2021 drastische Wertzuwächse

Verden: Plötzlich 100.000 Euro mehr fürs Haus

Grafik mit Immobilienpreisen für den Kreis Verden
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Weiterhin stark ansteigend: Die Durchschnittspreise im Landkreis Verden gehen auch im ersten Halbjahr 2021 durch die Decke.

Verden/Achim – In einschlägigen sozialen Netzwerken kursieren zuweilen skurrile Geschichten von Geldvermehrung. Eine Verdener Familie taucht darin auf. Vor gut einem Jahr griff sie zu. Ein Haus mit Garten, ein Wohngebiet im Osten der Allerstadt, und ein Preis, der Nachbarn beruhigte und sie sogar in Goldgräberstimmung versetzte. Satte 350.000 Euro zahlte die junge Familie, wissen jedenfalls interessierte Kreise. Doppelt so viel, wie das Haus vor 20 Jahren beim Neubau gekostet hatte. Und vor allem deutlich mehr, als es je jemand für möglich gehalten hat.

Aber die Geschichte geht weiter. Die junge Familie bekam kalte Füße. Ein ganzes Leben lang abzahlen? Dann auch noch Rasen mähen? Und irgendwann wollen Modernisierungen finanziert werden? Nein! Die Eheleute verkauften das Haus im Frühjahr 2021 wieder. Und plötzlich staunten Nachbarn noch mehr. Für 450.000 Euro wurde die Immobilie angeboten, für diesen Preis soll sie tatsächlich weggegangen sein. Das einzige Problem der jungen Familie nun: Sie wird den Gewinn von 100.000 Euro versteuern müssen.

Alles offenbar kein Einzelfall. „Wir beobachten schon, dass Häuser nach nur kurzer Zeit weiterverkauft werden“, sagt Volker Röge vom Gutachterausschuss des Landesamtes für Geoinformation in Verden, des Katasteramtes also. Gewinnabsicht sei bei diesen Veräußerungen nur selten das Ziel, meist habe sich bei den Eigentümern die Erkenntnis festgesetzt, sie können es nicht halten. „Einen verstärkten Trend zum schnellen Wiederverkauf erkennen wir zwar nicht, aber ganz zu vernachlässigen ist dieses Phänomen nicht.“ Ungefähr jeder 20. Hausverkauf kreisweit resultiert aus dieser brachialen Korrektur eines Fehlkaufs.

Wo bis vor zehn Jahren oft noch der Weg zum Amtsgericht drohte, zur Zwangsversteigerung, zum hohen Schuldenberg, der übrig geblieben ist, da profitieren Häusle-Verkäufer heute von weiter stark steigenden Immobilienpreisen. Auch und vor allem in der ersten Hälfte des laufenden Jahres. Die Erlöse gehen weiter durch die Decke. „Der mittlere Preis für ein freistehendes Haus beträgt im Landkreis Verden im ersten Halbjahr 2021 runde 325.000 Euro“, heißt es auf Nachfrage beim Gutachterausschuss, „vor einem Jahr waren es noch 285.000 Euro.“ Ein Zuwachs um satte 14 Prozent, gleichzeitig ein nächster Rekord, und die Fachwelt geht davon aus, es wird nicht die letzte Bestmarke gewesen sein.

Zahlen allerdings, die ein wenig mit Vorsicht genossen werden müssen. Aufgeführt sind lediglich die tatsächlich gezahlten Immobilien-Verkaufspreise und da können Zufälligkeiten nicht ausgeschlossen werden. In welcher Wohnlage befindet sich das Haus? Interessenten bewerten diese Frage oftmals deutlich höher als den tatsächlichen Hauswert. Und mehrere Häuser in guter Lage vermögen eine ganze Statistik zu verfälschen. Aus diesem Grund führt der Gutachter-Ausschuss den sogenannten Immobilienpreisindex, in dem Unterschiede in der Lage und Qualität der Immobilie herausgerechnet werden. Dieser Index weist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus um sieben Prozent auf. Immer noch rekordverdächtig, aber längst nicht mehr auf dem Niveau der tatsächlich gezahlten Preise.

Teures Pflaster: Die Preise für Immobilien, hier eine Wohnstraße im Norden Verdens, gehen weiter durch die Decke.

Lediglich eine Immobilien-Kategorie weist rückläufige Zahlen auf, die der Häuser mit Baujahren vor 1949. „Bei diesem Bestand ist die Schwankungsbreite groß“, sagt Röge, „energetisch sind die Gebäude meist lediglich auf einem mäßigen Stand, das heißt, der Käufer muss noch einmal sehr viel Geld in die Hand nehmen, um ein zeitgemäßes Wohnumfeld zu schaffen.“ Aktuell seien deshalb alte Objekte vielleicht nicht ganz so gefragt, aber würde andererseits eine Stadtvilla angeboten, die gut saniert sei, könne der Preis auch schon wieder oberhalb aller Durchschnittswerte liegen.

Anhaltspunkte auf den tatsächlichen Wert des Hauses liefert zudem der sogenannte Wohnflächenpreis, der in Euro pro Quadratmeter Wohnfläche ausgeworfen wird. Für Häuser mit 70 Jahren auf dem Buckel schlagen 1 425 Euro zu Buche, mit einem Baujahr von 1950 bis 1977 sind es 1 929 Euro, von 1978 bis 1990 wurden 2 310 Euro ermittelt, von 1991 bis 2018 bereits 2 674 Euro und alles jüngere bewegt sich ebenfalls oberhalb einer Marke von 2 500 Euro.

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Auch von Kommune zu Kommune herrscht im Landkreis Verden ein deutliches Gefälle. Noch macht der Gutachterausschuss dazu keine Angaben. Aus den vergangenen Jahren allerdings lässt sich eine klare Tendenz ableiten. Besonders gefragt sind demzufolge die Stadtlagen Achims, hier vor allem der Weserhang. Nicht weit dahinter die Stadtlagen Verdens. Auch das Bremer Umland liegt hoch im Kurs, hier besonders die Gemeinde Oyten und der nördliche Teil der Samtgemeinde Thedinghausen. Abstufungen sind derweil in den restlichen Gemeinden hinzunehmen, je weiter weg von Autobahnanschluss und Bremen, desto günstiger.

In 448 Kaufverträgen für bebaute Grundstücke wurden im Landkreis Verden nach Angaben des Gutachterausschusses im ersten Halbjahr insgesamt 175 Millionen Euro umgesetzt. Hier ist der Geldumsatz um 29 Prozent gestiegen, die Anzahl der Kaufverträge ist um neun Prozent gestiegen. Vom Gesamtumsatz der bebauten Grundstücke entfallen 89,6 Millionen Euro auf freistehende Einfamilienhäuser. Dies ist eine Steigerung des Geldumsatzes von 33 Prozent. Die Preissteigerungen bei Wohnhäusern liegen laut Gutachterausschuss zur Jahresmitte gegenüber dem zweiten Halbjahr 2020 bei etwa sechs Prozent. Aufgrund der noch nicht vollständig abgeschlossenen Auswertung und Analyse der Kauffälle aus den letzten Monaten könne es noch zu Korrekturen kommen.

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