„Allen hier warst du lieb“ 

Waller Kita-Leiterin Susanna Krauss geht in den Ruhestand

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Der Schlüssel für die Nachfolgerin: Susanna Krauss reichte den Staffelstab symbolisch an Simone Fischer weiter.

Verden-Walle - 36 Jahre lang leitete sie die Kindertagesstätte in Walle, insgesamt ist sie seit 1984 bei der Stadt Verden tätig. Ganz klar: Mit Susanna Krauss geht jetzt eine Institution in den Ruhestand. Donnerstagnachmittag wurde sie offiziell verabschiedet. Kinder und Mitarbeiterinnen der Kita sagten ihr schon am Mittwoch Tschüs. Und wie sie es selbst erwartet hatte, überstand Susanna Krauss beide Feiern nicht ganz ohne Tränen.

Aber wie soll eine Erzieherin mit großem Herz und viel Leidenschaft auch die Fassung wahren, wenn es aus 60 Kinder- und Elternkehlen klingt: „Du sagst nun Ade zu unserem Betrieb, allen hier im Hause warst du immer lieb.“ Wenn einem Bürgermeister Lutz Brockmann bescheinigt, zu jedem einzelnen Kind in der Kita eine Beziehung zu haben. Wenn Fachbereichsleiterin Sabine Mandel sagt, man sei sehr erfrischend und lebendig, offen, herzlich und fürsorglich. Und wenn man selbstgereimte Ständchen bekommt von den Leitungen der Verdener Kitas und dem eigenen Kita-Team.

Sie wolle sich darauf konzentrieren, dass es positiv weitergehe in ihrem Leben, hatte die 65-Jährige im Vorfeld der Verabschiedung gesagt und damit schon angedeutet, dass der Weg in den Ruhestand für sie kein leichter sein würde. Immerhin ist sie seit 45 Jahren in ihrem Beruf tätig.

Als 15-Jährige, nach Beendigung der achten Klasse, begann die gebürtige Siebenbürgerin im rumänischen Hermannstadt ihre Ausbildung zur Erzieherin. Ihre damalige Lehrerin habe ihr dazu geraten, berichtet Susanna Krauss. Die Aufnahmeprüfung für die duale Ausbildung an einem pädagogischen Gymnasium habe sie als eine der Besten bestanden, das wiederum habe ihr ein Stipendium beschert, so Susanna Krauss.

Der schönste Platz ist der zwischen den Kindern. Sie und ihre Eltern schenkten Susanna Krauss zum Abschied eine Bank für den Garten.

Bis 1982 war sie zunächst in Hermannstadt, dann in ihrem zehn Kilometer entfernten Heimatort Kleinscheuern in der Kita tätig. Dann übernahm das Ceausescu-Regime die Macht in Rumänien. Für Susanna Krauss, inzwischen verheiratet und dreifache Mutter, und ihren Mann Michael der Grund, einen Ausreiseantrag zu stellen.

1983 verließ die Familie Kleinscheuern Richtung Verden. Dort hatten vier Jahre zuvor bereits die Schwiegereltern von Susanna Krauss eine neue Heimat gefunden.

„Man kommt irgendwo an und weiß nicht: Ist das, was ich gelernt habe, richtig und wichtig“, fasst sie ihre damaligen Gedanken zusammen. Doch trotz dieser Zweifel stand für die Neubürgerin fest, dass sie schnell wieder arbeiten wollte.

Sie hatte gehört, dass der Spielkreis in Walle eine Erzieherin suchte, bewarb sich und konnte die Stelle am 27. August 1984 antreten. Als die Ortschaft fünf Jahre später ihre Kita am Schulberg einweihte, wurde Susanna Krauss deren stellvertretende Leiterin, 1991 rückte sie an die Spitze.

„Wolltest immer nah bei den Kindern sein“

„Neben deiner Leitungstätigkeit wolltest du auch immer nah bei den Kindern sein. Bis heute hast du das hervorragend gemeistert“, bescheinigte ihr ihre langjährige Stellvertreterin Regina Westphal großes Engagement. Hartnäckig sei Susanna Krauss am Ball geblieben, wenn es um die Belange „ihrer“ Kita gegangen sei.

Unter ihrer Leitung kamen die Entwicklungsbücher für jedes einzelne Kind nach Walle. Gemeinsam mit dem Team beschritt sie neue Wege, weg von der Gruppen- hin zu einer offenen Arbeit. Und wenn die Pädagogik es erforderte, wurden auch schon mal Regale abgesägt, damit die Kinder sich besser sehen konnten. Nur ihr letztes Projekt, die Erweiterung der Kita Walle, wird Susanna Krauss nicht mehr im aktiven Dienst erleben.

Dafür sei sie fest entschlossen, künftig „mehr als Oma in Erscheinung zu treten“, betonte sie. Und ihren Tatendrang will sie fortan bei Ausflügen oder Theaterbesuchen ausleben: „Wenn jemand fragt: Machste mit?, sag’ ich nicht Nein.“ 

kp

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