Prozess um qualvollen Hungertod einer 49-Jährigen

Staatsanwältin fordert zehn Jahre Haft für Ehemann

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Der Angeklagte, rechts sein Anwalt Michael Brennecke, kommt am 15.09.2015 im Landgericht in Verden in den Verhandlungssaal.

Verden - Eine Frau liegt mit gebrochener Hüfte wochenlang hilflos auf dem Sofa. Ganz langsam verdurstet und verhungert sie. Ehemann und Tochter schauen weg. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft hohe Strafen gefordert.

Im Prozess um den qualvollen Hungertod einer 49-jährigen Frau hat die Staatsanwaltschaft Verden für den Ehemann zehn Jahre Haft gefordert. Wie die Anklagebehörde in ihrem Plädoyer am Freitag weiter forderte, soll die 18 Jahre alte Tochter zu einer fünfjährigen Jugendstrafe verurteilt werden. Die alkoholkranke Frau soll laut Anklage nach einem Sturz vor fast einem Jahr in der Wohnung der Familie in Thedinghausen nicht ausreichend mit Essen und Trinken versorgt worden sein.

Der 50-Jährige und die Tochter sollen sie mit gebrochener Hüfte auf dem Sofa liegengelassen haben, so dass die 49-Jährige über Wochen hinweg langsam verhungerte und verdurstete. Die Frau starb Mitte März 2015. Vom Vorwurf des Mordes rückte Staatsanwältin Annette Marquardt ab, sagte eine Gerichtssprecherin im Landgericht Verden. Es sei nicht sicher nachweisbar, dass die Tat als Mord zu werten sei. Vater und Tochter seien aber wegen Totschlags durch Unterlassung zu verurteilen. Durch die familiäre Nähe hätten sie eine Fürsorgepflicht gehabt. Sie wohnten in einer Wohnung und hätten die Situation der Mutter wochenlang registriert, seien aber gleichgültig geblieben. „Sie wussten, dass die Mutter so sterben würde“, sagte Marquardt.

Und das sei beabsichtigt gewesen. Der Verteidiger der Tochter habe auf Freispruch für seine Mandantin plädierte, sagte die Gerichtssprecherin. Die junge Frau sei in den letzten Wochen vor dem Tod der Mutter praktisch nicht mehr zu Hause gewesen, deshalb habe sie die Lebensgefahr nicht erkannt. Außerdem habe die Tochter keine Beziehung zu ihrer Mutter gehabt, argumentierte der Verteidiger. „Ein Familienleben hat nicht mehr stattgefunden.“ Mann und Tochter hätten jahrelang unter der Alkoholsucht der Mutter gelitten. Die Verteidigung des Ehemanns plädiert am 15. Januar. Nach Angaben der Gerichtssprecherin fällt nach bisheriger Planung anschließend auch das Urteil.
dpa

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