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Kater „Terence“: Kleiner Kämpfer auf dünnen Beinchen

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Von: Markus Wienken

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Ein Herz und eine Seele: Kater Terence (vorn) und seine Gefährtin Mandy suchen ein neues Zuhause.
Ein Herz und eine Seele: Kater Terence (vorn) und seine Gefährtin Mandy suchen ein neues Zuhause. © M. Wienken

Immer wieder kippte „Terence“ um, immer wieder stand er auf. Kleine Wackler hat der Kater immer noch, aber es ist deutlich besser geworden....und er hat eine Freundin....können diese Augen lügen?

Verden – Ein Pfötchen links, eins rechts, dann scheint Terence ein wenig zu überlegen, er stockt, strauchelt und kippt einfach um. Den mitleidigen Blick seines Besuchers ignoriert der Kater, blinzelt kurz, steht wieder auf seinen vier Beinchen und setzt unverdrossen seinen Weg zum Fressnapf fort. Dort angekommen, lässt er sich die Portion schmecken. War schließlich ein langer Weg.

Dass Terence seine Pfoten koordiniert voreinander bekommt, ist nicht selbstverständlich. Der kleine Kater leidet an Ataxie. Heidi Seekamp, Leiterin des Verdener Tierheims, klärt auf: „Ataxie ist keine Krankheit, sondern eine Behinderung, eine Störung im zentralen Nervensystem. Mal mehr mal weniger können die Tiere infolgedessen ihre Bewegungen schlecht bis gar nicht koordinieren.“

Tierheim Verden: Training und intensive Pflege des kleinen Katers

Bei Terence ging zunächst gar nichts. Als er im Tierheim ankam, noch kleiner als jetzt und ausgehungert, konnte er sich kaum auf den dünnen Beinchen halten. Vor dem Fressnapf zeigte der Kater allerdings Durchsetzungsvermögen. Wo kein Platz war, fuhr er durchaus die Ellenbogen aus. So dachten zunächst seine Pflegerinnen, denn: „Wenn Terence an den Napf kam, konnte es passieren, dass alle  anderen Katzen und Kater um ihn herum plötzlich verschwunden waren.“ Ursache dafür waren weniger die Ellenbogen, als vielmehr die Unbeholfenheit, mit der der junge Kater sein Umfeld düpierte, besser noch anrempelte und irritierte. „Wenn er umkippte, damit kamen die anderen einfach nicht klar, erschreckten sich und machten sich aus dem Staub.“

Kater Terence hat Ataxie.
Stets ein wenig unsicher auf den Beinen: Terence hat Ataxie. © M. Wienken

Das Geheimnis von „Terence“

Es dauerte zunächst etwas, bis die Pflegerinnen hinter das Geheimnis von Terence kamen, um ihn dann aber besonders unter ihre Fittiche zu nehmen. „Weil es anfangs nicht besser wurde, dachten wir zunächst daran, ob es besser wäre, ihn von seinen Leiden zu erlösen“, so Heidi Seekamp. Aber da hatten alle die Rechnung ohne Terence gemacht. Er blühte unter der intensiven Pflege, dem regelmäßigen Training förmlich auf, bekam an den dünnen Beinchen und Oberschenkeln ein paar Muskeln mehr und war zunehmend sicherer auf den vier Pfoten unterwegs. „Sein Mut, sein unerschütterlicher Optimismus trotz des Handicaps wieder aufzustehen, das ist einfach bewundernswert“, erzählt Heidi Seekamp. „Von Vorteil dabei ist, dass der Kater sich an die Zwischenfälle nicht erinnert. Auch das ist Teil des Krankheitsbildes.“

Ataxie: Dem Kater fehlt jede Erinnerung an die „Stürze“

Allerdings kann die „fehlende Erinnerung“ auch nach hinten losgehen. Terence hat sich als Folge der intensiven Pflege zu einem wirklichen Menschenfreund entwickelt. Kommen Besucher um die Ecke, kann es sein, dass er sich vom meterhohen Kratzbaum in die Tiefe plumpsen lässt, um den Gast stürmisch zu begrüßen, den Sturz aber infolge seines Handicaps nicht unfallfrei abfedern kann. „Wir passen zwar auf, es könnte in einem unbekannten Umfeld aber auch mal schiefgehen“, fürchtet Heidi Seekamp. Terence stört’s bislang nicht, seine Mitbewohner, ob Kater oder Katze, haben sich sowieso längst an das eigentümliche Verhalten gewöhnt. Sie nehmen Terence mittlerweile wie er ist. Manchmal ein wenig seltsam, aber voll in Ordnung. Mitleid braucht er nicht.

Und wenn er doch mal einsam ist? Na ja, da gibt’s noch Mandy, seine Freundin auf vier Pfoten, der Terence im Tierheim im Laufe der Zeit näher gekommen ist. Die spendet dem Kater dann Trost. Kann aber sein, dass Mandy dabei mal ganz kurz das Gleichgewicht verliert. Dann guckt Terence zwar etwas verwirrt, aber irgendwie auch nicht. Vielleicht kommen ihm die Symptome doch bekannt vor!?

Info
Terence und Mandy suchen ein neues Zuhause. Angesichts ihres Handicaps sollte das neue Heim allerdings keine Treppen oder ähnliche Hindernisse haben. Weitere Informationen im Tierheim Verden unter der Telefonnummer 04230/942020.

Von Markus Wienken

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