Dokumentationszentrum DOZ 20 am Holzmarkt

Die Stadt im 20. Jahrhundert: Verdens lebendige Geschichte entdecken

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Schon intensiv bei der Arbeit: Das DOZ 20-Team mit Harm Schmidt, Hermann Deuter, Andrea Lutter, Roswitha Urbanski, Werner Posdziech, Kathrein Goldbach, Gesine Ahlers, Birgit Mellerowitz und Jochen Benner (v.l.). 

Verden - Ein original Zuckersack, der aus der Plünderung einer Schiffslieferung auf der Aller stammt und der Wäschekorb, mit dem Mutter und Tochter damals die Flucht bewältigten. An Dingen wie diesen und an den Erinnerungen, die sich daran knüpfen, wird Geschichte erlebbar und direkt verständlich. Diese Lebendigkeit von Ereignissen im 20. Jahrhundert in Verden wollen Kathrein Goldbach, Jochen Benner und ihre Mitstreiter im Dokumentationszentrum DOZ 20 am Holzmarkt zugänglich machen.

„DOZ 20 ist städtisch“, erklärt Goldbach im Pressegespräch. Eingebunden sei das Vorhaben aber in das Netzwerk Erinnerungskultur, das auf Kreisebene bereits vielfältige Aktivitäten entfaltet. Auch Gesine Ahlers, Roswitha Urbanki, Harm Schmidt und Hermann Deuter sind aus der Initiative des Kreistags heraus zu der Arbeitsgruppe gestoßen, Andrea Lutter, Birgit Mellerowitz und Werner Posdziech komplettieren sie.

Im Holzmarkt-Ensemble unter dem Dach haben sie mit Unterstützung ein Domizil gefunden. Die Ausstattung ist zwar noch nicht komplett, aber jetzt kann die Arbeit so richtig losgehen. Offizieller Startschuss soll am 30. August sein. An diesem Dienstag will sich DOZ 20 um 19 Uhr in der Stadtbibliothek vorstellen. „Nach 1945 ... über 70 Jahre Sport in Verden“ haben sie die Veranstaltung getauft, in der sich Zeitzeugen an den Neustart des Sports nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern. Mit Ernst-Otto Krüger, Renate Freitag-Pade und Klaus Zuschneid werden zentrale Figuren des Verdener Sports aus ihrem langen Leben berichten. Da soll denn auch ein Film vom ersten Landesturnfest nach dem Krieg 1950 in Verden gezeigt werden.

Allesamt sind sie keine Jugendlichen mehr, haben selbst einiges im 20. Jahrhundert miterlebt, sich aber auch viel mit Historie befasst. Weil die Geschichtsschreibung sich oft mehr auf die weltgeschichtlichen Ereignisse konzentriert, ist die Arbeitsgemeinschaft umso mehr an allem interessiert, was zeigt, wie diese Zeit sich in Verden entwickelt hat. „Am Zuckersack schlägt sich das nieder“, gibt Schmidt ein Beispiel. Jemand anders habe noch eines der Care-Pakete auf dem Dachboden gefunden, die Damals aus des USA geschickt wurden.

Erinnerung an 70 Jahre Sport

Dinge, wie diese, will DOZ 20 sammeln, dokumentieren und zur Verfügung stellen. „Es gibt Erstaunliches“, weiß Goldbach jetzt schon. Andrea Lutter hat selbst schon so einiges an Bildmaterial aus ihrem Fundus beigesteuert. Ihr Schwerpunkt ist die Geschichte des Sports in der Stadt. Auch Hermann Deuter hat sich damit beschäftigt: „Eine enorme Entwicklung: 1 900 gab es 700 Sportler, die in Vereinen organisiert waren, 2 000 waren es 10 000.“ Interessant sei in diesem Zusammenhang auch, wie sich das Verständnis von Sport und die Beschaffenheit von Geräten und Ausrüstung entwickelt hat. Er kann sich gut vorstellen, dass noch jemand Holzskier von anno dazumal hat, oder anderes. All dieses könnte seinen Platz im Dokumentationszentrum haben.

Ebenso sind den Historikern die Erinnerungen von Zeitzeugen wichtig, oder das, was in Vereinen die Zeit überdauert hat. Das will die Arbeitsgemeinschaft nicht nur sammeln, katalogisieren und eintüten. Das Grüppchen stellt sich vor, dass die Räume am Holzmarkt zu einer Anlaufstelle werden könnte. Ein Ort, in dem Informationen auch für alle verfügbar sind, die danach suchen. Die Vernetzung mit dem Stadtarchiv und ähnlichen sinnvollen Stellen ist da eigentlich geboten. „Unsere Vision ist auch, dass wir einen Ausstellungsraum haben werden, in dem die Materialien unter bestimmten Themen präsentriert werden“, berichtete Goldbach. 

kle

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