Döhlbergen hat gewählt

Mischa Meininger Verdens jüngster Ortsbürgermeister: „Ich muss das erstmal begreifen“

Mann mit Aktenordner.
+
Noch hält sich der Papierberg in Grenzen: Mischa Meininger mit dem Ordner seiner Sitzungsunterlagen.

Mischa Meininger ist Verdens jüngster Ortsbürgermeister. Bammel vor der Aufgabe hat er nicht.

Verden – Als es am Ende passiert war, da brauchte er einen Moment. Dieser 12. September, dieser Wahltag in Verden, und in Döhlbergen, dieser Tag, er veränderte alles. „Klar“, sagt Mischa Meininger, „eine Chance auf den Ortsrat hatte ich mir schon ausgerechnet.“ Aber die Zahlen, die tief in der Nacht über den Bildschirm flimmerten, die überraschten ihn doch.

139 Stimmen links der Weser. Mit deutlichem Abstand das beste Wahlergebnis in Döhlbergen, Hutbergen und den anderen Dörfern im südwestlichsten Zipfel der Allerstadt. „Ich muss es erstmal begreifen“, sagt Mischa Meininger. Ganz gelungen ist es ihm noch nicht, wie er sagt, er staune immer noch, aber plötzlich findet er sich nicht nur im Ortsrat wieder, plötzlich steht er allem vor. Der 28-Jährige übernimmt als jüngster Ortsbürgermeister Verdens Verantwortung.

Und er hat Ziele. Hauptstraße heißt der Weg, der Döhlbergen und Rieda mit dem Rest der Welt verbindet. Hauptstraße. Klingt nach Komfort, ist aber lediglich eine Fahrbahn mit angeflickter zweiter Spur. „Wir brauchen einen Radweg“, hat Meininger festgestellt, „dringend.“ In offiziellen Papieren ist dieser Radweg längst festgeschrieben und irgendwie sichergestellt, aber klar ist noch nichts. „Ob dazu die Straße verbreitert werden müsste, ob der Weg für die Radler neben der Fahrbahn gezogen werden sollte, ob vielleicht sogar eine Strecke in Betracht kommt, die ganz woanders liegt, das sind die Themen, die wir in den nächsten Sitzungen aufgreifen werden.“

Für ihn eine schwierige Aufgabe, nicht nur der Radweg, sondern die Themen allgemein. Dieses hohe Stimmenergebnis bei der Kommunalwahl sei zwar gut und schön, aber könne er den Vorschusslorbeeren gerecht werden? „Was erwarten die Wähler von mir?“, laute eine der Fragen, die ihn bewegte in den vergangenen Wochen, sagt er. Er habe keine Ortsrats-Erfahrung, das müsse jedem klar sein, gewiss, er kenne Vereinssitzungen, die zur Genüge, aber die Arbeit in politischen Gremien? Nein, sagt Mischa Meininger, er stelle sich auf eine anstrengende erste Zeit ein. Andererseits gibt ihm sein Stück Lebenserfahrung, das er sammelte, sie verleiht ihm Optimismus. „Man wächst mit seinen Aufgaben“, sagt er. Er schmunzelt.

Mitten in Döhlbergen lebt er. Junggesellenbude. Viele Bilder haben es nicht an die Wand seiner Küche geschafft. Eines hat einen Ehrenplatz erhalten. Ein Foto vom Döhlberger Erntewagen mit vielen jungen Leuten davor, erstaunlich vielen jungen Leuten. Mischa Meininger mittendrin. Ein Motiv, das viel erzählt über ihn und die Anfänge. Vor fünf Jahren war es, als mal wieder ein Erntebräutigam gesucht wurde. Er stellte sich zur Verfügung. Er blieb dabei, er hat inzwischen große Teile der Organisation übernommen. Und das Erntefest ist gewachsen, war jedenfalls gewachsen, bis Corona kam. Früher fuhren vielleicht fünf bunt geschmückte Wagen durchs Dorf, jetzt ist die Zahl zweistellig. Sogar ein fester Erntewagen ist dabei, einer, der ausschließlich dem Fest dient. Und die Schar der Leute, die auf den Wagen mitfahren und gute Laune verbreiten, sie nimmt zu. Das Döhlberger Erntefest ist jünger geworden, so viel steht fest, eine Entwicklung, die nicht überall für die Traditionsveranstaltungen gilt. Und die jungen Leute brachten sich ein. „Früher gab es Kaffee und Kuchen, dazu spielte eine Blaskapelle auf“, sagt Meininger „jetzt wird auch den jüngeren Leuten was geboten.“ Natürlich, man könne es nicht allen recht machen, aber den steigenden Zulauf, den kann niemand abstreiten. „Die Dorfjugend hat sich gefunden. Sie trägt zum Zusammenhalt in unserer Ortschaft bei.“

