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Verzug, und dann das Warten auf die Nordbrücke in Verden

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Von: Heinrich Kracke

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Gebäudefassade mit Stahlgerüsten.
Hinter dem Stahlgestänge tut sich was: Der Innenausbau der kommenden Staatsanwaltschaft in Verden läuft auf Hochtouren. © kracke

Der Neubau der Staatsanwaltschaft im alten Gaswerk an der Aller kommt nur in kleinen Schritten voran. Die Stadtverwaltung verschiebt die Übergabe des Gebäudes weiter nach hinten. Gleichzeitig drohen Kostensteigerungen. 

Verden – Es zieht sich und zieht, und schon ist die nächste Verschiebung für eine der prominentesten Verdener Baustellen da. Es geht um das alte Gaswerk an der Aller, das für die Staatsanwaltschaft umgebaut wird. „Wir gehen davon aus, wir können das fertiggestellte Gebäude im Sommer übergeben“, sagt Stadtkämmerer Andreas Schreiber auf Nachfrage. Zuletzt war noch von April die Rede. Gleichzeitig zeichnet sich auf der Zielgerade womöglich doch noch ein Überschreiten der Sanierungssumme von 14 Millionen Euro ab. „Alles wird teurer,“ klagt Schreiber. Noch reichten die kalkulierten Gelder aus, aber ob es dabei bleibe, stehe in den Sternen, so der stellvertretende Rathaus-Chef. Das Problem: Selbst wenn es im Juli oder August zum Einzug der Behörde käme, die Außenanlage befände sich allenfalls im Status einer Übergangslösung. „Bis zu zwei weitere Jahre dürfte es dauern, ehe wirklich alles final übergeben werden kann.“ Abgewartet werden müsse der Neubau der Nordbrücke.

Gleichzeitig gesellten sich zwischenzeitlich technische Lösungen hinzu, die bei der Unterschrift im Rathaus vor drei Jahren noch keine Rolle spielten, jetzt aber bereits umgesetzt sind. Eine mächtige Photovoltaik-Anlage ist inzwischen aufs Dach montiert. Das bestätigt auf Nachfrage Clas Papenhausen von den Stadtwerken. Ursprünglich sei an eine Dimension gedacht wie auf dem neuen Feuerwehr-Gebäude an der Lindhooper Straße, von 90 Kilowatt Peak, aber man habe am Allerufer auf die Gauben Rücksicht nehmen müssen, auf die Absturzsicherungen im Dach, so dass am Ende noch 76 Kilowatt Peak mit einem Jahresergebnis von rund 70 000 Kilowattstunden installiert wurden. Der Ertrag der rund 400 Quadratmeter Solarfläche reicht rechnerisch für gut 20 Durchschnittshaushalte mit einem Jahresverbrauch von rund 3 000 Kilowattstunden.

Blick aus dem Fenster.
Noch versperrt das Gerüst die Aussicht: Blick aus einem der Fenster in Richtung Aller. © kracke

Das Besondere an der neuen Stromherrlichkeit: Nicht nur die Dachseite in Richtung Süden ist mit Modulen belegt, auch die Nordseite wurde bestückt. „Die geringe Dachneigung von rund zehn Prozent macht’s möglich“, sagt Papenhausen. „Die Sonne steht im Sommer höher im Zenit. Deshalb sind die leichten Verluste der Nordseite verkraftbar.“

Die Wirtschaftlichkeit solcher Anlage führte zuletzt zu neuen Höhenflügen. Die gestiegenen Strompreise, nicht nur jene für die Bezieher elektrischer Energie, sondern auch jene für die Erzeuger, führten zu lange vermissten Entwicklungen. Plötzlich rentierte es sich sogar, Strom wieder ins Netz einzuspeisen. Die Frage eben nur, wie lange dieser Trend anhält. „Zumindest im zurückliegenden Dezember sind die Preise schon wieder etwas gefallen“, so Papenhausen. Deshalb kalkulieren die Stadtwerke den Betrieb nach konservativen Prinzipien, kalkulieren mit einer möglichst hohen Stromabgabe im Haus. „Wir haben wie immer bei solchen Projekten die Stromverbraucher des Gebäudes aufgelistet, die Computer zum Beispiel oder die Belüftungsanlage, und kommen zu dem Schluss, 50 bis 70 Prozent des erzeugten Stromes dienen dem Eigenverbrauch.“

Vor den aktuellen Problemen sind aber auch die Stadtwerke nicht gefeit. Während die rund 200 Module mit je einer Größe von zwei Quadratmetern inzwischen ihren Platz auf dem Dach gefunden haben, leidet das Restprojekt unter Lieferschwierigkeiten. „Einer der beiden Wechselrichter fehlt noch“, sagt Papenhausen. Im Januar verschmerzbar, in den Sommermonaten ein wirtschaftlicher Nachteil. „Haben wir ja beispielsweise vergangenes Jahr erlebt. Da kann einem schnell mal eine ganze Hauptsaison der Stromerzeugung verloren gehen.“ Allerdings gehe er weiterhin davon aus, die Anlage gehe komplett an den Start, sobald das Gebäude in Betrieb genommen werde.

So viel Klarheit kann der Bauherr, die Stadtverwaltung, nicht vorweisen. „Es geht vor allem um die Außenanlagen der Immobilie“, sagt Schreiber. Erst nach dem Neubau der Allerbrücke geht das Projekt in die Endphase. Die künftige Fahrbahn wird nach Norden verschwenkt, die alte Zufahrt zur Brücke, die Rampe also, sie wird abgetragen, und der freiwerdende Raum zu Parkplätzen umgebaut. Schreiber: „Dafür liegen die Detailpläne noch nicht vor.“

In den Besitz des Gebäudes war die Stadt eher durch Zufall gekommen. „Das ist Beifang“, scherzte Bürgermeister Lutz Brockmann bei der Vertragsunterzeichnung vor drei Jahren. Gebraucht habe man beim Erwerb vor anderthalb Jahrzehnten lediglich die Freifläche, auf der jetzt die Parkpalette steht. Jetzt ist auch der Rest einer Nutzung zugeführt. Mit dem Land Niedersachsen ist ein Mietvertrag von 30 Jahren Dauer mit der Option auf weitere Verlängerungen geschlossen, wie an jenem Tag im März 2020 bekannt wurde.

Die Baupläne des Gebäudes gehen auf das Jahr 1949 zurück. Damals brauchten die Stadtwerke eine Anlage zum sogenannten Gaswaschen. In den 80er-Jahren trennte man sich von dem Objekt, das zunächst langjährig als Verkaufsfläche für Sanitär- und Heizungsbedarf diente. Nach der Insolvenz des Eigentümers übernahm die Stadt Verden die Immobilie.

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