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Tierische Motoren der Industrialisierung

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Viele Pferdefuhrwerke auf Großstadtstraße.
Geordnetes Chaos: Ohne Pferde gab es um 1900 in den Städten keine Mobilität und keinen Warentransport. © Zugpferdemuseum Lütau

Die erste Eisenbahn dampfte durch die Städte, später kamen die ersten Lastwagen. Dennoch genoss das Pferd eine wichtige Rolle als Zugmittel in den Städten. Davon erzählt eine neue Ausstellung im Deutschen Pferdemuseum in Verden. 

Verden – „Großstadtpferde – Tierischer Motor der Städte um 1900“ lautet der Titel der aktuellen Sonderausstellung, die bis zum 31. Oktober im Deutschen Pferdemuseum (DPM) am Holzmarkt in Verden zu sehen ist. Sie nimmt „die Museumsgäste mit ins städtische Leben zu Zeiten der Industrialisierung und zeigt auf, welche bedeutende Rolle das Pferd trotz wachsender Motorisierung noch einnahm“, schreibt das DPM-Team in seinem Bericht.

Konzipiert wurde die Ausstellung von Jürgen Hagenkötter im Auftrag des DPM. Er leitet das Zugpferdemuseum in schleswig-holsteinischen Lütau. Vor dort stammen auch zahlreiche der nun in Verden ausgestellten Fotografien und Exponate. Sie veranschaulichen eindrucksvoll die große Bedeutung des Pferdes für die Mobilität der Menschen und die Industrialisierung.

7. Dezember 1835, Nürnberg – Fürth: Unter großem Beifall macht sich der Adler, die erste Dampflokomotive in Deutschland, bereit zur Abfahrt. Am Nürnberger Ludwigsbahnhof ertönt ein Kanonenschuss und die neue Technik kommt ins Rollen. Die Ära der pferdebespannten Mobilität scheint damit in naher Zukunft beendet zu sein.

Die Industrialisierung kam in Fahrt. Überall in den Städten entstanden Betriebe. Die Vielfalt der produzierten Waren reichte vom einfachen Haushaltsgerät bis zu tonnenschweren Maschinen. Von Produkten für den Tante-Emma-Laden bis zur Glocke des Big Ben oder dem Anker der Titanic: Alle Erzeugnisse mussten zu den Kunden gebracht werden.

Aber die sich neu entwickelnden Transport- und Logistiksysteme, das heißt, die schienengebundene Mobilität der Eisenbahn, wie auch die Verbrennungs- und Elektromotoren in Kraftfahrzeugen, waren darauf zunächst nicht ausgelegt. Die Eisenbahn verband in rasch zunehmendem Maße lediglich die Langstrecke, aber nicht die Fläche. Der „Lastwagen“ war teuer und in den Anfängen zu wenig leistungsstark. Ging es um Ladungen von mehreren Tonnen, waren weiterhin die starken Pferde gefordert – und dies in explodierenden Dimensionen. „Millionen von ihnen arbeiteten um 1900 in urbanen Räumen. Und mehrstöckige Stallungen für viele Hundert Pferde inmitten der Städte waren keine Seltenheit“, heißt es in dem DPM-Bericht.

Auch Polizei, Feuerwehr und Rettungswesen bauten auf die tierischen PS. Gleiches galt für den Personennahverkehr mit Pferdeomnibussen, -straßenbahnen oder unzähligen Pferde-Taxen. Pferde bildeten zudem den Motor der Kommunikation, denn der verlässliche Einsatz von Post-Pferden machte mehrmals täglich die Zustellung von Briefen und Paketen in der Stadt möglich.

Es herrschte mächtig Betrieb auf den Straßen der Großstädte zu dieser Zeit… Doch wie funktionierte das Zusammenleben von Mensch und Pferd im dicht besiedelten städtischen Raum? Gab es Verkehrsregeln? Und wie stand es um den Tierschutz? Auch dem wird in der Ausstellung nachgegangen.

Die Sonderausstellung

ist bis zum 31. Oktober Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, im Deutschen Pferdemuseum zu sehen. Mehr Infos unter www.dpm-verden.de.

Pferde an Kai-Anlage.
Auch im Hafen von New York kamen Pferde zum Einsatz. Hier eine Aufnahme von 1905. © Zugpferdemuseum Lütau

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