Geld da, Ideen sollen folgen

Verden: Dreiviertelmillion für moderne Innenstadt

Menschen in Fußgängerzone.
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Belebt? Nicht belebt? Alles eine Frage der Sichtweise. „Wir wollen die Innenstadt aus der Position der Stärke heraus entwickeln“, heißt die Losung des Stadtrates.

Vor allem am Erlebnischarakter der Verdener Innenstadt soll gearbeitet werden. Das lässt sich der Stadtrat eine Menge kosten. Bis zu einer Dreiviertelmillion Euro stehen zur Verfügung.

Verden – Es ist fünf vor zwölf, vielleicht auch schon später, womöglich aber noch nicht zu spät. Als Verdens Stadtpolitik Donnerstagabend ein Programm mit mehreren hunderttausend Euro für Fußgängerzone und Co. auf den Weg brachte, da fiel nicht nur die Summe aus dem Rahmen, da war es vor allem die Begleitmusik, die der Kategorie bemerkenswert zuzuordnen ist.

Einstimmig fiel diese Rückendeckung für die Innenstadt aus, ausnahmsweise ohne Gezänk, überwiegend einstimmig, nur in kleinen Abweichungen von Parteipolitik geprägt. Unterstützt wird alles, was das Herz der Stadt stark macht. Und am Ende, wer weiß, steht die Innenstadt 3.0, zumindest ist dafür der Startschuss gefallen, und eines ist jetzt schon absehbar: Diese Innenstadt 3.0 wird sich von der Innenstadt 2020 unterscheiden.

Der dickste Brocken: eine halbe Million Euro fließt in den Innenstadtfonds, der als Co-Finanzierung für überregionale Innenstadtprogramme dient und mit externer Beratung entwickelt wird. Etwa 75 000 Euro kostet die Aktion „Gebührenfrei parken“, die seit gestern läuft. Weitere 15 000 Euro kommen Ladenbesitzern und Gastronomen zugute, ihnen bleiben die Gebühren für Warenauslagen und Sitzplätzen auf öffentlichem Boden erspart. Dieses Dreigestirn an Unterstützung deutete sich wie berichtet bereits am Mittwoch an. Neu zusätzlich: Rund 5 000 Euro stellt die Stadt für den Werbefonds des Wochenmarktes zur Verfügung. „Die Marktbeschicker litten zwar nicht unter den Corona-Maßnahmen, aber sie tragen zur Attraktivierung der Innenstadt bei. Sie holen Besucher in die Stadt“, heißt es in der Begründung. Ausdrücklich fiel ferner nicht nur privatwirtschaftliches Unterstützen in den Blick, sondern auch kommunales, das den Erlebnischarakter zwischen Burgberg und Nordertor verstärkt. Für das Domherrenhaus wurde der städtische Anteil zur Fassadensanierung freigegeben, für die Domfestspiele der Zuschuss auf 20 000 Euro aufgestockt und eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 50 000 Euro gewährt. Alles zusammen ein Volumen von rund einer Dreiviertelmillion Euro.

Geld also in Hülle und Fülle. Was fehlt, sind die Ideen, noch jedenfalls. Aber vielleicht war schon das, was am Donnerstagabend im Ratssaal stattfand, symptomatisch. Nein, ausnahmsweise nicht die Übertragungstechnik, sie funktionierte erneut nicht richtig, was aber hier nur in einem Nebensatz Niederschlag finden soll, nein, es ging um die Teilnehmer. Der Saal war leer. Sämtliche Politik schaute online sozusagen von außen herein. Und das dürfte der Schlüssel zu allem sein.

Bürgermeister Lutz Brockmann brachte das Problem der Sichtweisen auf den Punkt. „Von Besuchern hören wir sehr oft, der Verdener Innenstadt geht‘s noch relativ gut. Schöne Große Straße, romantische Altstadt, schöne Geschäfte. Aber Verdener wissen eben, es war schon mal besser.“ Aus der Position der Stärke solle jetzt die Innenstadt weiterentwickelt werden. SPD-Fraktionschef Michael Otten schlug in dieselbe Kerbe. „Leider vermisst man die Dinge erst, wenn sie weg sind. Wir wollen frühzeitig gegensteuern.“ CDU-Fraktionschef Jens Richter erkannte bereits erste Zielgruppen. „Rund 80 Prozent der unter 25-Jährigen interessieren sich nicht mehr für die Innenstädte. Das hat eine Studie belegt.“ Es bestehe dringender Handlungsbedarf. „Die Leute lechzen danach, wieder in die Innenstädte zu kommen. Wir müssen allerdings besser werden“, befand Henning Wittboldt-Müller (FDP). „Wir müssen dem Einzelhandel helfen, und gleichzeitig das Erlebnis Innenstadt und die Aufenthaltsqualität entwickeln“, so Rasmus Grobe (Grüne). Sämtliche Fraktionen unterstützten den Vorschlag, externe Berater hinzuzuziehen.

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