Luca, Tests und tausend Fragen

Verden: Lockerungen locken kaum

Leute im Straßencafé am Tisch.
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Nur zurückhaltend ging erwartungsgemäß die Verdener Gastronomie mit der Möglichkeit um, erstmals nach fünf Monaten wieder außen zu öffnen. Nur wenige beteiligten sich.

Verden/Achim – Am Tag, als die Außengastronomie öffnen durfte, gestern, da formierten sich erstmal Menschenschlangen. Allerdings nicht vor den Tischen und Stühlen in der Fußgängerzone oder in einigen der schon herausgeputzten Gärten. Da bildeten sich Schlangen vor den Testzentren, vor den Apotheken, gern auch bei den Drive-Ins. Und schon war es da, das Kleingedruckte, das die Lockerungen in Niedersachsen begleitet und das nichts mehr einfach macht.

Einige Zeitgenossen haben bereits resigniert. „Als wir noch Hochinzidenzgebiet waren, der Landkreis Verden, da hatten wir weniger Verbote“, sagen sie. Und überhaupt: Was ist mit Erleichterungen für Geimpfte und Genesene? Ein Paragrafengestrüpp, in dem selbst Eingeweihte sich zu verheddern drohen, wie Reiner Heemsoth aus dem Gesundheitsamt des Landkreises einräumt. Für die Einhaltung der Verordnungen ist er zuständig. Sein Zwischenfazit: „Es ist ungewöhnlich kompliziert geworden.“ Und geklärt ist längst noch nicht alles.

Umweg in die Testzentren

Aber von vorn. Mal eben durch die Fußgängerzone schlendern, hier und dort hineinschnuppern, vielleicht einem Laden kurzentschlossen einen Besuch abstatten und irgendwo im Außencafé ein Päuschen einlegen, das geht für die meisten nicht. „Wir haben die Testpflicht“, sagt Reiner Heemsoth aus dem Gesundheitsamt des Landkreises Verden, „dem überwiegenden Teil der Bevölkerung sei deshalb ein Umweg empfohlen. Erst der Test, dann in die Fußgängerzone, in die Einkaufszentren, in die Gartenlokale.“ Der Test, so er denn negativ ausfalle, gelte 24 Stunden. Ausgenommen sind hiervon körpernahe Dienstleistungen wie der Haarschnitt beim Friseur, solange während dabei durchgehend eine Maske getragen werden kann.

Aber schon ist es da, das erste Problem, auf das es nur ausweichende Antworten gibt. Jedem steht lediglich ein kostenloser Schnelltest pro Woche zu, so weit die offizielle Version. Darüber hinaus geht die Äußerung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, jeder dürfe sich mehrfach pro Woche kostenlos testen lassen. „Von einer solchen Vorgabe ist hier noch nichts angekommen“, so Heemsoth.

Drei Varianten für Innenstadtbesuch

Tests sind darüber hinaus in der Gastronomie möglich. Zuweilen sind die Eingangsbereiche von Restaurants die einzige Möglichkeit, ein solches Zertifikat zu erhalten, bei einem kurzfristigen Besuch sonntagabends, zum Beispiel, wenn also die 24-Stunden-Testbefreiung abgelaufen ist. Fraglich allerdings, ob die Betriebe ein solches Angebot vorhalten wollen, ob sie es können, ob sie bereit sind, ein solches Zertifikat auszustellen, das auch für weitere Gastronomiebesuche am selben Abend gelte, und was sie tun, wenn jemand positiv getestet wird. „Viele Fragen“, so Heemsoth, „auf die wir erst in den nächsten Wochen Antworten erhalten.“

Wer einen negativen Schnelltest in der Tasche hat, dem ist vieles erlaubt, aber nicht alles. Heemsoth weist auf die feinen Unterschiede hin, auf die man zu achten gehalten sei: „Für den Einzelhandel ab 200 Quadratmetern gilt die Testpflicht, für den Einzelhandel unter 200 Quadratmetern gilt Click & Meet mit Dokumentationspflicht.“ Alles klar?

Für Genesene fehlt noch der Ausweis

Schön. Dann kommen wir zu den Ausnahmen. Wer vollständig geimpft oder nach Infektion genesen ist, der muss nicht der Testpflicht nachkommen. Geimpfte können zur Not ihren Impfpass vorlegen. Kein Problem also. Schwieriger wird es bei den Genesen. „Wir haben zurzeit noch keine Bestätigungsform, die wir ihnen zukommen lassen können“, sagt Heemsoth, „wir arbeiten daran.“ Wobei genesen nicht gleich genesen ist. Laut Verordnung werde als genesen betrachtet, wer innerhalb der letzten sechs Monate betroffen sei, allerdings nicht in den letzten 28 Tagen. Immer noch alles klar?

Den Genesenen, die mit den gleichen Rechten wie Geimpfte ausgestattet werden können, wolle man entgegenkommen, so Heemsoth. „Anträge sollen nicht notwendig sein. Wenn alles so läuft, wie wir es erhoffen, bekommt der betreffende Personenkreis automatisch eine Bestätigung.“ Derweil beginnt die Luca-App einzuziehen, die seit neuestem im Kreis Verden behördenfest ist. Wer will, kann statt Dokumentationspflicht den QR-Code scannen. „Leider“, berichten erste Innenstadt-Besucher, „besteht diese Möglichkeit noch nicht überall.“

Über allem schwebt weiter die Inzidenz

Wären alle diese Probleme gelöst und das Paragrafengestrüpp entkusselt, es wäre immer noch nicht einfach. Über allem schwebt weiterhin die Inzidenz, und die liegt im Landkreis Verden seit Tagen zwischen 90 und 100. Ein kleiner Ausschlag nur, schon wären nächste Verschärfungen notwendig.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes haben wir von einer generellen Testpflicht beim Friseur geschrieben. Diese existiert in Kommunen ohne aktiver Bundes-Notbremse allerdings nur, wenn bei einem Besuch nicht dauerhaft eine Maske getragen werden kann. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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