Grundwasserproblematik

Verden: Maßnahmen-Paket für den Panzenberg

Hauszufahrt mit stark welliger Pflasterung.
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Sichtbares Zeichen für trockengefallene Landschaften: Diese Zufahrt am Dauelser Wischhofsweg liegt auf einer Torflinse, die sich wegen gesunkenen Grundwasserpegels auflöste. Einst war das Areal eine eben gepflasterte Fläche, jetzt liegen Teile um bis zu 70 Zentimeter tiefer.

Verden – In Verden formiert sich der konkrete Widerstand gegen bisherige Pläne der Wasserentnahme am Panzenberg. Und das sozusagen aus vollen Rohren, aus drei vollen Rohren genaugenommen. Der Stadtrat verabschiedet am Dienstagabend einstimmig eine Stellungnahme zum Reduzieren der Trinkwasserförderung im äußersten Nordosten der Stadt. Das Projekt zum Wiederauffüllen des Grundwassers aus Flusswasser wurde schon vor der ersten Beratung gestern Abend im Ortsrat Scharnhorst aufgegriffen. Und als Drittes im Bunde kehrt sogar eine Aktivierung von Klärwasser in die Debatte zurück.

Wasser fließt in der schmalen Senke unweit des Verdener Brunnens schon lange nicht mehr. Ein grüner Flaum liegt flächendeckend über dem Tal. Wirkt romantisch, hat aber einen bitteren Beigeschmack. Das, was sich als braungrüne Bodendelle erstreckt, ist eigentlich die Halse. Trockengefallen ist sie. Und Emotionen löst sie aus. „An der Halse hängt nicht nur unserer Herz, sondern unser Leben“, sagte Karin Hanschmann (SPD). Und für einige auch viel Arbeit. Im Dauelser Norden sind es ganze Flächen, die trockengefallen sind. Eine Torflinse liegt hier, oder besser: lag hier. Sie verabschiedete sich wegen des Grundwasserentzugs. Anlieger wie Udo Paepke, gleichzeitig BUND-Vorsitzender, haben schon häufiger Grundstückseinfahrten aufschütten müssen und beginnen vorne aufs Neue, nachdem sie hinten ihre Arbeit beendet haben. „Vor acht Jahren haben wir unsere Zufahrt saniert, jetzt ist sie schon wieder um 24 Zentimeter abgesackt.“ Andere Fläche sind bis zu 70 Zentimeter gesunken.

Ein ganzes Bündel von Maßnahmen-Vorschlägen steht in der Allerstadt Disposition, darunter auch der von Werner Bredehöft eingebrachte Vorschlag, das Grundwasserreservoir der Rotenburger Rinne, das durch die Trinkwasser-Förderung nach Bremen abgeschöpft wird, mit geklärtem Flusswasser aufzufüllen. „Muss man zumindest prüfen“, sagt SPD-Fraktionschef Carsten Hauschild. „Ist ein Thema, das sich aufzugreifen lohnt“, befindet CDU-Fraktionschef Jens Richter. Er gehe sogar einen Schritt weiter, sagt Richter. Auch gereinigtes Wasser aus der Verdener Kläranlage komme in Frage. War vor anderthalb Jahrzehnten zwar schon mal ins Spiel gebracht, wurde damals wegen Restspuren von Medikamenten, die im Wasser verbleiben, abgelehnt, aber, so Richter: „Die Technik ist fortgeschritten, es muss heutzutage möglich sein, auch diese Schadstoffe herauszufiltern.“

Seltene Einigkeit quer durch den Rat ebenfalls bei der Stellungnahme der Stadt in Sachen Halse. Der Bach solle in einen guten ökologischen Zustand zurückgeführt werden, der Mühlenteich in Dauelsen, ursprünglich von der Halse gespeist, müsse als Staugewässer erhalten bleiben, eine deutliche Senkung der Trinkwasserförderung solle die Trockenschäden mildern und eine nachhaltige Trinkwasser-Versorgung für künftige Generationen gewährleisten. Diese Zeilen gehen an die Europäische Union in der Hoffnung, Beistand im Kampf um den Grundwasserschutz zu erhalten.

Unklar zwar noch, ob irgendwer in Brüssel irgendwas mit Verden anfangen kann und mit der ökologischen Tragödie, die sich dort abspielt, im Stadtrat kam der Textentwurf schon mal an. „Ein erster guter Schritt, weitere müssen folgen“, sagt Bürgermeister Lutz Brockmann. „Wichtig vor allem, wir haben klargemacht, wir akzeptieren nichts von dem, was da läuft“, fasst Rasmus Grobe (Grüne) das Papier zusammen. „Das ist klare Kante“, meint Henning Wittbold-Müller (FDP). „Elf Jahre nach Auslaufen der Förderungs-Bewilligung haben wir noch keine Lösung, das kann man keinem mehr erklären“, meint Jens Richter. „Schon jetzt fallen Brunnen trocken. Sogar der Verdener Brunnen ist trockengefallen. Da muss dringend was passieren“, formuliert Carsten Hauschild. „Die Stellungnahme ist gut, sie kann aber nur der erste Schritt sein“, erklärt Kai Rosebrock (Freie Wähler)

Es wird nicht die einzige Stellungnahme bleiben, die in Richtung Brüssel wandert. Auch BUND-Vorsitzender Udo Paepke bereitet eine solche vor, wie er gestern auf Nachfrage erklärte. Sein Grundtenor: „Bremen soll das Trinkwasser dort holen, wo es ungenutzt vorliegt. In Bremerhaven zum Beispiel. Drei Millionen Kubikmeter gelangen entweder nach Bremen, oder sie werden in der Nordsee entsorgt.“ Für Ende Juni kündigt Paepke den Redaktionsschluss seiner Stellungnahme an.

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