Telefonnummer 116117 wenn der Hausarzt Feierabend hat

Verklemmtes Piercing ist kein Fall für die Notaufnahme

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Die Telefonnummer 116117 ist wenig bekannt.

Verden - Von Andree Wächter. Eine Schürfwunde, ein verklemmtes Piercing oder einfach ein Pflaster wechseln – alles Gründe, einen Hausarzt aufzusuchen. Hat die Praxis schon Feierabend, steuern viele Männer und Frauen direkt die Notfallambulanzen der Aller-Weser-Klinik (AWK) in Verden oder Achim an. „80 Prozent der Patienten sind bei uns aber falsch“, sagt der Verdener Chefarzt Werner Müller-Bruns.

Richtig wäre der kassenärztliche Bereitschaftsdienst. In Verden werden jährlich insgesamt 5.000 bis 6.000 Patienten in der Notaufnahme behandelt.

Seit 2008 ist der kassenärztliche Bereitschaftsdienst in der AWK in Achim untergebracht. Ein Jahr später folgte Verden. Seit dem haben die Hausärzte, die Bereitschaft haben (Zeiten siehe unten), einen Raum in den Kliniken. Und dies scheint eines der Probleme zu sein. Die Unterschiede sind den Kranken oft nicht klar.

Laut Chefarzt Werner Müller-Bruns ist alles ausgeschildert. Doch auch ihm ist bewusst, dass es für Außenstehende schwer ist, die Begrifflichkeiten auseinanderzuhalten und so zu wissen, wo man hin muss.

Wartezeiten vermeiden 

Landet ein Kranker nun doch in der Notfallambulanz, wird er vom Notarzt behandelt. Für den Patienten ist der Unterschied zum kassenärztlichen Bereitschaftsdienst kaum spürbar. Er wird untersucht und bekommt seine Diagnose. Befindet sich der Mediziner beispielsweise gerade in einer (Not-)Operation, muss der Patient warten. 

Dann wird sich über lange Wartezeiten beschwert, obwohl man sich vermutlich im falschen Wartezimmer befindet. Die Notaufnahme ist für akute Fälle zuständig, beispielsweise Knochenbrüche, Herzinfarkt oder sonstige lebensbedrohliche Erkrankungen.

Und wer die Hoffnung hat, in der Notfallambulanz gibt es schneller einen gelben Schein oder ein Rezept, der wird enttäuscht. „Wir dürfen beides nicht ausstellen. Das darf nur der kassenärztliche Bereitschaftsdienst“, so der Chefarzt. Wird eins von beiden benötigt, muss der Betroffene am nächsten Tag seinen Hausarzt aufsuchen.

Hausarzt bis maximal 21 Uhr im Dienst

Wie könnten Lösungen aussehen? Für Müller-Bruns wäre ein Ansatz, dass der kassenärztliche Bereitschaftsdienst grundsätzlich für die Patienten erster Ansprechpartner ist. Er könnte sie behandeln oder bei entsprechendem Krankheitsbild an die Notfallambulanz weiterleiten. Ein weiterer Punkt wären längere Bereitschaftszeiten. Aktuell sind die Hausärzte bis maximal 21 Uhr vor Ort. Dem Chefarzt ist bewusst, dass solche Änderungen nur in Absprache mit allen Hausärzten funktionieren.

Die einfachste Lösung wäre, wenn alle Kranken wüssten, durch welche Tür sie gehen müssten.

Ein zurückschicken von der Notfallambulanz zum kassenärztlichen Bereitschaftsdienst ist – trotz der räumlichen Nähe – rechtlich fragwürdig. Schnell wären die Mediziner im Bereich einer möglichen unterlassenen Hilfeleistung, gibt der Chefarzt zu bedenken.

Wichtige Nummer 

Werner Müller-Bruns bestätigt, dass es bereits Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) gegeben habe. Sie hat ebenfalls das Problem erkannt. „Patienten mit einer nicht lebensbedrohlichen Erkrankung, die außerhalb der Sprechzeiten einen Arzt konsultieren müssen, sollten nicht gleich die Notfallambulanz eines Krankenhauses aufsuchen“, appelliert Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der KVN. Es gebe seit 2012 die zentrale Telefonnummer 116  117 für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst, die die Patienten außerhalb der regulären Sprechzeiten anrufen können. Die Anrufer werden an den zuständigen Bereitschaftsdienst weitergeleitet, so Barjenbruch.

Michael Schmitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Verden, sieht in der Kostenbeteiligung eine Steuerungsmöglichkeit, vergleichbar mit der ehemaligen Praxisgebühr. Eine andere Möglichkeit wäre ein Vorsortieren der Patienten. Im sogenannten „Triage“-System werden die Kranken nach Dringlichkeit eingestuft. Laut Schmitz könnten diese Aufgabe geschulte Pflegekräfte übernehmen. Zurzeit wird das System im Krankenhaus Walsrode erprobt.

Der kassenärztliche Bereitschaftsdienst ist in der AWK anzutreffen: Montag, Dienstag, Donnerstag: 19 bis 21 Uhr. Mittwoch und Freitag: 17 bis 20 Uhr. Sonnabend, Sonn- und Feiertag: 9 bis 13 Uhr und 17 bis 20 Uhr.

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