Stadt startet Entwicklungskonzept

Verden im Jahr 2040: Fischerviertel autofrei

Leute hinter einer großen Landkarte, die auf dem Fußboden liegt.
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Planspiele vor der mächtigen Verden-Karte: Wohin mit den Autos, wohin mit Wohnungen und Häusern? Fragen, zu denen erste Visionen ans Licht kamen.

Wie sieht Verden im Jahr 2040 aus? Die Innenstadt wird autofrei sein. Aber bei dem Weg dorthin scheiden sich die Geister.

Verden – Die Menschen im Verdener Fischerviertel können sich schon mal warm anziehen. An Tagen wie diesen zum Beispiel, an Novembertagen. Zwar wird der dunkle Herbstmonat künftig nicht mehr so nasskalt ausfallen wie gewohnt, dem Klimawandel geschuldet, aber so einfach wie bisher haben es die Anwohner in Verdens schnuckeligstem aller Viertel auch nicht mehr. Mal eben aus dem Haus und dann gleich ins Auto, wo erst der Motor brummt und dann die Heizung, das ist künftig vorbei. Das Fischerviertel wird zur autofreien Zone ernannt, und mit ihm große Teile der Innenstadt.

So lautet jedenfalls eine der ersten Tendenzen der Verdener Stadtentwicklung bis zum Jahr 2040. An die 50 Teilnehmer aus allen Bevölkerungskreisen hatten im Verdener Campus Gelegenheit, ihre Vision von der Zukunft an der Allerstadt zu entwickeln. Anlass dazu: der Startschuss zum – Achtung, Unworte! – integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek), das bis Ende des nächsten Jahres neu aufgelegt werden soll. Dahinter verbirgt sich ein gemeinsamer Lernprozess zwischen Öffentlichkeit, Gutachterbüros, Ortsräten, Stadtrat und Stadtverwaltung, wie es aus dem Rathaus heißt, und an dessen Ende steht eine Strategie, an der sich alle Einzelthemen orientieren.

Anders als noch beim ersten Isek, in dem es vor allem um Wohnen, Gewerbegebiete und Innenstadtentwicklung mit zum Abschluss der Stadtkante auf dem Kaufhallengelände ging, werden jetzt eine Reihe weiterer Aspekte einbezogen. Neben Innenstadt und Gewerbeflächen künftig auch Mobilität und Klimaneutralität. „Wie bewältigen wir die Folgen des Klimawandels? Wie bleibt Mobilität für alle bezahlbar?“, lauteten zwei der Fragen, mit denen Bürgermeistermeister Lutz Brockmann den Isek-Startschuss gab.

Und schon tauchten sie auf, die ersten Zielkonflikte. Eine Stunde lang hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Vision vom Verden des Jahres 2040 zu äußern. Während noch weitgehend Einigkeit darin bestand, die Allerstadt werde sich in 19 Jahren überwiegend autofrei präsentieren, drifteten die Wege dorthin schon mal auseinander. Eines der Probleme zum Beispiel: die Blechlawine, die täglich durch die Altstadt rollt. „8000 Autos über die Südbrücke, die meisten passieren das Fischerviertel, den Lugenstein, aber eigentlich steuern deren Fahrer die Firmen im Verdener Osten an“, stellte etwa der Verdener Unternehmer Uwe Körner fest. Solle die Fahrzeugschlange die Stadt verlassen, gehe das nur mit einem dritten Allerübergang parallel beispielsweise zur Eisenbahnbrücke.

Eine abweichende Lösung stellte Stephanie Weber vor. „Statt der Autokolonne in die Stadt lieber Pendlerparkplätze vor der Stadt“, sagte die Rathaus-Mitarbeiterin, „und dann weiter per Öffentlichem Personennahverkehr zu den Arbeitsstätten.“ Oder gern auch per Rad. „Wir brauchen die Fahrradschnellwege durch die Stadt, an einigen Stellen natürlich auch mit Vorfahrt gegenüber den Autos.“ Oder noch weitergehend, wie der Verdener André Schubert formulierte: „Ich stelle mir die Bremer Straße als Boulevard für Radler und Fußgänger vor.“

Nur so ins Blaue hinein die weiteren Visionen, die vor einer großen Stadtkarte geäußert und zunächst mal nur protokolliert wurden. Gewiss, Verden werde älter, deutlich älter bis zum Jahr 2040, aber was sei mit den jungen Leuten? „Wir brauchen hier eine Berufsakademie. Es kann nicht angehen, dass die nachwachsende Generation nach der Schule zur weiteren Ausbildung die Stadt verlässt, und dann nicht zurückkehrt“, lautete eine der Ansichten. Müssen große Firmen eigentlich auch große Firmenparkplätze vorhalten, oder gibt es bessere Lösungen? Lassen sich die Bohrungen der Dea-Wintershall nach deren Rückzug für die Geothermie und damit Wärmeprojekte nutzen? Wie kann jungen Familien bei der Suche nach einer passenden Wohnung geholfen werden? Müssen weiterhin ältere Semester allein oder zu zweit großzügige Einfamilienhäuser bewohnen, oder kann ihnen der Umzug in die Innenstadt schmackhaft gemacht werden? Alles Aspekte, die im Zuge des Verfahrens das Zeug zum Weiterentwickeln haben.

Begleitet wird das Isek von einer Reihe Beraterbüros. Einen neuen Ansatz dürfte vor allem Umweltanalytiker Geo-Net (Hannover) in die Debatten bringen. „Wir ermitteln sehr kleinteilig die Hotspots der Hitzebelastungen in der Stadt. Die allmählich steigenden Temperaturen werden zu einer ernsthaften Größe für die ältere Bevölkerung führen, sie setzen zudem vor allem Kindern zu“, sagte Geo-Net-Vertreter Peter Trate.

Alles allerdings noch Zukunftsmusik, alles nur Denkansätze, nichts vollständig. Ab dem kommenden Donnerstag, und dann zwei Wochen lang, haben Menschen aus der Allerstadt und drumherum die Möglichkeit, ihre Vision für Verden im Jahr 2040 auf einer Karte zu platzieren. Informationen zur Anmeldung, weitere Informationen zum Isek sowie der Zugang zur Onlinebeteiligung auf der Projekthomepage der Stadt unter www.verden.de/ISEK2040.

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