Allersymphonie: Mitwirkende und Publikum trotzen Unwetter

Ein schöner Abend in fröhlicher Gesellschaft

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Ende gut, alles gut: Musiker und Sänger zeigten trotz der Warterei keinerlei Ermüdungserscheinungen. Mit ihrem bunten Programm aus verschiedenen Epochen begeisterten sie ihr Publikum.

Verden - Von Ilse Walther. Trotz der Verspätung boten die jungen Menschen des Jungen Philharmonischen Orchesters Niedersachsen unter ihrem temperamentvollen jungen Dirigenten Gábor Hontvári am Sonnabend bei der Allersymphonie ein wirklich buntes, aus Klassik und Romantik gewähltes Programm. Von der Frische und der bestens ausgesteuerten Klangfülle konnte man nur begeistert sein.

Trotz der Warterei auf den Auftritt zeigten die Mitwirkenden keinerlei Ermüdungserscheinungen. Und so erlebte das Publikum ein sehr präsentes und einfühlsames Musizieren an allen Pulten.

Die homogene Streichergruppe wie die vorzüglichen Bläser spielten großartig phrasierte und sowohl leichtfüßig wie dramatisch gesteigerte und behutsam abschattierte Partien in ausgewogenen Dialogen zwischen ihnen, ausgezeichnet von den Schlagwerkern unterstützt.

Gábor Hontvári vermochte stets, seine Intentionen durch differenzierte Zeichengebung zu übertragen. Das stattliche Orchester war nicht nur in den Instrumentalwerken überzeugend und mitreißend. Als Opernorchester begleitete es die drei Gesangssolisten stets mitgehend, aber nie deckten sie sie klanglich zu.

Wer das Unwetter abgewartet hatte, wurde nicht nur mit einem besonderen Konzert belohnt, sondern auch mit einem spektakulären Abendhimmel. 

Wunderbar und stimmungsvoll bot das Orchester die Ouvertüre „Die Hebriden“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Durch flexibles Musizieren zeichnete es diese schottische Insel wunderbar nach.

Köstlich leichtfüßig, dann zupackend und mit prägnantem Paukenwirbel ließ das Orchester die Ouvertüre zu „Leichte Kavallerie“ von Franz von Suppé reiten. Man hörte das Galoppieren der Pferde, schwelgte in großem Auftritt und endete im strahlenden Fortissimo.

Christiane Artisi sang die bewegende Arie „Lascia ch’io pianga“ aus „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel im warmen Mezzobereich, einfühlend vom Orchester begleitet. Ihre ehemalige Schülerin Anaya Hubach, heute eine sehr gute Sopranistin mit Opernerfahrung, bot im perfekten Staccato wie mit kleinen schlanken Verzierungen und glasklaren Koloraturen bis in die makellose Höhe „Caro nome“ aus Rigoletto von Guiseppe Verdi.

Anaya Hubach hatte einen Kollegen mitgebracht: Konstantin Ingenpass. Er verfügt über einen ganz großen, umfangreichen, bestens geführten Bariton und bewies mit der bekannten Arie des Figaros, „Largo al Factotum“ aus „Der Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini, nicht nur sängerisch, sondern auch durch die Gestik Esprit und großes eigenes Theater seine künstlerische Reife. Denn wie der Figaro sich in dieser Arie zu dem wichtigsten Menschen und perfekten Figaro hochstilisiert, das hatte was. Auch in den beiden Arien hatte das Orchester die bestens ausgefeilte Begleitung übernommen.

Die Sopranistin und der Bariton boten dann das so verführerische Duett „Lá ci darem la mano“ aus „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart, in der der alternde Weiberheld Graf Almaviva die Zofe Zerline bezirzt. Die beiden Sängerinnen boten den wunderschönen „Abendsegen“ aus Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ im warmen Duogesang.

Großartig musizierte das Orchester den Eingangssatz aus Antonin Dvoráks Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“. Schön, wie der Satz aus der Tiefe heraus so warm gespielt wurde, um sich dann wuchtig im Tutti zu entfalten, zunächst von den Bläsern, dann von den tiefen Streichern ganz dicht und homogen geboten. Wunderbar war auch das hier von der Flöte gespielte schöne Thema des Englischhorns, das im weiteren Verlauf immer wieder aufleuchtete. In großen Phrasierungsbögen riss das Orchester seine Zuhörer mit und endete in diesem klangintensiven und tempogesteigerten Finale.

Christiane Artisi, Anaya Hubach und Konstantin Ingenpass brachten im tollen Miteinander mit dem Orchester das zündende „So muss allein ich bleiben“ aus „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, ganz ruhig begonnen und immer weiter tempogeladen gesteigert. Eingerahmt wurde das Konzert wieder von wunderbaren Darbietungen der Wasserorgel der Verdener Feuerwehr. Die Musik dazu kam vom Band, perfekt mit den tanzenden farbigen Wasserstrahlen koordiniert, sowohl im dramatischen „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauß wie auch dem heiter walzenden „Walzer“ aus der Jazz-Suite Nr. 2 von Dimitri Shostakovich und „Alla Hornpipe“ aus der „Wassermusik“ von Georg Friedrich Händel.

Statt des geplanten gemeinsamen „Guter Mond, du gehst so stille“ wurde ein zünftiges Geburtstagsständchen für Christiane Artisi geboten, herrlich verzierungsreich vom Orchester begleitet. Viel lang anhaltender Applaus, Blumen für die Sängerinnen und Flaschengeschenke für den Sänger und den Dirigenten und für die Initiatorin dieses herrlichen Abends, Gabriele Müller.

Spät kam man nach Hause, aber mit dem Gedanken: Trotz des Unwetters war es ein schöner Abend in fröhlicher Gesellschaft.

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