Mehrheiten zeichnen sich ab

Bäume auf Rathausplatz: Politik sagt ja

Großer Platz vor Verdener Rathaus.
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Viel Platz, wenig Grün: Für eine Rückkehr echter Bäume vor dem Rathaus zeichnen sich politische Mehrheiten ab.

Verden – Richtig in die Beratungen gegangen ist die Angelegenheit noch nicht, aber seit Dienstagabend gilt als sicher: Auf den Verdener Rathausplatz kehren Bäume zurück, echte Bäume mit Wurzeln im Erdboden und so. Unklar lediglich noch, wie viele, und wo sie stehen werden. Darauf deutet eine satte Mehrheit im Stadtrat hin. Nach den Grünen, die den Antrag einbrachten, machen sich auch die großen beiden Fraktionen dafür stark, die CDU und die SPD.

Eine bemerkenswerte Turnübung zeichnet sich ab, eine politische Turnübung, und die auch noch mit Winkelzug. Die Pikanterie: Vor zehn Jahren waren es Grüne und SPD, die das Aus allen hochwachsenden Grüns auf Verdens zentralem Platz beschlossen und zwei Jahre später endgültig durchgesetzt haben. Im Stadtrat wies jetzt Johanna König, eine der Sprecherinnen der Grünen, den Weg für die Rückkehr der Bäume auf, großkroniger Bäume. Damals sei das Kleinklima noch kein öffentliches Thema gewesen, sagt sie, und zumindest bei der Vorstellung der Pläne Anfang Mai, wir berichteten, merkte sie süffisant an, sie habe damals noch nicht dem Rat angehört.

Eine ähnliche Strategie verfolgen, zufällig oder tatsächlich gewollt, die Sozialdemokraten. Das Wort ergriff jedenfalls eines der jüngeren Fraktionsmitglieder. Antje Engel war erst nach dem Grundsatzbeschluss in den Rat gewählt. „Grün ist auf dem Rathausplatz wichtig“, sagt sie. Gleichzeitig kündigte sie ein eigenes SPD-Konzept schon für die Sitzung des Ausschusses für Straßen und Stadtgrün am kommenden Mittwoch an.

Gut lachen haben die Christdemokraten, glauben sie zumindest. Fraktionschef Jens Richter hatte bereits kurz nach Bekanntwerden des Grünen-Antrags wie berichtet das Folgende zu Protokoll gegeben: „Neben der Bedeutung für den Aufenthaltscharakter hat die CDU bereits seinerzeit auch schon immer auf das Mikroklima in Form von Schatten und Luftfeuchtigkeit hingewiesen.“ Noch mehr Öl ins Feuer goss der frühere ehrenamtliche Bürgermeister Wolfgang Krippendorff. „Ich fände es ehrlicher, wenn die Grünen statt mit vielen – wahlkampfartigen – Worten ihre Auffassung zu begründen, zugegeben hätten, dass der heutige Zustand das Werk ihrer Partei und der SPD ist. Schließlich haben sie gegen die Stimmen der CDU mit der Geburt des „antigrünen“ Sockels auch alle Bäume entlang des Rathauses beseitigt“, schrieb er.

Sie unterstützen das Baumpflanzen am Rathaus, heißt es bei den Christdemokraten, aber man bitte um Standortvorschläge. Eine eigene Initiative war seinerzeit mit Hinweis auf im Boden liegende Versorgungsleitungen gescheitert. Richter: „Es ist nur der eine Baum an der Herrlichkeit übrig geblieben.“

Ein Problem, dem die Grünen in ihrem Antrag bereits Rechnung zollen. „Auf dem Rathausplatz werden großkronige Solitärbäume gepflanzt. Die Anzahl und die Standorte der Bäume sollen unter Berücksichtigung der im Boden befindlichen Ver- und Entsorgungsleitungen sowie konzeptionellen Überlegungen zu Großevents und dem Wochenmarkt festgelegt werden“, heißt es in ihrem Antrag.

Gleichzeitig habe sich die politische Großwetterlage geändert. Beim Umbau des Rathausplatzes hätten seinerzeit zwei Faktoren im Vordergrund gestanden: Es sollte zum einen eine barrierefreie Fläche entstehen, zum anderen ein großer Platz für Veranstaltungen. Der Domweih wurde hierbei besondere Bedeutung beigemessen. Inzwischen sei vieles im Umbruch. Kommunen entwickelten Konzepte zur Zukunft der Innenstädte, der Wandel hin zu einem Einkaufs- und Erlebnisraum, als Treffpunkt und Aufenthaltsort mit Grünstrukturen sei vorgezeichnet. Große Bäume gehörten aus kleinklimatischen Gründen dazu, dies sei eine der einfachsten und effektivsten Methoden, um nachhaltig gegen die Belastungen in Städten durch den Klimawandel vorzugehen und Maßnahmen zur Klimaanpassung zu realisieren.

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