SPD: Das ist dreist / CDU: Müssen mal anfangen / Grüne: Radwege wichtiger

Verden: Zank um dritte Allerbrücke

Entlang der neuen Eisenbahnbrücke eine dritte Allerquerung? CDU-Kreisvorsitzender Adrian Mohr hat eine heftige Diskussion angestoßen.  
Foto: Schwinge
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Entlang der neuen Eisenbahnbrücke eine dritte Allerquerung? CDU-Kreisvorsitzender Adrian Mohr hat eine heftige Diskussion angestoßen. Foto: Schwinge

Verden – Die Reaktionen fielen heftig aus. Von Dreistigkeit, verfrühtem Wahlkampf und bewusster Fehlinterpretation spricht SPD-Pressesprecher Heinz Möller. Ein vorweggenommenes Sommerloch hat Rasmus Grobe von den Grünen ausgemacht. Aber CDU-Kreisvorsitzender Adrian Mohr bleibt dabei. Er hatte in der Rubrik „Verdener Gespräch“ vergangenen Donnerstag die neuerliche Verkehrsstudie für den südlichen Landkreis Verden thematisiert, und vor allem den „dritten Allerübergang“ in den Fokus genommen. Und gestern fügte er auf Nachfrage hinzu: „Irgendwann muss man anfangen, nach einer echten Entlastung für die hochfrequentierte Nordbrücke zu suchen.“ Ein dritter Allerübergang sei nicht von heute auf morgen zu machen, im Gegenteil, es dauere Jahre, womöglich mehr als ein Jahrzehnt, aber es dürfe eben mit der klaren Forderung nach einer solchen Brücke nicht noch länger gewartet werden. Rückendeckung erhält er von der FDP.

Die Sozialdemokraten kommen beim Betrachten der Studie zu ganz anderen Schlüssen. „Es ist nicht die Frage, ob ein dritter Aller-Übergang eine Entlastung bringt, sondern, ob diese groß genug wäre, um eine solche Investition zu rechtfertigen“, so Möller: „Das führt bei gerade einmal 7 500 Fahrzeugen gerechnet auf die 24 000 Fahrzeuge, die die beiden Allerbrücken in Verden überqueren, zu einer Entlastung von lediglich 30 Prozent.“

Sauer aufgestoßen sei der SPD zudem die Einschätzung Mohrs, es werde zu Verkehrsverlagerungen ins östliche Verdener Stadtgebiet kommen. „Das ist rücksichtslos“, so Möller. Seine Forderung: „Deshalb sollte Herr Mohr endlich mal eine Vorschlag zum Trassenverlauf auf den Tisch legen und nicht nur eine Brücke fordern.“ Vor allem interessiere, wie es weiter gehen soll, wenn die Trasse aus Richtung Aller kommend auf den Eitzer Kreisel führt. Solle es dann über den Berliner Ring weitergehen, um dann auf die schon jetzt mit über 12 000 Fahrzeugen belasteten Lindhooper Kreuzung zu stoßen? Möller: „Oder soll Herrn Mohrs Trasse direkt durch Eitze, Borstel und Verden Ost zur BAB Verden Ost führen?“

Den neuen Straßenlauf näher zu bezeichnen, das sei keine Schwierigkeit, so Mohr: „Die Straße kann ja nur noch entlang der Eisenbahnlinie die Aller überqueren. Das heißt, sie beginnt östlich von Wahnebergen und biegt auf Verdener Seite in Richtung Eitzer Kreisel ab. Anschließend geht es über die Max-Planck-Straße Richtung Kreisel am Osterkrug weiter.“ Ob daraus dann wirklich wesentlich stärkere Verkehrsströme entstünden, sei noch die Frage. Mohr: „Der Verkehr aus Richtung Dörverden wird dann zu großen Teilen nicht mehr durch die Stadt, sondern gleich ins Industriegebiet geführt.“

Die FDP stärkt dem Christdemokraten den Rücken. „Die Idee der Allerbrücke an der Eisenbahnlinie ist nicht neu“, sagt Henning Wittboldt-Müller, „in den 50er-Jahren sollte der Berliner Ring schon von Dauelsen bis nach Wahnebergen führen.“ Die Zeit neuer Bundesstraßen sei jedoch längst vorbei, sagt der Liberale, er plädiere jetzt für eine Spar-Lösung. „Entlang der Eisenbahnbrücke führen inzwischen Rad- und Fußweg. Wir bräuchten deshalb lediglich noch eine Straße für den Fahrzeugverkehr.“ Er könne sich eine Strecke auf Kreisstraßen-Niveau vorstellen, immer noch ein kostspieliges Projekt, rund 25 Millionen Euro teuer, aber das müsse machbar sein mit entsprechender Förderung aus Berlin und Hannover.

Die verkehrstechnischen Positionen wären also je nach politischer Couleur geklärt. Aber wie verhält es sich mit der umweltpolitischen Seite? Pikanterie am Rande: Nur einen Tag, nachdem Mohr den dritten Allerübergang in den Fokus rückte, gehörte er zu den Christdemokraten, die munter in Westen die Komplett-Renaturierung der Aller zwischen Rethem und Eissel besprachen. Auf diesen kühnen Spagat hingewiesen sagt Mohr: „Man muss den gesamten Allerabschnitt betrachten. Wenn 98 Prozent des Flusslaufes den Bedürfnissen der Natur dienen, und zwei Prozent dem Menschen, in Form einer neuen Allerbrücke beispielsweise, dann ist das doch ein vernünftiges Verhältnis.“

Den Bündnisgrünen sind allerdings auch diese zwei Prozent noch zu viel. „Ich habe die Studie bisher nur quer gelesen, und beraten haben wir sie überhaupt noch nicht“, sagt Rasmus Grobe, aber eines sei jetzt schon klar: „In dem Papier steht, 90 Prozent der Radwege im Südkreis sind schadhaft.“ Und das sei ein Alarmsignal. Grobe: „Man muss Prioritäten setzen: Erstmal die Dinge in Ordnung bringen, ehe man sich anderen Themen zuwendet.“

Von Heinrich Kracke

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