Optimaler Boden durch Technik

Wenn die Maus im Reitstadion Alarm schlägt

Vier Personen im Reiterstadion vor einem Stromkasten erklären die Technik
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Neue Technik im Reiterstadion: Bürgermeister Lutz Brockmann, Yasmin Nölker, Wilken Treu und Martin Stäcker erklärten, was im Boden für die richtige Bewässerung sorgt.

Wenn im Verdener Stadion Pferd und Reiter unterwegs sind, brauchen sie optimalen Boden, um ihren Rhythmus zu finden. Der Sand macht den Unterschied. Hochmoderne Technik sorgt dafür, dass der Untergrund mal fein, mal körnig, mal fest wird. Ganz nach Bedarf.

Verden – Die Hufe treten wieder und wieder sicher in festen Boden, Pferd und Reiter haben im Verdener Stadion ihren Rhythmus gefunden, fühlen sich scheinbar in ihrem Element. Die Rezeptur des Untergrunds stimmt offenbar. Nicht selbstverständlich: „Sand ist nicht gleich Sand, es kommt auf die richtige Körnung an und da lässt sich, je nach Wunsch, viel regulieren“, sagt Anja Bohlmann vom Unternehmen Bohlmann Reitböden in Kirchlinteln. Auf die richtige Wässerung kommt es an.Tonnenweise Sand hat das Unternehmen in den vergangenen Monaten in das Verdener Stadion karren lassen, auf unterschiedlich große Spring- und Dressur- sowie entsprechende Abreiteplätze verteilt, insgesamt eine Fläche von 16 000 Quadratmetern. Doch was oben mal staubig, gröber oder fest aussieht, hat eine tieferliegende Ursache. Ein riesiges Netz an Leitungen sorgt in der Erde dafür, dass oberirdisch alles so wird wie gewünscht. Das Programm hat einen Namen und nennt sich „Unterbodentropfbewässerung“.

Verdener Stadion: Das Programm hat einen Namen und nennt sich „Unterbodentropfbewässerung“.

Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich ein Höchstmaß an Technik, die über eine hochsensible Steuerungsanlage reguliert wird. „Wir wissen immer genau, wie es im Boden aussieht“, erklärt Martin Stäcker, Technischer Leiter bei der Firma Norka, die gemeinsam mit dem Unternehmen Bohlmann das Verfahren entwickelt hat. Eine Wetterstation meldet beständig, was sich rund um das Stadion an Niederschlägen abspielt. „Die Bewässerung der Plätze passt sich, je nach Bedarf, entsprechend an“, so Stäcker. Daten werden gesammelt, ausgewertet und gespeichert. Wenn was von oben kommt, braucht von unten nicht nachgewässert werden. Bleibt der Regen aus, kommt automatisch Nachschub aus dem Untergrund, so die Regel. Das ausgewogene Spielchen sorgt dafür, dass sich der Wasserverbrauch auf ein Minimum reduzieren lässt. Anja Bohlmann: „Wir rechnen mit Einsparungen von bis zu 30 Prozent.“

Ausgewogene Bewässerung mit Einsparung von bis zu 30 Prozent

Kein Tropfen Wasser, das ist wesentlicher Teil des Konzeptes, soll unnötig verdunsten. „Das komplette Schlauchsystem liegt daher unter einer Freifläche“, sagt Anja Bohlmann. Trotzdem kann oben drauf mit schweren Gerät gearbeitet werden. Offene Gitter schützen im Boden die Schläuche vor Druck und lassen zugleich das Regenwasser durch.

Verdener Stadion: Gespeist wird die Anlage aus einem eigenen Brunnen

Gespeist wird die Anlage aus einem eigenen Brunnen. „Kein Trinkwasser, auch das hat der Stadtrat gewollt“, betonte Bürgermeister Lutz Brockmann. Zunächst nicht ganz unproblematisch, wie sich herausstellte. Die Anlage lief, und dann doch nicht. Zuviel Eisen und Mangan machten der modernen Technik Probleme. Das moorige Nass war völlig ungeeignet. „Wir mussten einen neuen Brunnen bohren“, erklärte Yasmin Nölker vom städtischen Fachbereich Straßen und Stadtgrün. Und: Das Wasser war klar, die Erleichterung bei den Beteiligten groß.

Wo Extreme drohen, so die Idee der Techniker, denkt die Anlage mit

Wo Extreme drohen, so die Idee der Techniker, denkt die Anlage mit. „Mal Hitze, mal Starkregen, kann sie reagieren“, weiß Martin Stäcker. In Zeichen des Klimawandels ein zusätzliches Plus. Und auch für die kalte Jahreszeit ist das System gerüstet. „Bei drohendem Bodenfrost entleeren sich automatisch die Rohre“, sagt Stäcker. „Umgekehrt fließt das Wasser sofort zurück, wenn die Temperaturen steigen. „Für Pferd und Reiter entfallen damit lange Wartezeiten“, freut sich Wilken Treu, Geschäftsführer des Hannoveraner Verbandes.

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Und wenn doch mal etwas kaputt geht? Martin Stäcker zeigt auf sein Smartphone: „Sobald sich eine Maus an einem der Schläuche zu schaffen macht, meldet sich die App auf meinem Handy und wir können uns sofort auf die Suche nach der Quelle machen.“

Stadt Verden gibt circa 1,6 Millionen Euro aus - Mittwoch beginnt die Weltmeisterschaft

Den gesamten Umbau im Reiterstadion mit Abriss und Neuaufbau der Anlagen lässt sich die Stadt Verden circa 1,6 Millionen Euro kosten. Bürgermeister Lutz Brockmann sieht das Geld gut angelegt. „Wir haben damit die Möglichkeit, langfristig Reitturniere auf nationalem und internationalem Niveau anzubieten und sind mit der Technik für jedes Wetter gewappnet.“ So viel scheint sicher: Dem WM-Start der jungen Dressurpferde steht am Mittwoch nichts im Wege.

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