„Herr Minister, öffnen Sie!“

Sorge um Chöre: Verdener Domgymnasium schickt Brandbrief nach Hannover

Weiterhin vor die Tür gesetzt: die Nightingales des Domgymnasiums.
+
Weiterhin vor die Tür gesetzt: die Nightingales des Domgymnasiums.

Verden – Sie könne es nicht mehr nachvollziehen, sagt Dr. Dorothea Blume, einerseits dürfe sie inzwischen kirchlichen Chören die Probe auf der Bühne der Aula gestatten, andererseits müsse sie die Schulchöre weiterhin vor die Tür setzen. Den Nightingales etwa, die für den kommenden Montag auf regenfreie Augenblicke hoffen. „Diesen Chören ist es lediglich erlaubt, draußen zu singen“, sagt die Leiterin des Verdener Domgymnasiums.

Jetzt reagiert die Schule mit einem Brandbrief an Kultusminister Grant-Henrik Tonne. Grundtenor: „Herr Minister, öffnen Sie!“ Und stellen unsere Chöre auf dieselbe Lockerungsstufe, wie sie inzwischen für vergleichbare Gruppen der Gesellschaft gilt.

Vor der Pandemie bot das Gymnasium mit zwei Theater-AGs, vier Chören, zwei Bigbands und drei Orchestern sowie zahlreichen Sportangeboten und vielen weiteren AGs im offenen Ganztag ein sehr reichhaltiges Schulleben, heißt es in dem Schreiben, das gestern den offiziellen Weg nach Hannover geboten hat. Unterschrieben ist es von der Schulleitung, der Elternratsvorsitzenden, den Schülersprechern, der UNESCO-Koordinatorin sowie den Sprechern der Fachgruppen Musik, Deutsch und Sport. Eine Antwort Tonnes steht noch aus.

Die Schule habe alles daran gesetzt, heißt es in dem zweiseitigen Brief mit offiziellem Dog-Logo weiter, die verschiedenen Angebote aufrecht zu erhalten, indem sie ins Digitale verlegt wurden. Die Chöre haben zum Teil über Monate digital geprobt, die Bands haben aus vielen Einzelvideos ein gemeinsames erstellt, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Schüler hätten zurückgemeldet, die Gemeinschaft, die digital entstanden sei, habe sie auch in diesen Krisenzeiten gestärkt und ihnen Hoffnung gegeben. Diese Übergangslösungen, so die Schulleiterin, seien aber auf keinen Fall einen weiteren Winter lang durchzuhalten.

Deshalb blicke man mit großer Sorge dem nächsten Rahmenhygieneplan (RHP) entgegen. Zu befürchten sei eine Beibehaltung der Restriktionen, die eine kontinuierliche AG-Arbeit an den Schulen auf Dauer unmöglich machten. Die Bedingungen für die kulturelle Arbeit mit Schülern seien bisher in allen RHP deutlich strenger und damit hinderlicher gewesen als in den Regelungen für Chöre, Theatergruppen, Sportvereine in allen anderen Teilen der Gesellschaft. Dies seit für die Schüler, die so große Freude am gemeinsamen Tun haben und für die dieses ein essenzieller Teil ihres Schullebens ist, nicht mehr nachvollziehbar.

Blume nachdrücklich: „Für uns als Schule wird es besonders unverständlich, wenn das Kultusministerium einerseits in seinem Aktionsplan betont, dass die Schule ein Ort für mehr als Wissenserwerb ist. Andererseits aber wird dieses ,Mehr‘ so, wie es an Gymnasien wie dem unseren schon seit langer Zeit besteht, verhindert: Durch die Untersagung des offenen Ganztags im Szenario B und durch die hohen Hürden für gemeinsames Singen, Musizieren, Theaterspielen und Sporttreiben im Szenario A.“ Deshalb der Appell an den Minister: „Lassen sie Kultur, Theater, Konzerte in Schulen genauso wieder zu wie in anderen Bereichen der Gesellschaft.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Apotheke ohne Kundschaft

Apotheke ohne Kundschaft

Apotheke ohne Kundschaft
Gut die Hälfte kommt mit dem Bus zur Schicht

Gut die Hälfte kommt mit dem Bus zur Schicht

Gut die Hälfte kommt mit dem Bus zur Schicht
Mehr Freiheiten bei höherer Inzidenz

Mehr Freiheiten bei höherer Inzidenz

Mehr Freiheiten bei höherer Inzidenz
Projekt mit nachhaltiger Wirkung

Projekt mit nachhaltiger Wirkung

Projekt mit nachhaltiger Wirkung

Kommentare