag zwischen Käuferin, Verkäufer – ebenfalls guter Kunde des Verbandes – und dem Verband selber aufgesetzt worden. Der Hengst sollte trainiert und dann erneut versteigert werden.

Die Inhalte des Vertrages habe Schade dem Vorstandsvorsitzenden von der Decken im Zuge einer Autofahrt am 20. Dezember 2018 erklärt. In diesem Punkt waren sich die beiden Männer noch einig. Er habe dabei einen Entwurf des Papiers auf den Knien gehabt, gab Schade an. Es habe nichts Schriftliches vorgelegen, erklärte von der Decken, Schade habe den Inhalt lediglich „grob umrissen“. Nicht zuletzt deswegen habe er auch gefordert, den Vertrag noch einmal „schwarz auf weiß“ vorgelegt zu bekommen.

Nachdem noch während der Fahrt auch Jörn Wedermann aus dem geschäftsführenden Vorstand via Telefon hinzugezogen worden war, sei er in dem festen Glauben gewesen, das Einverständnis zum Abschluss des Vertrages zu haben, berichtete Werner Schade und betonte das große Vertrauensverhältnis, das seinerzeit noch zwischen ihm und von der Decken bestanden habe. Das Faksimile habe er auch schon bei anderen Schreiben mit durchaus rechtlicher Bedeutung genutzt.

Gut drei Monate sei dann nicht mehr über das Thema Dario gesprochen worden. Erst am 8. April 2019 hatte der Vorstandsvorsitzende Schade per E-Mail zu einem Sachstandsbericht aufgefordert. Und der Geschäftsführer hatte unter Verweis auf die Angaben vom 20. Dezember 2018 geantwortet. Dieser Schriftverkehr setzte einen Mechanismus in Gang, der in dem Vorstandsbeschluss zur Kündigung mündete. Schade vermutete, dass sich von der Decken mit dem Kündigungsverfahren dafür habe rächen wollen dafür, dass er ihm seine Unterschrift unter einem Rückkauf verweigert habe. Dabei war es um das Pferd eines damaligen Vorstandsmitglieds gegangen.

Vom Menschlichen her könne er vieles nachvollziehen, betonte Klaus Rinck. Dennoch halte er Schades Handeln, eigenmächtig die Nutzung des Faksimiles anzuweisen, für sehr bedenklich. Ehe er die Sitzung gestern schloss, hatte er aber auch für den Hannoveraner Verband einen Hinweis. Was Satzung und Praxis angehe, habe er „erhebliche Organisationsdefizite“ festgestellt, riet er dringend dazu, hier nachzubessern. 

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