Mit 2G-plus brechen weitere Einnahmen weg

Weihnachtsmarkt Verden: 2G-plus und Resignation pur

Blick auf den Weihnachtsmarkt in Verden.
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Weihnachtliche Atmosphäre auf dem Verdener Weihnachtsmarkt. Doch die Stimmung ist gedrückt.

Dickes Minus in der Kasse, immer weniger Kundschaft und nun auch noch 2G-plus: Sabine Grimmer von der Bretzelbude kehrt schweren Herzens dem Weihnachtsmarkt den Rücken. „Es geht nicht mehr. Mein Budget ist aufgebraucht.“

Verden – Da, wo sich sonst Menschen drängen, stehen mal grade zwei, die eine Brezel kaufen. Danach dann lange nichts. Kein Kunde in Sicht, kein Geld, das fließt: „Die Kasse ist leer, zu verdienen gibt’s absolut nichts. 2G-plus ist der Lockdown ohne Lockdown“, sagt Sabine Grimmer. Sie steht in der Bretzelbude mit „tz“. Noch, denn ab Montag ist Schluss. „Mein Budget ist aufgebraucht, nichts mehr da“, redet die Geschäftsfrau nicht lange drumherum. Kaum noch Erspartes, alles weg. Und: Angst vor dem Winter.

Kaum noch Erspartes, alles weg. Und: Angst vor dem Winter.

Es ist ein Abgang, der Sabine Grimmer, das ist deutlich zu spüren, schwer fällt. „Wir Schausteller arbeiten gerne, bringen den Menschen Freude in die Stadt“, sagt Grimmer. „Auch ich habe mich auf den Markt gefreut, war entschlossen, auf jeden Fall durchzuhalten, doch nun geht nichts mehr. Das Geld rinnt einem durch die Hände.“ Schausteller, auch das sagt Grimmer, seien in den vergangenen Jahren einiges gewohnt. „Haben wir hingenommen“, so Grimmer. Doch nun mache ihr der bevorstehende Winter Sorgen: „Die Coronahilfen decken nur unsere Fixkosten. Zum Leben bleibt nichts übrig und ich habe keine Großmutter mit einem Sparstrumpf.“ Daher jetzt die Reißleine. Ein gutes Gefühl, das gibt Sabine Grimmer offen zu, hat sie dabei nicht: „Dass ich vorzeitig vom Markt gehe, so etwas hat es noch nie gegeben. Das gehört sich eigentlich nicht, das macht mich traurig.“

Die Coronahilfen decken nur unsere Fixkosten. Zum Leben bleibt nichts übrig

Macht der Not gehorchend zu: Sabine Grimmer, Eigentümerin der Bretzelbude.

Verdener Weihnachtsmarkt: Statt Plus nur noch Minus.

Die Sorgen um die nackte Existenz sind es, mit denen sich Matthias Stummer tagtäglich beschäftigen muss. Bratwurst und alles was dazu gehört verkauft er auf dem Weihnachtsmarkt. Noch! „Nichts geht mehr mit 2G-plus. Alle Kollegen zittern. Das letzte Geld, was wir zur Seite gelegt haben, werfen wir auf den Märkten jetzt weg“, so Stummer. Ob in Bremen oder Verden, da wo sonst in seinem Unternehmen die Kasse klingelt, bleibt statt Plus nur noch Minus. „Wir versuchen alles, werden das Wochenende abwarten und Montag dann endgültig entscheiden, ob wir der Not gehorchend die Zelte auf den Märkten abbrechen. Die Chance, dass die Inzidenzwerte sinken und 2G-plus wegfällt, schätzt Stummer allerdings als sehr gering ein. „Die Schlangen vor den Testzentren bleiben demnach lang. Das nimmt kaum jemand in Kauf, nur um auf den Weihnachtsmarkt zu kommen“, sagt Stummer. Und: „Wir sind alle Kämpfer, wollen, das möglichst viel stattfindet, aber so? Das ist absolut Hardcore.“

Verein Veranstaltung für Verden: „Wir wollen das durchziehen“

Auch Hüseyin Tavan kämpft. Der Vorsitzende des Vereins für Veranstaltungen in Verden müht sich um jeden, der auf dem Markt steht. „Wir wollen das durchziehen“, zeigt sich Tavan fest entschlossen. Er bedauert die Lücken, die auf dem Rathausplatz gerissen werden. „Letztendlich muss jeder Schausteller wissen, was er macht. Dafür habe ich Verständnis“, so Tavan. „Es ist Corona und wir sind es gewohnt, von Tag zu Tag mit neuen Regeln umzugehen. Mal sehen, was am Montag an Veränderungen auf uns zu kommt.“ Bedauerlich sei, dass viele Menschen nicht wüssten, was überhaupt möglich ist. Einen Tipp hat Tavan noch: „Wer sich morgens bei seinem Arbeitgeber hat testen lassen, kann mit dem Nachweis auch auf den Markt und braucht sich nicht wieder in die Schlange beim Testzentrum zu stellen.“

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