Einäscherungen schnellen von 1200 auf 6500 pro Jahr empor

Verdener Krematorium plant Foyer

Mann und Frau auf dem Zugangsweg zum Krematorium.
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Noch ein simpler Zugang, auf dem Birgit Bischoff und Willy Hilling ihre Pläne vorstellen. Künftig soll an dieser Stelle ein lichtdurchflutetes Foyer die Trauernden empfangen.

Verden – Im Sommer ist es ein ruhiges Plätzchen. Bänke unter dem Blätterdach mächtiger Eichen, ein beschauliches Idyll zum würdevollen Innehalten. Im Winter natürlich zuweilen zugig und bitterkalt. Um den Angehörigen auf dem schweren Weg der letzten Begleitung eines lieben Menschen eine von Anfang an und immerwährend einladende Atmosphäre zu bieten, plant das Verdener Krematorium im Eingangsbereich ein neues Foyer. Den ersten Schritt ist das Projekt gegangen. Die Kommunalpolitik stimmte schon mal zu.

„Lichtdurchflutet soll es ausfallen, eine Lichtkuppel im Dach ist geplant, hohe Fenster natürlich auch. Ein bisschen so wie ein riesiger Wintergarten.“ So stellen sich Krematoriums-Vorstand Willy Hilling und die kaufmännische Leitung Birgit Bischoff den kommenden Empfangsbereich der Feuerbestattungen Verden vor. Technische Daten gibt es ebenfalls schon. Das Gebäude mit seinen geplanten 100 Quadratmetern Größe soll dem jetzigen Haupteingangsbereich vorgelagert sein. Der Baustart auf dem Gelände im nordwestlichen Zipfel des Waldfriedhofes ist für das kommende Frühjahr angedacht, der Bezug sei zum Herbst hin geplant. Das Budget beziffert Hilling aktuell mit 300 000 Euro.

Die Investition macht Sinn. Innerhalb der zurückliegenden anderthalb Jahrzehnte des Betriebs sei der Wunsch vieler Angehöriger, den Verstorbenen auch auf dessen letzten Metern bis zur Einäscherung zu begleiten, deutlich gewachsen. „Bei unserem Start im Jahr 2005 wurden noch 30 Termine pro Jahr zum Beiwohnen vereinbart, inzwischen sind es 250 innerhalb von zwölf Monaten“, so Hilling. Und zu erwarten sei, dass die Zahl weiter steige. Darauf deuteten sowohl der aktuelle Trend zur Einäscherung als auch die demografische Entwicklung hin.

Zur Jahrhundertwende überwog noch deutlich die Erdbestattung. Vier von fünf Verstorbene hatten sich zu Lebzeiten für diesen Weg entschieden. Das Verhältnis habe sich inzwischen umgekehrt. „Aktuell wählen 74 Prozent die Einäscherung.“ Und nicht unwahrscheinlich, dass diese Tendenz noch weiter zunehme.

Gleichzeitig nehme die Anzahl der Verstorbenen zu, und dies nicht nur pandemiebedingt, sondern dauerhaft. Wurden vor 20 Jahren republikweit noch rund 800 000 Tote gezählt, so sind es nach ersten Schätzungen dieses Jahr schon eine Million. Um ein vorübergehendes Phänomen handele es sich dabei nicht, angesichts der 40 Prozent der Bevölkerung, die inzwischen das Alter von 60 Jahren überschritten haben, Tendenz: steigend. Der Einzugsbereich des Verdener Krematoriums erstreckt sich nach Angaben Hillings auf rund 50 Kilometer bis in die Nachbarkreise und nach Delmenhorst. Rund eine Million Menschen leben im südlichen Raum um Bremen. Und der Rest ist Mathematik: Auf gut 10 000 Verstorbene habe sich die Region aktuell pro Jahr einzustellen, nicht mehr lange, dann sei man bei 13 000 angelangt.

Bei den 6 000 Einäscherungen, die noch im vergangenen Jahr bewältigt wurden, werde es nicht bleiben, so Hilling weiter. Schon im laufenden Jahr sei eine Steigerung um acht Prozent auf 6 500 zu erwarten. Von den 1 200 vor 15 Jahren habe man sich jedenfalls deutlich entfernt. Theoretisch sei eine Ausweitung der aktuellen Kapazität auf 9 000 möglich, dies allerdings nur noch im Sieben-Tage- und Dreischicht-Betrieb, was nicht anzustreben sei. Gleichzeitig habe man sich auf die Absprache mit den Bestattungsinstituten verständigt, spätestens drei Tage nach Freigabe die Einäscherung vollzogen zu haben.

Um diese Vorgaben auch künftig erfüllen zu können, plant die Einrichtung zusätzlich zu den zwei vorhandenen Einäscherungslinien eine dritte. Auch dafür müssten jetzt die baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden, es sei eine Änderung des Bebauungsplanes für das rund 4 600 Quadratmeter große Grundstück am Rande des Waldfriedhofes erforderlich. Auch diesem Vorstoß stimmte die Kommunalpolitik inzwischen zu.

Vorbei offenbar die Vorbehalte, die gegen die Anlage zu deren Anfangszeiten gehegt wurden. Mit einem Bürgerbegehren machten seinerzeit Bevölkerungsteile der Stadt Verden gegen den Betrieb mobil. Inzwischen glätteten sich die Reaktionen. „An unseren Tagen der offenen Tür können sich die Menschen informieren, immer wieder führen wir auch Besuchergruppen durch die Anlage“, sagt Hilling, „die Ängste sind ausgeräumt.“

Jetzt gehe es darum, die Menschen, die der Einäscherung eines nahen Angehörigen beiwohnen wollen, einen ansprechenden Treffpunkt vor der eigentlichen Zeremonie zu bieten. „Bei dem neuen Foyer geht es nicht nur um einen simplen Regen- und Windschutz, es geht um eine Empfangshalle, in der sich die Trauernden gut empfangen fühlen.“

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