Nach seiner ersten Sitzung als Ortsbürgermeister genehmigte er sich einen Tag Pause. „Turbulente Tage waren das“, sagt er. Einer Doppellast sah er sich ausgesetzt. Neben den ersten politischen Begegnungen, oder zumindest den Vorbereitungen auf die Sitzung, auch noch eine berufliche Hürde, die er sich vorgenommen hatte. Der Mechatroniker und Schichthandwerker bei einem der großen Arbeitgeber der Allerstadt rüstet sich für die Meisterprüfung. Erste Leistungskontrollen waren zu absolvieren. „Die Prüfungen haben mich ziemlich gefordert.“ Eine davon auch noch an jenem Tag, an dem er abends die erste Sitzung leitete. „Manchmal kommt halt alles zusammen.“ Bestanden hat er. Im Sommer nächsten Jahres hofft er, sich Industriemeister zu nennen.

Wenige Stunden später wurde Micha Meininger einstimmig gewählt. Das spricht alles andere als gegen ihn. „Ich bekomme Unterstützung von vielen Seiten“, sagt er. Von seinem Mentor zum Beispiel, von Fritz Bohlmann, er sitze zwar nicht erneut im Rat, aber man tausche sich regelmäßig aus. „Da hat‘s viele Gespräche über den Gartenzaun gegeben. Ich hoffe, so wird es auch in Zukunft bleiben.“

In einem Punkt allerdings gibt er sich standhaft. Wer für den Döhlbergen-Hutberger Ortsrat kandidiert, der steht je nach Ortschaft, in der er lebt, entweder auf der Liste der Wählergruppe oder der Wählergemeinschaft. Auf jeden Fall nicht auf einer der Listen der großen Parteien. „Dabei wird es bei mir auch bleiben“, sagt Mischa Meininger, „ich schließe mich keiner politischen Richtung an“. Für die Ortschaft, in der er aufgewachsen ist, dafür wolle er sich engagieren, er und die anderen zehn, die dem Ortsrat angehören. Völlig über Parteigrenzen hinweg.

Zu tun gibt‘s genug. Neben dem Radwegenetz, an das jetzt endlich auch Döhlbergen angeschlossen werden soll, zum Beispiel auch die beiden Feuerwehrhäuser, die dringend erneuert werden müssten, oder der Hönischer Sportplatz, der einen Kunstrasen benötige, und dann wäre da noch die neue Stromtrasse, die über die Ortschaften links der Aller gezogen werden, oder einer der eher kleinen Punkte. „Eine Sitzbank an der Döhlberger Straße wurde angeregt“, sagt Meininger, „und teilweise sind die Seitenränder nach dem Verlegen der Wasserleitung nicht befestigt. Da müssen wir ran.“

Von Heinrich Kracke

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Verdener Weihnachtsmarkt auf der Kippe

Verdener Weihnachtsmarkt auf der Kippe

Verdener Weihnachtsmarkt auf der Kippe
2G-plus: „Es brodelt“

2G-plus: „Es brodelt“

2G-plus: „Es brodelt“
Gewerbesteuer: Verden auf dem Weg zur Nummer 1 in Niedersachsen

Gewerbesteuer: Verden auf dem Weg zur Nummer 1 in Niedersachsen

Gewerbesteuer: Verden auf dem Weg zur Nummer 1 in Niedersachsen
Testzentrum im Achimer Rathaus startet erst Samstag

Testzentrum im Achimer Rathaus startet erst Samstag

Testzentrum im Achimer Rathaus startet erst Samstag

Kommentare