Rat trifft Entscheidung für Standort an der Moorstraße / Weiter Diskussion über Konzept

Sekundarschule Campus: Kritische Fragen

Blick auf die Sekundarschule Campus.
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Wird komplett umgebaut: die ehemalige Realschule, heute Sekundarschule Campus.

Entscheiden wollte der Stadtrat Verden eigentlich über den Standort der neuen Sekundarschule Campus. Doch dann stieg das Gremium in die grundsätzliche Debatte über Konzept und Lerninhalte ein. Auch kritische Fragen wurden gestellt. Seit 2018 gibt es personalisiertes Lernen an der Schule.

Verden - Eigenverantwortliches Lernen steht seit 2018 auf dem Stundenplan der Sekundarschule Campus in Verden. Der Unterricht läuft, es braucht allerdings neue, vor allem andere Räume. Die Entscheidung darüber sollte in der Sitzung des Stadtrates fallen. Die Standortfrage – gebaut werden soll an der Moorstraße – rückte bei der Sitzung allerdings komplett in den Hintergrund. Lange diskutiert wurde über das, was seit drei Jahren bereits praktiziert wird: das Konzept des „Verdener Wegs“. Hier und da wird noch, vor allem bei den Grünen, mit den Inhalten gehadert.

Grüne: Es gibt keine fundierte Studie. Wir würden uns daher nach drei Jahren Laufzeit für die kommenden drei Jahre eine wissenschaftliche Begleitung wünschen

Auf die erheblichen Kosten des Projektes, die Schätzungen liegen im zweistelligen Millionenbereich, verwies Werner Meincke (Grüne). „Da müssen auch kritische Nachfragen zum Konzept erlaubt sein“, so Meincke. Dazu gehöre für ihn ein Beleg über die Arbeit des personalisierten Lernens. „Es gibt keine fundierte Studie. Wir würden uns daher nach drei Jahren Laufzeit für die kommenden drei Jahre eine wissenschaftliche Begleitung wünschen“, erneuerte er eine Forderung seiner Partei. Auch der Stellenwert von Inklusion, und welchen Umfang sie im Schulalltag einnehme, sei bislang nicht erkennbar und solle dokumentiert werden, betonte Meincke. Zudem wünsche er sich eine beständige Kommunikation zwischen den Arbeitskreisen sowie Schulausschuss und Rat. Karin Hanschmann (SPD), in der Lebenshilfe Verden mit der Arbeit behinderter Kinder betraut, brachte ihre Sorge über den künftigen Wegfall der Förderschule zum Ausdruck und sagte: „Wir sind für das integrative Lernen, fühlen uns aber in der Sekundarschule noch nicht richtig mitgenommen.“ Insbesondere im Inklusionsbereich brauche es ein tragfähiges Konzept. Bedenken äußerte Sonja Toaspern (Linke). Sie warnte vor einer Großraumschule. „150 Kinder in einem Raum ist für mich schwer vorstellbar.“

Umut Ünlü: „Großraumbüro ist der völlig falsche Begriff“

Genau das wies Umut Ünlü (SPD) energisch zurück. „Großraumbüro ist der völlig falsche Begriff“, betonte Ünlü. „Wir müssen weg aus der alten Ecke, in eine Umgebung, wo lernen Spaß macht. Eben das bietet die Campus Schule.“ Ünlü verwies auf erfolgreiche Beispiele und betonte: „Wir sind in Verden nicht die Ersten, die eigenveranwortliches Lernen anbieten und sollten Vertrauen in die Arbeit der Pädagogen haben.“ SPD-Fraktionschef Carsten Hauschild sprach von einem Konzept, „das Kinder dort abholt, wo sie stehen“. Und: „Lernlandschaften haben mit Großraumbüros nichts zu tun.“ Davon zeigte sich auch Lars Brennecke (CDU) überzeugt: „Das Raumprogramm ist mit dem Konzept vereinbar“, sagte Brennecke. CDU-Fraktionschef Jens Richter forderte mehr Mut. „Wir müssen lernen, Schule neu zu denken.“

Sekundarschule Campus: Vertrauen in die Arbeit der Pädagogen

Anja König (CDU) lenkte die Diskussion auf das, was den „Verdener Weg“ ausmacht. „Seit 2013 sind wir auf dem Weg, 2014 wurde das pädagogische Leitbild eigenverantwortliches Lernen beschlossen, 2016 die Oberschule gegründet“, so König. Auf den Start im Jahr 2018 habe sich das Kollegium sehr intensiv vorbereitet. „Die neue Pädagogik braucht indes neue Räume, auch der Gedanke der Inklusion ist dabei im Fokus“, versprach König. „Mit dem Neubau und dem angrenzenden Sportpark treten wir in die nächste Phase ein, ermöglichen den Kindern eine gute Schulausbildung. Was wir da schaffen, wird etwas ganz Tolles.“

Auf den Start im Jahr 2018 hat sich das Kollegium sehr intensiv vorbereitet

Eine sachliche, tiefe Debatte, fasste Bürgermeister Lutz Brockmann die Diskussion zusammen. „Wir werden mit dem Konzept jedes Kind in seinem Lerntempo begleiten und dabei allen gerecht werden. Die Schüler lernen gemeinsam, mal in größeren Gruppen, mal in kleinen Einheiten“, sagte Brockmann.

Bürgermeister Lutz Brockmann: „Wir werden mit dem Konzept jedes Kind in seinem Lerntempo begleiten und dabei allen gerecht werden“

Bei drei Enthaltungen sprach sich der Rat für den Schulstandort an der Moorstraße/Trift/Bürgermeister-Gustav-Schäfer-Platz aus. 150 .000 Euro soll für die Durchführung eines Realisierungwettbewerbes im Haushalt 2022 bereitgestellt werden. Das Gebäude der ehemaligen Klaus-Störtebeker-Schule wird mit der neugestalteten Campus-Schule frei.

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