Verdener Bands „The Reds“ und „Les Lescaliers“/ Live-Mitschnitt im Internet

Weiße Anzüge, zweimal 15 Watt und volle Pulle

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Szenen einer Verdener Musikgeschichte: Bilder der Showband „Les Lescaliers“ aus den 60er-Jahren.

Verden - Von Markus Wienken. Auf der Bühne geht die Post ab. „The Reds“ rocken das Hotel Höltje. Der Saxofonist hat Gummi in den Beinen, der Bass dröhnt, das Schlagzeug hämmert. Rock‘n Roll, volle Pulle, richtig heiß. Fast 60 Jahre ist das her. Wer es nicht glauben kann, kein Problem. Wolfgang Görz, damals Gitarrist der Verdener Band, hat dazu einen Film ins Internet gestellt, live und zeitgemäß in schwarz-weiß. Und es gibt noch mehr.

Es war eine ganz verrückte Zeit, an die sich Wolfgang Görz gerne zurück erinnert. „An die Band, die Zuschauer, die Musik, das ganze Drumherum“, lacht er. Und es macht Spaß, den Geschichten von damals zuzuhören. Die Reds, die waren Ende der 1950er-Jahre in Verden angesagt. „Bis dahin gab es nur Schützenhausmusik“, so Görz. Das sollte sich mit „The Reds“ schlagartig ändern. Der Name der Band stand für Bill Haley, Elvis Presley und mehr. Wo heute ausgetüftelte Technik, unterstützt von Computern, die Klänge aussteuern, waren damals Handarbeit und viel Fantasie gefragt. Verstärkt auf zweimal 15 Watt dröhnte die Musik aus den Lautsprechern.

Und die ging voll in die Beine. Dafür sorgten die Männer in den roten Hemden. „Es war damals gar nicht so einfach, die Dinger zu besorgen“, erinnert sich Görz. Aber das rote Outfit machte etwas her, sorgte nicht nur auf der Bühne für Aufsehen in Zeiten des Kalten Krieges. Die Band mit Heinrich Ratuschie am Klavier, Wolfgang Görz an der Gitarre, Peter Bobrink am Saxophon, Klaus Görz am Schlagzeug und Peter Lintz am Schifferklavier störte es nicht. Ob Rock‘n Roll oder Tanztee, die Hütte bei Höltje war voll.

Drei Jahre rockte die Band und ging dann auseinander, doch damit war lange noch nicht Schluss. Görz und Co. starteten richtig durch. „Les Lescaliers“ wurden ab dem Jahr 1961 die neue musikalische Heimat der Görz-Brüder. Jürgen Stiehler (Saxophon) und Klaus Krugmann (Akkordeon) stießen dazu. Und dann war da noch die Frontfrau. „Eine Bekannte wusste von einer Telefonistin mit einer begnadeten Stimme“, erinnert sich Wolfgang Görz. Susanne Weber, so der Name hinter der Stimme, sagte zu, und es begann die Zeit von „Les Lescaliers“. Zur genauen Herkunft des Namens gibt es keine belegten Informationen. „Er sorgte allerdings dafür, dass wir immer mal wieder auf französisch angesprochen wurden“, so Görz. Den Musikern war es egal, dem Publikum sowieso.

Im ganzen Landkreis und noch weit darüber hinaus war die Showband unterwegs. Ob bei Höltje, im „Ex“ in Dörverden, im Deutschen Haus in Hassel oder in der Munte in Bremen – der Laden brummte überall. „Sogar in Hamburg wurden wir gebucht“, wusste Görz. Von Rock bis hin zu heißer Tanzmusik, die Sängerin mit den flotten Jungs in weißen Anzügen machten richtig was her. Stücke der Rolling Stones, Beatles oder von den Shadows sowie Chansons von Edith Piaf oder Joan Baez, das Repertoire war groß und vielfältig.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Am 2. Dezember 1964, so schrieb damals die Verdener Aller-Zeitung, standen „Les Lescaliers“ in Hannover bei der Endausscheidung der Schlagernachwuchsstars in Hannover auf der Bühne. Es war das Finale, dem eine zwölfmonatige Vorausscheidung vorangegangen war. Organisiert von Radio Luxemburg holten sich die Verdener Platz eins und den Bonnie in Gold, der zu der Zeit in jedem Jahr an die besten Stars von heute und morgen verliehen wurde. „Das war für uns ein ganz großes Ding“, so Görz. Damals stand die Band vor der Entscheidung, die Musik zum Beruf zu machen. „Wir waren uns letztendlich aber einig, es beim Hobby zu belassen“, sagte der 74-Jährige. Er selbst machte seinen Weg als Fotograf und Geschäftsinhaber.

Bis es soweit war, folgten allerdings noch zahlreiche Auftritte, ehe sich im Jahre 1966 „Les Lescaliers“ auflöste. Ein kurzes Comeback gab es noch, Ende der 1960er-Jahre. Die Gebrüder Görz, Martin Staedler, Artur Lang und Heinz Kliener mischten damals mit.

Wer einen Live-Auftritt von „The Reds“ sowie einen längeren Mitschnitt eines Auftritts von „Les Lescaliers“ im Deutschen Haus in Hassel verfolgen möchte, digitalisierte Mitschnitte von Wolfgang Görz gibt es auf Youtube unter den jeweiligen Namen der Bands mit dem Zusatz Verden/Aller.

www.youtube.com/watch?v=VpDDONqqclM

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