Viel Fassade, wenig Etagen

Verdener Rathaus räumt viermonatigen Verzug bei Gaswerks-Sanierung ein

Ausgehöhlter Industriebau von oben.
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Erst ganz allmählich ziehen die Etagen in das Industriegebäude an Aller und Nordbrücke ein. Ursache sei der holprige Baustart im Winter, heißt es aus dem Rathaus.

Verden – Aufmerksame Beobachter haben es schon geahnt. Immer noch viel Fassadenfläche und immer noch wenig Etagen. Jetzt räumt die Stadtverwaltung einen viermonatigen Verzug bei der Vollsanierung des ehemaligen Gaswerks am Allerufer ein. „Zurzeit gehen wir von einem Einzug der Staatsanwaltschaft im April nächsten Jahres aus“, sagt Kämmerer Andreas Schreiber auf Nachfrage.

Man habe einer der Baufirmen kündigen müssen, es sei zu Lieferschwierigkeiten und zu Verzögerungen gekommen, vor allem beim Stahl. Noch könne allerdings der Kostenrahmen von 14 Millionen Euro gehalten werden. Mit der Staatsanwaltschaft befinde man sich in Sachen Zeitplanung im ständigen Dialog.

Turbulent war es vor allem im Dezember vergangenen Jahres geworden. Erst fremdelten die Firmen mit dem Projekt, es meldete sich keine für die Übernahme der Rohbau-Arbeiten, dann trudelte doch noch ein Angebot ein, das aber als nicht wirtschaftlich eingestuft wurde. Und als in allerletzter Minute des vergangenen Jahres ein Unternehmen beauftragt werden konnte, folgten die nächsten Überraschungen. „Die Gründung des Gebäudes unweit der Aller war schwierig, unter anderem musste anders als ursprünglich geplant eine neue Sohlplatte eine bereits vorhandene Pfahlgründung gesetzt werden. Und dann kam es auch noch zum Wintereinbruch“, berichtet Wolfgang Tobias aus der Hochbauabteilung des Rathauses. Zuvor war bereits einem Schadstoffsanierer, so Tobias, wegen „mangelhafter Leistung und Terminverzügen gekündigt worden.

Der Ausbau gilt als Sonderfall, zumal das, was über die Zeiten gerettet wird, die Fassade nämlich, nicht unter Denkmalschutz gestellt ist. Allerdings gehöre sie seit Jahrzehnten zum Stadtbild, was ihren Erhalt interessant machte. Die Baupläne gehen auf das Jahr 1949 zurück. Damals brauchten die Stadtwerke eine Anlage zum sogenannten Gaswaschen. In den 80er-Jahren trennte man sich von dem Objekt, das zunächst langjährig als Verkaufsfläche für Sanitär- und Heizungsbedarf diente. Nach der Insolvenz des Eigentümers übernahm die Stadt Verden die Immobilie.

Gut 80 Prozent der vertrauten äußeren Bausubstanz sollen in die nächste Nutzungsperiode hinübergerettet werden. Um den Bedarf der Staatsanwaltschaft von 3 000 Quadratmetern zu decken, ist nicht an Anbauten, sondern an Aufstockung gedacht. Der Gebäude-Flügel in Richtung Aller soll eine gläserne vierte Etage erhalten Und dies nicht als Platz für Konferenzräume mit Blick über Aller und Alte Aller, sondern als schnörkellose Büroetage. Plänen des Oldenburger Architekturbüros Angelis und Partner zufolge ist es lediglich notwendig, einige Zwischendecken einzuziehen, ehe bereits mit dem Aufbau der Büros begonnen werden kann. Dies allerdings mit dem Hang zur Detailliebe. In den Ausbau sind erhebliche Sicherheitsvorkehrungen einzubeziehen. Rund 100 der insgesamt 140 Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft werden hier ein neues Domizil erhalten.

Von Heinrich Kracke

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