Abwassergebühren werden steigen

Verdens Schlamm will keiner - Engpass auf der Kläranlage

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Der Klärschlamm steht hoch vor der Mauer. Noch knapp ein Meter bleiben, dann steht der Schlamm an der Kante des Beckens.

Verden - Die Stadt Verden hat einen Entsorgungsengpass beim Klärschlamm. Die Speicher sind bereits fast voll. „Wir haben noch Kapazitäten für geschätzt zwei Monate“, sagte auf Nachfrage Uwe Gerdes, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Abwasser der Stadt Verden. Doch täglich komme eine Menge von rund 20 bis 25 Kubikmeter hinzu und es finden sich keine Abnehmer.

Bis zum Jahr 2016 wurde der Klärschlamm aus der Kläranlage in der Weserstraße zu 100 Prozent in der Landwirtschaft verwertet. Auf Grund von Gesetzesänderungen ist die Nachfrage rapide gesunken. „Im vergangenen Jahr waren es nur rund 50 Prozent“, erklärt Gerdes, und für dieses Jahr zeichne sich ein weiterer Rückgang auf rund ein Drittel ab.

Eine Alternative wäre die Verbrennung des Klärschlamms, der durch die Entwässerung ohnehin in seinem Volumen auf rund ein Zehntel reduziert wird, wie der Fachmann erklärt. Ausgehend von 35 Prozent prognostiziert er für dieses Jahr 4000 Kubikmeter, die über die Verbrennung entsorgt werden müssten. „Tendenz weiter steigend“, so Gerdes mit Blick auf die nächsten Jahre.

Ohnehin gebe es nur relativ wenige solcher Verbrennungsanlagen, und die Preise seien angesichts der Engpässe, die in vielen norddeutschen Kommunen bestehen, „exorbitant“ gestiegen, erklärte Gerdes. „Teilweise um 150 Prozent“, verdeutlicht er. Weitere Kostensteigerungen bringe der Transport mit sich, was sich am Ende alles auf die Abwassergebühren niederschlagen wird.

Kein einziges Angebot auf die Ausschreibung

Auf Mehrkosten habe er bereits bei der Verabschiedung des letzten Wirtschaftplanes hingewiesen. Doch die Situation habe sich weiter verschärft. „Die werden zwangsläufig steigen“, bestätigte er. Wie weit, das vermag er nicht zu sagen.

Betriebsleiter Uwe Gerdes schlägt Alarm: „Die Becken sind voll.“

Doch zunächst findet sich nicht mal jemand, der den Klärschlamm verwertet. Auf eine Ausschreibung im Mai 2018 habe Verden kein einziges Angebot bekommen. Eine neue Ausschreibung werde in diesem Monat auf den Weg gebracht. Gerdes setzt darauf jedoch wenig Hoffnung. „Alle Anlagen im weiteren Umkreis sind über Monate ausgebucht“, erklärte er. „Es müssen neue Verbrennungsanlagen geplant und gebaut werden.“ Ab 2029 müssten es „Klärschlamm-Mono-Verbrennungsanlagen sein. Die gebe es noch gar nicht im erforderlichen Umfang.

Erschwerend komme hinzu, dass für zu bauende Zwischenlager strenge Auflagen gelten, was die Planungsphase verlängert. Mancherorts bestehe bereits ein Entsorgungsnotstand. „Verden steht dieser auch bevor“, so Gerdes. 

wb

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