60.000 Euro im Haushalt

Stadt will weitere Hundewiesen anlegen: Drang nach Auslauf

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Unbekümmertes Herumtollen ohne Leine ist auf der Hundewiese unbegrenzt möglich.

Verden - Circa 1 .800 Hunde leben im Stadtgebiet Verden. Anleinpflicht und die zunehmende Ausweisung von Naturschutzflächen an der Aller schränken den Freiheitsdrang der Vierbeiner ein. Der Stadtrat will dem Rechnung tragen und weitere Hundewiesen anlegen lassen. Je 20 .000 Euro sollen dafür in den Haushalt 2020 bis 2022 bereitgestellt werden, so der Beschluss am Dienstagabend in der Ratssitzung.

Einer der Auslöser für das aufgestockte Angebot ist die starke Frequentierung der Hundewiese im Bürgerpark. Der Ansturm hat in der Nachbarschaft für erhebliche Unruhe gesorgt. Dringend notwendig seien zudem weitere Flächen, auch, um Herrchen, Frauchen und den städtischen Hunden während der Brut- und Setzzeit vom 1. April bis zum 15. Juli gemeinsam freien Auslauf anbieten zu können, ohne wild lebende Tiere zu stören, schreibt die Verwaltung.

Im Stadtrat stieß der Vorschlag fast ausnahmslos auf Zustimmung. Bürgermeister Lutz Brockmann sprach zwar von einer „freiwilligen Aufgabe“, machte zugleich aber deutlich: „Die Hunde sind da und gehören zur Stadt. Wir müssen uns dieses Themas annehmen. Das finde ich gut.“ Jens Richter (CDU) verwies auf die extreme Belastung der Anwohner am Bürgerpark. „Es besteht Handlungsbedarf und die Notwendigkeit, Flächen ohne Konfliktpotenzial zu öffnen“, betonte er.

Auch Michael Otten setzt sich für Hunde ein

Michael Otten (SPD)  brach ebenfalls eine Lanze für die Vierbeiner. „Sie sind Teil der Gesellschaft und haben insbesondere für ältere, auch einsame Menschen eine soziale Bedeutung.“ Rasmus Grobe (Bündnis 90/Die Grünen) signalisierte seine Zustimmung und wünschte der Verwaltung bei der Auswahl der Flächen ein „gutes Händchen“. Auch mit Blick auf den Naturschutz sei es notwendig, entsprechende Flächen vorzuhalten.

Lars Brennecke (CDU) forderte zudem, dafür zu sorgen, dass sich mit dem Angebot nicht ein „Tourismus“ entwickle und immer mehr Auswärtige nach Verden anreisten, um dort ihre Hunde laufen zu lassen. Jürgen Weidemann (FDP) ging das Projekt hingegen zu weit. „Die Ausweisung weiterer Flächen ist purer Luxus“, kritisierte er. Nur wer entsprechend Raum habe, solle sich einen Hund anschaffen. Im Nachhinein sich um ein Platzangebot zu kümmern, sei nicht Aufgabe der Gesellschaft.

Neuer Ort für Auslauf noch nicht festgelegt

Wo die Hunde laufen sollen, steht noch nicht fest. Angedacht sind Flächen im Norden, Osten, Süden und Westen des Stadtgebietes. Wohlwissend, dass die Hundewiese im Bürgerpark relativ zentral liegt und konfliktreich bleibt, werde bei den neuen Flächen ein ausreichender Abstand zur Wohnbebauung eingehalten, verspricht die Verwaltung. Zudem sollten die Wiesen nicht direkt mit dem Auto, sondern nur zu Fuß über Feldwege zu erreichen sein.

Geht es nach dem Vorschlag der Verwaltung, sollen insgesamt vier Hundewiesen angelegt werden. Eine sogenannte Freilauffläche ist zudem schon für den städtischen Grünzug im Gewerbegebiet Finkenberg im Gespräch. Die Kosten für das gesamte Projekt mit Grunderwerb, Bebauungsplan sowie Einzäunung und Unterhalt würden sich auf circa 60 .000 Euro belaufen, heißt es.

Kommentar zum Thema

von Markus Wienken

Den richtigen Weg eingeschlagen

Niemand ist im Regelfall gern allein. Der Mensch braucht Geselligkeit. Nicht immer sucht oder findet er dabei seinesgleichen. Ein Tier als Gefährten, eben wenn kein anderer – insbesondere im Alter – da ist, wird zunehmend eine Alternative. Wer sich aufmerksam umschaut, der sieht im Stadtgebiet regelmäßig Frauchen oder Herrchen mit Hund. Aber auch in Familien ist der Vierbeiner in vielen Fällen und immer häufiger ein gern gesehener Spielkamerad.

 Das mag man gut finden oder auch nicht, ist aber so. Dem Trend zum Hund steht hingegen eine steigende Reglementierung des öffentlichen Raums entgegen. Da passen Hunde und deren Freiheitsdrang nicht immer rein. In den Städten kommen sich jene, die Gassi gehen, und jene, die sich daran stören in die Quere. Auch die Klagen über die eine oder andere Hinterlassenschaft im Stadtkern gehört zum Alltag. Noch größer wird der Druck, wenn Flächen – wie im Bereich der Aller – über die jahrzehntelang Hunde leinenlos laufen durften, unter Naturschutz gestellt und für die Vierbeiner gesperrt werden. 

Konflikte sind da vorprogrammiert, wenn das Jagdfieber geweckt wird. Wer will, dass Hunde in der Stadt leben – und das steht außer Frage – muss Ersatz schaffen. Das plant die Stadt und geht mit der Ausweisung von Flächen abseits der Wohnbebauung den richtigen Weg. Voraussetzung ist allerdings, dass Frauchen, Herrchen und Vierbeiner ihn dann auch nutzen.

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