Sechs Böllerschüsse und sieben Tage feiern

Verdener Domweih fällt zum zweiten Mal wegen Corona aus

Und noch einmal der Blick in die Große Straße, vermutlich Ende der 1960er-Jahre.
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Und noch einmal der Blick in die Große Straße, vermutlich Ende der 1960er-Jahre.

Verden – Puuuh! Und wieder bleibt nur Katerstimmung, obwohl man doch gar nicht gefeiert hat. Keine Domweih! Und dabei sollte sie doch in diesem Jahr sogar einen Tag früher beginnen. Morgen, am Freitag statt am Samstag, also insgesamt sieben Tage die fünfte Jahreszeit. Wieder alles Essig. Verdi hatte ja schon geunkt, wenn „sein geliebtes Fest“ erneut Corona zum Opfer fallen sollte, dann, ja dann muss der Bürgermeister im nächsten Jahr, also 2022, dafür sorgen, das wir sogar noch einen Tag dranhängen.

Verdi, das alte Feierbiest, der hat trotz seines Alters noch ordentlich Kondition! Er würde sogar von Freitag bis Freitag durchziehen, also sogar zwei Tage mehr. Soll er machen – er wird bestimmt nicht allein bleiben – und bis dahin zehren wir von der Vergangenheit, der Blick zurück, Nostalgie pur im vergangenen Jahrhundert. Verden, wie es feiert, singt und lacht!!

Das Verdener Trompeten-Orchester in schmucken Husarenuniformen.

Doch wo gefeiert wird, wird diskutiert. Für und Wider und rund um die Domweih. So auch im Jahr 1838, natürlich im Rathaus. In einer Verordnung verwies der damalige Verdener Bürgermeister ausführlich auf die Einhaltung der Sonntagsruhe. Ein paar Jahre später, im Jahre 1853, betonen die Prediger der Stadt Verden in einer Eingabe an den Magistrat die Bedeutung der Sonntagsruhe. Kirche statt Kommerz! Aber dann doch: Im frühesten überlieferten „Verdener Anzeigenblatt“ von 1868 ist der Sonntag wieder als erster Domweihtag benannt. Historiker und Stadtforscher Jürgen Siemers hatte sich immer wieder bemüht, den Beschluss und die Bewegründe dafür ausfindig zu machen. Allerdings vergeblich (Jürgen Siemers, .....) Siemers vermutet, „dass irgendwann zwischen 1858 und 1868 der Beginn des Festes auf den Sonntag gelegt worden ist“.

Pause nach dem Umzug durch die Stadt.

Und dann doch wieder zurück! In der Stadtratssitzung am 11. November 1957 wurde – bei einer Gegenstimme – entschieden: „Die Domweih soll vom kommenden Jahr ab schon am Sonnabend um 15 Uhr beginnen, und zwar mit einer Eröffnungsfeier durch den Rat der Stadt. Dauer des Marktes an den übrigen Tagen wie bisher – von 13 bis 24 Uhr – bis einschließlich Donnerstag.

Die Kirche war und ist immer gerne Thema beim Domweih-Umzug. Auch im Jahr 1964 zieht ein päpstlicher Tross über die Straße Herrlichkeit.

Was kaum noch in Erinnerung ist: Nicht immer wurde die Domweih mit einem Umzug eröffnet. Auch da machte der Rat 1957 Nägel mit Köpfen: Zum ersten Mal in seiner Geschichte wurde das Volksfest im Jahre 1958 mit einem offiziellen Festakt eröffnet. Auftakt war am Lugenstein, wo sich einige hundert Mädchen und Jungen versammelten. An der Spitze des Umzugs, so hat es Jürgen Siemers recherchiert, schritt ein „Bote von König Otto III“ voran, begleitet von einigen historischen Stadtsoldaten und dem Modell des Domes, gezogen von einem Pferdewagen. Für die Musik sorgten das „Verdener Trompeter-Orchester“, standesgemäß gekleidet in den Uniformen des Hannoverschen Garderegiments, und der Borsteler Spielmannszug.

Die Fünfte Jahreszeit auf dem norderstädtischen Markt. Treffpunkt der Generationen.

Einem Herold der Landesbühne Niedersachsen, die damals ihren Sitz in Verden hatte, war es vorbehalten, mit dem Verlesen einer Urkunde dem Volke die Genehmigung zur Domweih kundzutun, ehe dann Bürgermeister Dr. Hartmut Friedrichs das Wort ergriff. Festlicher konnte es kaum sein. Verdens Stadtoberhaupt sprach von einem historischen Moment: „Wir freuen uns über den Gedanken, die Domweih mit einer Feier zu eröffnen. Das geschieht zum ersten Mal in der Geschichte der Domweih. Sie erleben einen historischen Moment“, rief Friedrichs den Menschen zu. „Es wird heute ein neues Blatt in der Geschichte der Domweih begonnen, ja, wir dürfen es im Festüberschwang und angesichts der Bedeutung der Domweih für unsere Stadt wohl sagen, auch ein neues Blatt in der Geschichte unserer Stadt.“

Mit Pauken und Trompeten geht es durch die Innenstadt. Auch im Jahr 1964 wurde gefeiert.

Der Worte waren genug gewechselt, es folgten Taten – und es krachte. Und nicht nur einmal! Pünktlich um 15 Uhr gaben zum ersten Mal drei Böllerschüsse die Domweih frei. So sollte es nachfolgend alljährlich zur guten Tradition werden. Der Umzug zur Eröffnung indes wuchs in den kommenden Jahren mehr und mehr. Schulen, Vereine, Firmen, Kapellen und Spielmannszüge, kleine und großen Gruppen, ein Sammelsurium der Verdener Gesellschaft trägt mit dem Umzug gemeinsam eine bunte Ausgelassenheit zur Schau. „Das“, so schrieb Jürgen Siemers, „ist halt das Besondere an der Verdener Domweih: Sie wird gefeiert, andere Veranstaltungen finden statt.“

Die Verdener Handballer voller Vorfreude auf sechs Tage abfeiern.

Siemers konnte nicht ahnen, dass kurz nach seinem Tod die Domweih schon im zweiten Jahr nicht gefeiert werden kann. Aber eine „Entschädigung“ muss her: Die Verlängerung der Domweih um einen Tag unter Mitnahme des Freitags wurde noch 2014 vom Stadtrat abgelehnt. Da sollte dann für das kommende Jahr ein Umdenkungsprozess stattfinden, wollen sich die Kommunalpolitiker nicht den Zorn des leidenschaftlichen Domweihgängers Verdi zuziehen. Und noch eine Forderung: Statt der üblichen drei will Verdi sechs Böllerschüsse!!!!!!

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