Sanierung des Pflasters in der Straße Hinter der Mauer

Keinen Stress in Verdens Fußgängerzone: Richtig radeln für 80 .000 Euro

Frau mit Rad in der Verdener Fußgängerzone
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Vorbildlich: Geradelt werden darf in der Verdener Fußgängerzone nur von 18 bis 11 Uhr. Dazwischen heißt es absteigen und schieben.

Verden – Mit dem Rad durch die Fußgängerzone? Ist in Verden nicht grundsätzlich verboten. Aber: Von 11 bis 18 Uhr müssen die Biker absteigen. Machen längst nicht alle. Wer das nicht will, könnte hingegen in die Straße Hinter der Mauer ausweichen. Lieber nicht, denn da wartet eine Buckelpiste. Aber: Es soll besser werden. Immerhin 80 000 Euro will sich die Stadt die Sanierung kosten lassen, auch, um die Fußgängerzone zu entlasten. Der Stadtrat hat das Geld, nach längerer Diskussion, bewilligt.

Es ist, wie es ist und wer als Fußgänger in den Mittagsstunden durch die Große Straße geht, hat sich daran gewöhnt. Ein leichter Luftzug, manchmal begleitet von einem energischen Klingeln, zack ist der Radler vorbei. Kopfschütteln, wenn es ganz eng wird, ein böses Wort, schön ist das nicht, gefährlich dafür allemal. Und schon gar nicht erlaubt.

Verdener Stadtrat hat das Geld nach längerer Diskussion bewilligt

Schilder eingangs der Großen Straße machen deutlich, was wer wann darf. Bei der Stadt Verden, im Ordnungsamt, sind die Regelverstöße durchaus auch ein Thema. Patrick Düsselbach, zuständig für den Bereich des Verkehrswesens, ist regelmäßig in der Großen Straße unterwegs. „Es wird nicht täglich kontrolliert, aber wo es auffällig wird greifen wir ein“, sagt er. Eingreifen, das sei aber nur bedingt möglich. „Wir sind nicht die Polizei, können im fließenden Verkehr also keine Verstöße verfolgen“, so Düsselbach. Das Ordnungsamt suche in solchen Fällen das Gespräch, weise auf die Verbotsschilder hin. Möglich aber nur, wenn der Radler hält. Das dürfte nur selten der Fall sein.

Stadt Verden: „Wir sind nicht die Polizei, können im fließenden Verkehr also keine Verstöße verfolgen“

Die Polizei hätte ganz andere Möglichkeiten, könnte die Radler anhalten und zur Rechenschaft ziehen. Auch auf dem Revier wissen die Verantwortlichen um das, was sich täglich in der Fußgängerzone abspielt. „Wir kontrollieren, sind präventiv mit unseren Beamten an vielen Stellen in der Stadt im Einsatz, gerade auch, um Radfahrer zu sensibilisieren“, sagt Polizeisprecherin Imke Burhop. Präventiv heißt, es werde viel gesprochen. Auch in der Fußgängerzone, wenn denn dort ein Radler angetroffen wird, ginge es zunächst einmal darum, zu sensibilisieren. „Wir appellieren an die Einsicht der Beteiligten“, so Burhop. „Erst wenn aggressiv gefahren oder es zu Unfällen kommt, greift der Maßnahmenkatalog“, sagt Burhop. Alles beginnt mit einer mündlichen Verwarnung. Wer uneinsichtig ist, zahlt 15 Euro, eine Behinderung kostet 20 Euro, eine Gefährdung 25 Euro. Wenn es zum Unfall kommt, kann es richtig teuer werden.

Die Straße Hinter der Mauer: Das kleinteilige und brüchige Pflaster im Seitenstreifen kommt raus und wird durch robustes und fahrradfreundliches Betonpflaster ersetzt. Die Straße im Mittelteil bleibt komplett erhalten.

Dennoch wird dort geradelt, was das Zeug hält. Schüler, Touristen, jung und alt, bleiben zu jeder Zeit im Sattel. Vielleicht auch deshalb, weil es auf die Schnelle an Alternativen mangelt. Dabei gibt es einen beschaulichen Weg durch Verdens älteste Straße Hinter der Mauer. Wer allerdings mit dem Rad da durch fährt, belässt es bei einer Tour. „Das Pflaster ist ein Desaster“, kritisiert Henning Wittboldt-Müller (FDP). „Was da vor 20 Jahren eingebaut wurde, ist eine Frechheit.“ Damit meint der Ratsherr die kleinen Quader, die sich überall in der Stadt wiederfinden: „Verden kann kein kleinteiliges Pflaster“, so Radfahrer Wittboldt-Müller.

Ratsherr Henning Wittboldt-Müller: „Verden kann kein kleinteiliges Pflaster“

Bei der Stadtverwaltung ist das Steinproblem bekannt. Was vor 20 Jahren Mode war, hat sich absolut nicht bewährt. „Ein Fehler“, sagt Bürgermeister Lutz Brockmann. Ein Großteil der Straße unter Denkmalschutz, sollen die 80 Zentimeter breiten Randstreifen zu beiden Seiten durch Betonsteinpflaster, dem Naturstein optisch nachempfunden aber deutlich robuster, ersetzt werden. „Dann kann in der Straße bequem geradelt werden und auch Fußgänger und Menschen mit Rollator kommen unfallfrei durch“, so die Verwaltung. 80. 000 Euro kostet der Einbau, die Anlieger brauchen dafür nichts zu zahlen, weil es eine Instandsetzung und kein Neubau ist.

Lars Brennecke (CD): Wenn wir das machen, sollten wir uns darum kümmern, dass nicht in der Fußgängerzone, sondern Hinter der Mauer geradelt wird.

Bedenken, dass der Streifen von 80 Zentimeter rechts und links zu schmal sei, räumte die Verwaltung aus. „Wird es breiter, müssen wir die komplette Straße aufnehmen, dann wird es richtig teuer“, hieß es. Das überzeugte Johanna König (Grüne) und Wolfgang Hammer (SPD). Knut Heinisch (SPD) war die Rechnung für den Bau noch zu hoch: „80 000 Euro, nur damit nicht durch die Fußgängerzone gefahren wird, dafür ist mir das Geld zu schade“, so seine Kritik. Fraktionskollege Carsten Hauschild (SPD) hielt dagegen: „Ob für Radfahrer oder Fußgänger, ein Seniorenheim liegt um die Ecke, wir müssen in dem Bereich grundsätzlich für Verkehrssicherheit sorgen“, sagt der SPD-Vorsitzende. Lars Brennecke (CDU) konnte dem folgen, machte aber mit Nachdruck deutlich: „Wenn wir das machen, sollten wir uns darum kümmern, dass nicht in der Fußgängerzone, sondern Hinter der Mauer geradelt wird.“

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