Verdener Aller-Zeitung, Bibliothek, Tierarztpraxis – die Möglichkeiten sind endlos

Von Praktikant zu Praktikant

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Lina Aschmutat inmitten historischer Bücher in der Stadtbibliothek Verden.

Verden - Von Anna-Marie Rogge. Wie oft haben Schüler von Arbeitenden wohl schon den Satz: „Ach, ich wünschte, ich würde noch zur Schule gehen“ gehört, wodurch der Eindruck vermittelt wurde, die Schule sei im Vergleich zum Arbeitsplatz ein wahres Schlaraffenland. Ob man dieser These nach der recht kurzen Probezeit zustimmt und ob man durch die zwei Wochen in den ausgewählten Betrieben schon wichtige Erfahrungen für seinen späteren Berufsweg sammeln kann, das sollen die Schüler des Domgymnasiums in der zweiwöchigen Praktikumszeit herausfinden. „Einige von ihnen, darunter auch ich, geben im Folgenden ihre Erfahrungen preis.“

Politiklehrer und Praktikumsbetreuer René Schumacher jedenfalls ist der Meinung, dass wertvolle Erkenntnisse gewonnen würden, selbst wenn sie daraus bestehen, dass der jeweilige Beruf nichts für den Schüler sei. „Auch haben sie kaum eine andere Möglichkeit, um Praxiserfahrung zu sammeln“, sagt er. Peter Dax, ebenfalls Politiklehrer, meint, die Wahrscheinlichkeit, dass der Praktikumsbetrieb später einmal zum wirklichen Arbeitsort wird, liege bei 25 Prozent.

„Mein Praktikum bei der Verdener Aller-Zeitung jedenfalls bringt einen großen Vorteil mit sich. Denn ich kann den Produktionsweg der Zeitung, die die Leser als fertige Ausgabe in den Händen halten, mitverfolgen. Das halte ich für einen unvergleichlichen Einblick, da zu diesem Weg nicht nur das Schreiben der Artikel, sondern auch das Recherchieren, Fotografieren und Überprüfen der gesammelten Informationen gehört.“

Die Wahl für den Praktikumsbetrieb der Schülerinnen Ljuba Denecke, 16 Jahre alt, und Lina Aschmutat, 14 Jahre alt, fiel auf die Stadtbibliothek Verden. Die Frage, weshalb sie mehr über den Beruf der Bibliothekarin erfahren wollte, beantwortete Lina folgendermaßen: „Ich wollte gerne etwas über ein Berufsbild herausfinden, das sich im Laufe der Jahre verändert hat.“ Ljuba fügt hinzu, dass sie wissen wollte, was zu diesem Beruf gehöre und sie außerdem sehr leseinteressiert sei. Ist das Praktikum so, wie sie es sich vorgestellt hatten? „Es ist auf jeden Fall interessant und vor allem sehr vielfältig. Wir haben mit einer großen Palette an Medien zu tun, dazu gehören auch digitale“, sagt Ljuba. „Aber es ist auch ein anstrengender Tag, mit dem körperliche Belastungen einhergehen“, kommentieren beide die Arbeitszeit bis 18 Uhr.

Letztendlich stellt sich die Frage, die auch im achtseitigen Praktikumsbericht beantwortet werden soll – ob sie sich tatsächlich vorstellen können, diesen Berufsweg später einmal einzuschlagen. Ljuba ist klar: „Auch wenn ein Job, der mit Büchern zu tun hat, durchaus reizvoll ist, würde ich mir diese Entscheidung wegen der fortschreitenden Digitalisierung besser zweimal überlegen.“ Schließlich wisse man nicht, ob der Beruf im Laufe der Jahre nicht aussterbe, fügt Lina hinzu.

Auch eine möglicherweise angehende Tiermedizinerin ist unter den Schulpraktikanten. Die 15-jährige Norina Steeneck absolviert ihr Praktikum in der Tierarztpraxis Brunken, bei der sie bereits den Zukunftstag verbracht hatte, und weiß nach einer Woche: „Starke Nerven und die Fähigkeit, Ruhe zu bewahren sind in diesem beruflichen Bereich unbedingt notwendig. Manchmal sind es nicht die Tiere, die unruhig sind, sondern die besorgten Besitzer, die man beruhigen muss.“

Das Ende ihres Arbeitstages hängt oft von der Patientenzahl im Wartezimmer ab. Und es gibt immer viel zu tun – unter anderem im Zusammenhang mit dem Tierheim Verden, das Norina jeden Dienstag besucht und sich dort um die Tiere kümmert. Und so entscheidet jeder Schüler am Ende für sich selbst, welche Seite für ihn überwiegt und ob aus dem Schnupperkurs ein potenzieller Beruf werden könnte.

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