In den Mühlen der Weltpolitik

Verdener Unternehmen Badenhop von Export-Stopp Russlands betroffen

Drei Männer in Schutzanzügen in einer Fertigungshalle
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Plötzlich einem Export-Stopp nach Russland ausgesetzt: Christian Badenhop (r.) erklärt als Mitinhaber des Verdener Unternehmens während eines Betriebsrundganges den Bundestags-Abgeordneten Andreas Mattfeldt (l.) und Hendrik Hoppenstedt die schwierige Lage.

Verden – „Für uns ein tiefer Einschnitt“, sagt Christian Badenhop von den gleichnamigen Fleischwerken in Verden. Die erste Hiobsbotschaft kam vor sechs Jahren. Exportverbot nach Russland, auf einen Markt also, der zumindest in Sachen Katzen-Tierliebe sogar bundesdeutsche Auswüchse toppt. Und jetzt im Mai die nächste schlechte Nachricht aus Moskau: Offizielle Sperre der Export-Lizenz.

Verloren gegangen sei, so Badenhop, ein jährliches Umsatzvolumen von „fünf bis zehn Millionen Euro“. Gestern nahm sich der Staatsminister bei der Bundeskanzlerin des Falls an. Dr. Hendrik Hoppenstedt suchte gemeinsam mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt das Verdener Familienunternehmen auf. Die Aussichten auf eine Wiederaufnahme des Exports bleiben zwar vage, aber als hoffnungslos gilt das Unterfangen nicht.

Hoppenstedt, gleichzeitig Spitzenkandidat der Christdemokraten in Niedersachsen, beurteilte zunächst die generelle Lage. „Sieht aus nach einer Rache der Russen im Nachgang der Krim-Annektion und den Sanktionen des Westens.“ Der europaweite Spitzenreiter unter den Zulieferern für die Tiernahrungshersteller, die Firma Badenhop, sei in die Mühlen der Weltpolitik geraten, so der Abgeordnete aus Großburgwedel. Und mit im Spiel sei Willkür gewesen.

Plasmamehl kommt seit 2015 aus Dänemark nach Russland

Darauf deuten auch die Erkenntnisse Badenhops hin. Vor 15 Jahren habe man die Exportlizenz erlangt. Bis zu 10.000 Tonnen seien pro Jahr in die weiten Landschaften zwischen Wolga und Ob geliefert worden. Offiziell gestoppt wurde dieser Warenfluss im Jahr 2015 mit der Begründung, die Grenzwerte beim Plasmamehl seien überschritten. Seither, so Badenhop, machten andere das Geschäft, ein dänischer Wettbewerber etwa. Er vermochte unbehelligt weiterzuliefern.

Die Hoffnung des Verdener Unternehmens mit den Standorten an der Röntgen-Straße und am Finkenberg: Plasmamehl wird als Futter für Nutztiere verwendet, der weitaus größere Anteil der Lieferungen diene aber als Futter für Haustiere. „Gut möglich, dass bei der Vereinbarung vor anderthalb Jahrzehnten ein Übersetzungsfehler ursächlich war, gut möglich auch, dass wir etwas übersehen haben“, so Badenhop, „aber letztendlich konnten wir fast ein Jahrzehnt lang unbehelligt liefern, ehe der überraschende Stopp kam.“

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Tatsächlich differenzieren die russischen Behörden fein. Zwei relevante Kategorien bestehen allein bei den Tierfutter-Lieferanten. Zum einen „feeds and feed additives for fur animals (Futtermittel und Futtermittelzusätze für Pelztiere)“, zum anderen „feeds for non-production animals (Futtermittel für Nicht-Produktionstiere)“. Die Firma Badenhop wird gegenwärtig der ersten Kategorie zugeordnet, sie möchte künftig der zweiten zugerechnet werden. „Da gehören wir hin“, so Christian Badenhop, „es geht ums Futter für Haustiere.“

Firma Badenhop feiert in diesem Jahr 150. Geburtstag

Ob die Ansichten von der Aller auch an der Moskwa ankommen, ob sie überhaupt wahrgenommen werden, ist noch unklar. „Wenn überhaupt, dann muss es mindestens ein Brief aus dem Kanzleramt sein, auf dem die Lage beschrieben und die Umwidmung erbeten ist“, sagt Mattfeldt, „auf diesem Wege sollte nachgehalten werden.“ Hoppenstedt sagte zu, sich für die „Sache zu verwenden“.

Eine positive Nachricht aus dem Kreml käme für die Firma Badenhop nicht zum ungünstigsten Zeitpunkt. Das Unternehmen feiert in diesem Jahr den 150. Geburtstag. Auf rund 300 Beschäftigte sind die Fleischwerke angewachsen. Allein 140 Auflieger und 80 Zugmaschinen sind mit dem Badenhop-Schriftzug unterwegs, das neue Kühllager, erst vor wenigen Jahren in Betrieb genommen, kommt auf eine Kapazität von 600 Tonnen pro Tag. Wichtig sei ihm auch, so Christian Badenhop, weiterhin alles aus einer Hand anbieten zu können, den Transport genauso wie die Veredlung des Fleisches. „Damit sind wir deutlich flexibler und können besser die Kontakte zu unseren Kunden halten.“ Und einer der Firmengrundsätze gilt sogar schon über die vollen anderthalb Jahrhunderte: „Die Achtung vor der Kreatur ist uns das wichtigste Anliegen, jedes Tier wird so verwertet, dass nichts weggeworfen werden muss.“

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