Neuer Allwetterfußballplatz für Hönisch

Wie viel Kunstrasen noch sein darf in Verden

Vereinswappen vor Sportanlage.
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Hinter dem Eingangsportal des SV Hönisch ist zumindest eine Vorentscheidung schon gefallen: Statt der bisher zwei Plätze sind durch Neuausrichtung der Spielfelder künftig drei möglich.

Verden – Ein paar wohlklingende und vor allem zustimmende Sätze, ein kurzes Handheben, und schon war ein sechsjähriges Zerren beendet. Auf seiner letzten Sitzung gab der Stadtrat mehr als eine halbe Million Euro für den neuen Allwetterplatz des SV Hönisch frei. „Brauchen wir dringend“, wird Vereinsvorsitzender Wolfgang Zehl nicht müde zu unterstreichen. Von grenzenlosem Jubel auf der anderen Seite der Aller kann indes nach dieser Ad-hoc-Entscheidung keine Rede sein. Der Teufel steckt im Detail, und plötzlich ist nichts mehr richtig klar. Kunstrasen, Rasenkunst oder ein Hybrid? Das sind die Fragen, die die Gemüter beschäftigen.

Eines allerdings steht jetzt schon fest. „Es wird kein Kunstrasen, wie wir ihn vom Saumurplatz kennen“, sagt Bastian Ehlers aus dem Verdener Rathaus. Was vor zehn Jahren noch als letzter Schrei galt, ist jetzt verboten. Der Plastikmüll im Meer zieht jetzt dorthin, wo er herkommt, aufs Land, und da eben auch auf die Sportplätze. Das wissen auch die Hönischer. „Kunststoffgrashalme von 55 Millimetern Länge, dazu das Reifengranulat, das ausgestreut wurde, das geht alles nicht mehr“, sagt Vereinsvorsitzender Zehl. „Ab sofort dürfen keine Plätze nach diesem Muster mehr gebaut werden, ab dem nächsten Jahr ist es sogar generell verboten.“

Unklar noch, auf welche Variante der Hönischer Sportplatz jetzt hinausläuft. In der Verwaltungsvorlage, die den Stadtrat passierte, ist mal von einem Kunstrasenplatz, mal von einem Allwetterplatz die Rede. „Einige Kommunen haben inzwischen auf eine Kombination aus natürlichem und künstlichem Rasen gesetzt“, heißt es aus der Stadtverwaltung, „wir loten gegenwärtig aus, wie widerstandsfähig dieser Ausbaustandard ist, und welchen Pflegeaufwand er erfordert.“ Als Alternative käme ein sogenannter Hybrid-Rasen in Betracht. Die Kunststoff-Grashalme sind nur noch 35 Millimeter lang, womit sichergestellt wäre, bei scharfen Freistößen löst sich kein Mikroplastik. Gleichzeitig wird das Reifengranulat durch den natürlichen Rohstoff Kork ersetzt.

Ginge es allein nach Hönischs Fußballern, wäre die Entscheidung schon gefallen. „Wir können nicht kurzfristig im Winter in die Halle wechseln, so etwas gibt es bei uns nicht“, sagt der Vereinsvorsitzende, „wir brauchen deshalb einen Platz, der durchgängig ein Training im Freien erlaubt. Und er darf auch bei einer Dauerbelastung mit 17 Mannschaften nicht schlappmachen. Heißt, es geht nur Hybrid.“

Darüber hinaus führt er finanzielle Zwänge ins Feld, die ebenfalls gegen eine Kombi aus Kunststoff und Rasen sprechen. Der SV Hönisch hat eine Selbstbeteiligung von 60.000 Euro, aufteilbar auf zehn Jahre, übernommen. „Wir planen ein Patenschaftsmodell“, sagt Wolfgang Zehl, „der neue Platz wird in 5000 Felder aufgeteilt, Vereinsmitglieder und Sponsoren können für 25 Euro Pate eines dieser Quadratmeter werden.“

Die Namen aller Spender würden auf einer Liste im Sportplatz-Eingangsbereich verewigt. Erste Gespräche seien erfolgverheißend verlaufen. „Für die komplette Mittellinie haben wir einen ernsthaften Interessenten.“

Pferdefuß allerdings, so Zehl: „Bisher war die Rede von einer strapazierfähigen Lösung. Dafür haben wir Unterstützer. Wird es eine Variante, die keinen Dauerbetrieb garantiert, können wir die hohe Eigenbeteiligung dem SVH-Freundeskreis nur sehr schwer schmackhaft machen.“ Die 60.000 Euro, die dem Anteil des FC Verden am Saumurplatz entsprächen, seien deshalb nur für Kunstrasen zugesagt, allenfalls noch für Hybrid, nicht aber für Rasen.

Trotz der Hängepartie bewertet Verdens Stadtpolitik die Grundsatzentscheidung für den neuen Sportplatz schon mal sehr positiv. „Damit bleibt das Aller-Weser-Dreieck auch im Sport attraktiv“, sagt Hönischs Ortsbürgermeister Wolf Hertz-Kleptow (CDU). „Hier bauen viele Familien, die Kinder finden ein gutes Umfeld“, ergänzt Döhlbergen-Hutbergens Ortsbürgermeister Wolfgang Hammer (SPD). Und auch die Grünen fremdeln nicht wirklich mit den Hönischer Plänen. Bärbel Rater: „Eine sehr gute Maßnahme. Allerdings sollte damit kein Anstoß für alle Vereine gegeben sein. Es geht hier immer noch um Kunstrasen.“

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