Verdener Benedikt Pape leistet Internationalen Freiwilligendienst

Der Traum vom Jahr in Israel

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Der Eindruck täuscht. So viel Zeit zum Zurücklehnen hat Benedikt Pape nicht, denn Ende des nächsten Monats geht es für den Verdener nach Israel.

Verden - Von Katrin Preuß. Geschafft! Das Abi in der Tasche, legt Benedikt Pape entspannt die Beine hoch. Aber nur fürs Foto. Der 19-Jährige ist überaus umtriebig. Er jobbt im Kletterpark, war bis vor kurzem im Kreisvorstand der Jusos, betreut ehrenamtlich eine Sommerfreizeit der Evangelischen Jugend und bereitet sich außerdem auf das vorläufig größte Abenteuer seines Lebens vor. Der Internationale Jugendfreiwilligendienst führt ihn Ende August nach Israel.

In der 48000 Einwohner zählenden Kleinstadt Kiryat Gat wird Benedikt ein Jahr lang im „Neve Hanna“ („Oase der Hanna“) arbeiten. Das Kinderheim bietet seit den 1970er-Jahren Mädchen und Jungen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren aus sozial gestörten oder zerrütteten Familien ein Zuhause.

Ein Hamburger Verein unterstützt das „Neve Hanna“ finanziell. Über ihn erfuhr Benedikt im Rahmen des Kirchentags in der Hansestadt vor zwei Jahren von der Möglichkeit, dort einen Freiwilligendienst zu absolvieren.

Mag es der Zufall gewesen sein, der den Verdener an den Infostand des Fördervereins brachte, Benedikt war sofort angetan von dem Projekt.

Umgekehrt müssen der Verdener und sein Lebenslauf die Volontärs-Beauftragten des Vereins beeindruckt haben. Sonst hätten sie ihn wohl kaum zu einem Auswahltreffen nach Leipzig eingeladen und ihm schließlich die Zusage gegeben.

Als Christ interessiert sich der 19-Jährige für andere Religionen, in diesem Fall das Judentum. Sozial engagiert ist der Verdener schon seit langem, sowohl in der Schule als auch privat. „Ich arbeite gerne mit Kindern“, nennt er einen weiteren Grund für seine Wahl. Und „Israel ist ein Land, das mich reizt“, sagt Benedikt und meint damit nicht zuletzt die politische Situation in dem Staat. „Ich möchte dort einen anderen Blick bekommen auf unsere Medien“, erklärt er.

Der anstehende Freiwilligendienst scheint für den Abiturienten also in mehrfacher Hinsicht ein Treffer zu sein. Gleichwohl ist die Arbeit nicht ganz ohne. Es sei ein harter Freiwilligendienst, zitiert der 19-Jährige einen Ehemaligen, „aber einer, er einen richtig weiterbringt.“

Gemeint ist damit sicher nicht nur die Betreuung der Kinder und Jugendlichen, von denen viele ein schweres Päckchen mit sich herumtragen. Das Städtchen Kiryat Gat liegt zwischen Jerusalem und dem Gazastreifen. Da kann es für die Bevölkerung durchaus gefährlich werden. Benedikt Pape formuliert es so: „Wenn der Raketenalarm losgeht, haben wir 30 Sekunden bis zum Schutzraum.“

Diese reale Bedrohung mache ihm durchaus Angst, gibt der Verdener zu. Doch die Vorfreude überwiegt, beispielsweise auf die jüdischen Feste, die er miterleben darf, und auf das knapp 70 Kilometer entfernte Jerusalem. Und so lässt auch Mutter Katja Pape ihren Sohn ziehen. „Sie weiß, dass es mein Traum ist“, sagt er. „Es passt zu ihm, weil er sozial engagiert ist“, sagt sie.

Zusammen mit Benedikt werden fünf weitere Freiwillige aus Deutschland im August ihren Dienst im „Neve Hanna“ antreten. Dort leben die Kinder und Jugendlichen in sechs Wohngruppen. Die Arbeit in und mit den Gruppen macht allerdings nur einen Teil von Benedikts Aufgaben aus. Das „Neve Hanna“ verfügt über eine eigene Bäckerei und einen Streichelzoo. Auch dort wird der 19-Jährige viel Zeit verbringen.

Die Verständigung wird zunächst auf Englisch laufen. Für die Freiwilligen steht aber zweimal in der Woche Hebräisch auf dem Plan, um sie so schnell wie möglich fit zu machen in der Landessprache.

Ein ganzes Jahr Israel – so lange war der „Verdener durch und durch“ noch nie von zu Hause weg. Fotos von den Freunden sollen in der Ferne gegen drohendes Heimweh helfen. Aber Benedikt Pape ist frohen Mutes und verspricht sich von dem Freiwilligendienst viel für die persönliche Entwicklung. „Da lernt man, glaube ich, das Leben hier wirklich zu schätzen.“

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