Verhaltenstherapie notwendig

Bewährungsstrafe statt Gefängnis: Vergewaltigung in der Beziehung

Landkreis - Um Gewalt und Vergewaltigung in einer Beziehung ging es Dienstag in einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden. In erster Instanz war der 27 Jahre alte Angeklagte aus Dörverden vom Schöffengericht des Amtsgerichts Verden zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

Dienstag wurde die Strafe auf zwei Jahre, ausgesetzt zur Bewährung, reduziert. Auferlegt wurde dem nicht vorbestraften Mann eine ambulante Verhaltenstherapie. Ein Urteil ganz im Sinne des Opfers.

Es ging der Frau nicht darum, dass ihr Ex-Freund ins Gefängnis kommt, sondern dass er therapiert wird. „Wir sind nicht die Mediationsabteilung, aber mit Bauchschmerzen können wir das Urteil tragen“, hieß es in der mündlichen Begründung. Ein Aspekt war auch der Zustand des Opfers. Die Frau leide bis heute. „Da muss aber vorher schon einiges gewesen sein“, so der Vorsitzende Richter Joachim Lotz. Sonst würden solche Beziehungen nicht zustande kommen oder anhalten.

Bei dem Opfer steht ebenfalls eine Therapie unmittelbar bevor. Durch die Kombination von Geständnis, zwei eingestellten Taten und der Bewährungsstrafe konnte ihr eine erneute Aussage vor Gericht erspart werden. Dies war von einer Therapeutin dringend empfohlen worden, weil die Gefahr einer Re-Traumatisierung bestehe.

Anfangs liebenswert und hilfsbereit

Seit 2013 waren der aus Sachsen-Anhalt stammende Angeklagte und die Frau ein Paar. Anfangs soll er liebenswert und hilfsbereit gewesen sein, dann habe er versucht, ihre Kontakte zu Freundinnen zu unterbinden. Er habe ihr Handy kontrolliert und den Kilometerstand seines Autos. Es soll zu Gewalttätigkeiten gekommen sein. In einem der Dienstag eingestellten Fälle soll sich die Frau bewusstlos gestellt haben, um einen Gewaltausbruch des Angeklagten zu stoppen.

Im Dezember 2016, das Paar lebte in Verden, wollte die Frau die Trennung. Der Angeklagte soll verlangt haben, dass die damals 26-Jährige noch einmal mit ihm schlafe. Dies habe sie verweigert, woraufhin er wieder gewalttätig geworden seien soll. 

Die Frau probierte es erneut mit einer vorgetäuschten Ohnmacht, doch anstatt ihr zu helfen, vergewaltigte er sie in der gemeinsamen Wohnung. Das anschließende Verbot der Kontaktaufnahme nach dem Gewaltschutzgesetz soll von beiden Seiten mit Telefonaten und WhatsApp-Nachrichten gebrochen worden sein.

Beziehung nur schwer nachvollziehbar

Es war eine Beziehung, die nur schwer nachvollziehbar, sei, hieß es in der mündlichen Urteilsbegründung. Der Angeklagte haben seinen Wunsch nach einer Partnerschaft, wie er sie wollte, über alles gestellt und „den Willen seiner Freundin völlig ignoriert“, kritisierte der Vorsitzende. „Es ist eine Vergewaltigung“, stellte er fest. Das verbale Nein und das Kopfschütteln der Frau bei der Tat habe der Angeklagte in seinem Geständnis bestätigt.

Die dringend erforderliche Verhaltenstherapie ist Teil der Bewährungsauflagen. Kommt der Angeklagte dem nicht nach, wäre die Folge ein Bewährungswiderruf und die Inhaftierung.

wb

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Dramatische Lage im Jemen: Alle zehn Minuten stirbt ein Kind

Dramatische Lage im Jemen: Alle zehn Minuten stirbt ein Kind

May auf Brexit-Rettungsmission in Europa

May auf Brexit-Rettungsmission in Europa

Freizeitpark "Okpo-Land" in Südkorea: Die besten Bilder

Freizeitpark "Okpo-Land" in Südkorea: Die besten Bilder

Großbrand in Hatten-Munderloh

Großbrand in Hatten-Munderloh

Meistgelesene Artikel

Abfallhof wird immer mehr zum Problem

Abfallhof wird immer mehr zum Problem

Weihnachtsmarkt mit Bischofsbesuch, Bastelkunst und Blasmusik

Weihnachtsmarkt mit Bischofsbesuch, Bastelkunst und Blasmusik

Heisenhof in Dörverden soll abgerissen werden

Heisenhof in Dörverden soll abgerissen werden

Nikolausmarkt in Dörverden lockt trotz Regens zahlreiche Besucher an

Nikolausmarkt in Dörverden lockt trotz Regens zahlreiche Besucher an

Kommentare