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Vergewaltigung beim Schützenfest in Liebenau

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Von: Wiebke Bruns

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Ein großes Backsteingebäude von außen. Davor parken drei Autos.
Ein 26-Jähriger ist wegen einer Vergewaltigung zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden © Bruns

Aus dem Landgericht Verden: Eine sechsmonatige Bewährungsstrafe für einen 26-jährigen Vergewaltiger ist in zweiter Instanz bestätigt worden.

Verden/Liebenau – Während die Besucher beim Schützenfest 2015 in Liebenau fröhlich feierten, wurde im Bereich einer Bank hinter dem Festzelt eine Frau vergewaltigt. Lange hatte das Opfer geschwiegen, im Juli 2021 kam es zu einem ersten Prozess am Amtsgericht Nienburg. Das auf eine sechsmonatige Bewährungsstrafe lautende Urteil wurde wegen einer Berufung des 26 Jahre alten Angeklagten zunächst nicht rechtskräftig. Die 3. Große Strafkammer des Landgerichts Verden hat es nun aber bestätigt.

Täter und Opfer kannten sich schon vor der Tat. Waren in der Vergangenheit schon intim miteinander. Damalige Warnungen ihrer Freundinnen, dass der Angeklagte ein „Womanizer“ sei, hatte die Geschädigte nicht beachtet. In der Urteilsverkündung hieß es, dass der Kontakt nach einer Nachricht des Angeklagten abgebrochen sei, die wie folgt zitiert wurde: „Ich fahre in den Urlaub, geile Weiber knallen.“

„Das fand die Nebenklägerin frech und ungehörig. Wenn sie auch nicht verliebt war, dann hat es sie getroffen“, stellte der Vorsitzende Richter Lars Engelke fest. Das erste Gespräch gab es erst Monate später wieder. In der Nacht zum 5. Juli 2015 beim Schützenfest.

Stell dich nicht so an. Wir hatten doch    schon mal was. So schlimm ist das nicht.

Aussage, die dem Angeklagten zugeschrieben wird.

„Der Angeklagte kam und fragte, ob sie irgendwo zum Reden hingehen wollte“, sagte der Vorsitzende. „Sie folgte ihm, weil sie dachte, er würde sich entschuldigen wollen.“ Das tat er nicht, dennoch küssten sie sich. Die Nebenklägerin saß dabei auf seinem Schoß. Soweit verlief alles nach den Feststellungen der 3. Großen Strafkammer einvernehmlich.

Als sie bemerkte, dass ihn das Ganze erregt und er an ihrem Kleid zu ziehen begann, habe sie deutlich gemacht, dass sie mehr nicht wolle. „Sie wollte weg, doch der Angeklagte hielt sie am Arm fest.“ Brachte sie zu Fall.

„Sie wiederholte erneut, dass sie das nicht möchte“, daran hatte die Kammer laut dem Vorsitzenden keine Zweifel. „Stell dich nicht so an. Wir hatten doch schon mal was. So schlimm ist das nicht“, zitierte er den Angeklagten. Dann vergewaltigte der 26-Jährige die fast gleichaltrige Frau.

„Als sie eine Person wahrnahm, wollte sie um Hilfe rufen.“ Der Angeklagte hielt ihr den Mund zu. „Sei ruhig. Ich beeile mich auch“, sagte er zur Überzeugung der Kammer. Als im Festzelt „Tiamo“ gespielt wurde, kehrte die Frau zum Zelt zurück. Angesprochen auf ihr verschmutztes Kleid behauptete sie, gefallen zu sein.

Erstmals berichtete die Angeklagte ihren Freundinnen 2017 von der Tat

Ein oder zwei Tage später ließ sich der Angeklagte noch ein Foto von ihrer Pillenpackung schicken. „Sie hatte immer noch Angst vor ihm“, stellte der Vorsitzende fest. Erstmalig im Spätsommer 2017 berichtet das Opfer Freundinnen von der Tat. Im Juni 2018 folgte die Strafanzeige.

Das „konstante Aussageverhalten“ des Opfers „über mehrere Stationen und Jahre hinweg“ war nur ein Grund, warum Staatsanwältin, eine Psychologin und die Richter ihr glaubten. Die Aussage der Frau bezeichnete der Vorsitzende als „besonders glaubhaft“.

Eine höhere Strafe als die sechsmonatige Bewährungsstrafe, die auch das Amtsgericht Nienburg ausgesprochen hatte, kam wegen eines Verschlechterungsgebotes nicht in Betracht – wurde aber auch von der Kammer nicht als erforderlich angesehen. Der Zeitablauf wurde berücksichtigt. Außerdem war und ist der Angeklagte nicht vorbestraft. Nur die Staatsanwaltschaft könnte noch Rechtsmittel einlegen, dies ist aber nicht zu erwarten.

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