Familienbummel in den 1950er-Jahren / Fotos an die VAZ schicken

Domweih-Nostalgie: Ein Eisbär und viele Tränen von Gertrud

Familie auf der Domweih 1950er-Jahre in Verden
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Die Eltern, Annelise und Richard Bunte, die mutige Schwester Ursula und die weinende Gertrud auf dem Arm ihrer Mutter.

Verden – Keine Domweih?! Ein kleines Bisschen geht immer, und für Gertrud Döhle sowieso. Eigentlich ist für die Verdenerin jeden Tag ein „bisschen Domweih“. Und zwar wenn sie morgens, beim Aufstehen, auf ihre umfangreiche Sammlung von Erinnerungen blickt. Auf ihrer Kommode, da steht ein Bild, an dem ihr Herz besonders hängt, weil es eine Geschichte hat, die sehr lebendig und immer wieder erzählenswert ist.

Die Domweih in Verden 1952 oder 1953

Es ist ein Foto aus längst vergangenen Zeiten. „Domweih 1952 oder 1953, so ganz genau weiß ich es nicht mehr“, kramt Gertrud Döhle in ihren Erinnerungen. Kein Wunder, dass sie die Zahl nicht auf das Jahr parat hat, ist sie doch auf dem Foto grade mal drei oder vier Jahre alt – und steht ein bisschen unter Schock. Denn dass sie in der Szene eine ganz außergewöhnliche Begegnung verarbeiten muss, ist nicht schwer zu erraten. Das Jahr zwar nicht geläufig, erinnert sich Gertrud Döhle haarklein an den mächtigen Eisbären, der damals zur festen Institution auf der Domweih gehörte.

Die kleine Gertrud, der zähnefletschende Eisbär, das passte einfach nicht

Und was macht ein Eisbär auf der Domweih? Werbung für das Fest, die Menschen unterhalten und Fotos. Hatte Gertrud vielleicht zunächst noch etwas Mut, zumal der Vierbeiner sich zutraulich zeigte, war sehr schnell klar, an Freundschaft war nicht zu denken. Spätestens als der Vierbeiner sich auf den Hinterbeinen aufrichtete, einfach nur riesengroß vor ihr stand. Die kleine Gertrud, der zähnefletschende Eisbär, das passte einfach nicht – das Mädchen verließ angesichts des für sie realen Raubtieres der Mut – und Gertrud brach in Tränen aus. Tröstende, beschwichtigende Worte aus dem Maul des zotteligen Tieres machten es nicht besser – im Gegenteil. Für ein gemeinsames Foto, ebenfalls Teil des Domweih-Eisbären-Programms, war Gertrudchen absolut nicht zu gewinnen. „Auf den Arm des Bären? Auf keinen Fall“, lacht Gertrud Döhle in Erinnerung an die Szene. Also musste Mutti ran, damit es mit der Familien-Aufnahme überhaupt was werden konnte. Das Bild vor dem Hotel „Deutsches Haus“, Ecke Piepenbrink/Große Straße, zeigt die „historische Szene“. Zu sehen sind die Eltern, Annelise und Richard Bunte, die ebenfalls vergeblich versucht hatten, ihre Jüngste zu beruhigen. Schwester Ursula guckt derweil fast ein wenig spöttisch auf den kleinen Angsthasen. Dem war es egal. „Der Eisbär war für mich Luft, kein Blick für das böse Tier“, so Gertrud Döhle.

Verdener Domweih: „Auf den Arm des Eisebären? Auf keinen Fall!“

Die Geschichte blieb in den Jahren danach sehr lebendig, und zwar immer auch dann, wenn es auf die Domweih ging, da schon älter, und stets voller Tatendrang. „Domweih mit Freundinnen und Freunden, dann der Familie, aber auch mit der Turngruppe, das war ein Muss“, so die 72-jährige Ur-Verdenerin.

Der Bär ist lange Geschichte. „Ich habe ihn nicht wieder getroffen. Vielleicht gab es nach meinem Auftritt ein Einsehen, dass sich der Spaß für Kinder in Grenzen hielt“, so eine Vermutung. Das Foto aber ist geblieben – und steht im Schlafzimmer auf der Kommode. „Da, wo meine ganze Ahnengalerie mit besonderen Momenten aufgebaut ist. Für mich ist es, trotz des damaligen Schrecks, mittlerweile eine schöne Erinnerung an die Domweih-Zeit“, sagt Gertrud Döhle.

Eisbär auf der Domweih: Trotz des damaligen Schrecks, mittlerweile eine schöne Erinnerung

Wenn schon nicht ordentlich gefeiert wird, dann bleiben doch immerhin genau diese Erinnerungen. Auch die Verdener Aller-Zeitung würde gerne mit in den alten Geschichten kramen. Wir würden uns freuen, wenn Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, uns Fotos aus den vergangenen Domweih-Zeiten schicken würden. Schreiben Sie ein paar Zeilen dazu, was auf dem Bild zu sehen ist, wenn möglich auch das Datum. Vielleicht eine nette Begebenheit oder Begegnung, die Sie mit dem Foto verbinden.

Verdener Aller-Zeitung sucht Geschichten und Fotos der Domweih

Wie es geht: Einfach eine E-Mail an redaktion.verden@kreiszeitung.de, Stichwort „Domweih“, schicken. Die Fotos mit entsprechender Beschriftung sowie Name und Adresse mit Telefonnummer können auch in den Postkasten der Verdener Aller-Zeitung,, Große Straße 1, geworfen werden. Die Fotos gehen zurück an den Absender. Wichtig dabei ist, dass Sie das Foto selbst geschossen haben oder der Fotograf mit einer Veröffentlichung einverstanden ist.

Maskottchen Verdi am Samstag in der Verdener Innenstadt unterwegs

Wer schon heute ein ganz bisschen Domweih-Feeling braucht, der kann sich auf dem Instagram-Account des Stadtarchivs unter stadtarchiv.verden sowie auf der Facebook Seite „Verdener Domweih“ trösten und verschieden Beiträge abrufen. Auch in den kommenden Tagen werden die beiden Medien regelmäßig von Mitarbeiterinnen der städtischen Tourist-Information und dem Stadtarchiv mit Beiträgen bespielt, darunter ein längerer Videoclip „Domweih 1963 mit Platzverteilung, Aufbau und Domweihumzug“. Der Clip wird angezeigt, wenn man sich bei Facebook angemeldet hat.

Maskottchen „Verdi“ heute in der Innenstadt

Zu sehen gibt es am

• 6. Juni „Der Domweihgottesdienst im Autoscooter.

• 7. Juni „Die Zeitungen berichten“.

• 8. Juni „…für Belustigungsgeschäfte aller Art“ Schaustellerpreise 1947.

• 9. Juni „Verdi – Domweihmaskottchen seit eh und je“.

• 10. Juni „Wer den Sarg klaut, bezahlt die Domweih – die Beerdigungsgemeinschaft Verdener Domweih“.

Auf dem Verdener Bauernmarkt ist heute – nein, Gertrud Döhle, keine Angst, nicht der Eisbär – sondern „Verdi“ unterwegs und erinnert an sein liebstes Fest, die Domweih. Er verteilt von 10 bis 13 Uhr historische Postkarten der Domweih an Besucher.

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