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Wie die Stadt Verden die Innenstadt zukunftsfähig macht

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Von: Heinrich Kracke

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Die Stadt Verden pumpt weiterhin einen Millionenbetrag in den Erhalt der Innenstadt. Jüngste Beispiele sind ein Online-Marktplatz und ein digitaler Einkaufsgutschein, die auf den Weg gebracht werden sollen.

Die Fußgängerzone auf der Großen Straße in Verden.
Online-Marktplatz, digitaler Einkaufsgutschein, einheitliches Zahlsystem: Auch in Sachen neuer Medien will die Stadt Verden sowohl dem Einzelhandel als auch der Gastronomie in Fußgängerzone zur Seite stehen. © Kracke

Verden – Größtes Projekt für die Fußgängerzone ist aktuell ein Antrag auf fast vier Millionen Euro aus Brüssel für einen krisensicheren Erhalt von Fußgängerzone und Co. Die Bemühungen gehen offenbar nicht ins Leere. Um der Antragsflut von Geschäftsinhabern und Eigentümern von Innenstadt-Immobilien Herr zu werden, ist im Rathaus das Personal aufgestockt worden.

Vergleichsweise bescheidene 20 000 Euro stehen für die ersten Schritte zur digitalen Innenstadt zur Verfügung. Einem Antrag des inzwischen ausgeschiedenen Ratsherrn Ingo Neumann folgend, ist eine Online-Plattform, am Ende ein digitaler Einkaufsgutschein, möglichst auch ein Weg zu einem einheitlichen digitalen Bezahlen geplant. „Alles Maßnahmen, die in analoger Form etabliert sind, aber wir wollen eben auch auf Dauer die Kaufkraft in Verden halten“, sagt Angelika Revermann aus dem Rathaus.

Erste belastbare Erkenntnisse über den Online-Zustand der Verdener Innenstadt lieferte eine Auswertung des bundesweit tätigen Handelsberaters Cima. Ergebnis, so Revermann: „Die aktuellen Onlineaktivitäten des Verdener Einzelhandels fallen höchst unterschiedlich aus. Einige sind über Dachorganisationen auf digitalen Märkten unterwegs, der komplette Buchhandel zum Beispiel oder Anbieter von Spielwaren. Andere versuchen es mit eigenen Angeboten. Alles gar nicht so schlecht, aber vieles noch mit Luft nach oben.“ Eines habe die Expertise allerdings auch ans Licht gebracht: „Einen digitalen Leerstand gibt es in Verden nicht.“

Unklar ist noch, wie die Resonanz aus dem Verdener Handel zu bewerten ist. Ein knappes Dutzend Firmenchefs aus Geschäften und Gastronomie hatte sich laut Revermann zum harten Kern digitaler Workshops zusammengefunden. Zu wenig, um darauf aufbauen zu können? Die Leiterin der Bereiche Stadtmarketing und Tourismus relativiert. „Einzelhandelsketten sind stark in Verden vertreten, sie engagieren sich nicht in lokalen Digitalisierungsprozessen.“

Deshalb sei die Zahl der aktuellen Teilnehmer ein guter Anfang, der ausgebaut werde. Aktuell würde gemeinsam auch mit dem Kaufmännischen Verein der Bedarf an Software abgeklopft. Auch digitale Zahlungssysteme würden geprüft. Zudem sind digitale Fortbildungen geplant. „Da stehen wir noch am Anfang.“

Programm „resiliente Innenstädte

Aktuell laufen Förderprogramme mit einem Volumen von deutlich mehr als einer Million Euro bis zum Frühjahr des nächsten Jahres. Der ganz dicke Happen aber befindet sich noch in der Schwebe. Knapp vier Millionen Euro setzt Brüssel für das Programm „resiliente Innenstädte“ aus. Wer daran teilnehmen will, muss zusätzlich rund 2,6 Millionen selbst aufbringen. Die Stadt Verden will das, wie die Kommunalpolitik einstimmig erklärte.

Der zweite Schritt ist schwieriger. Erstens umfasst allein die Bedienungsleitung fünf Seiten, auf denen haarklein beschrieben ist, was in dem Förderantrag zu stehen hat. Und zweitens kommen nicht alle, die sich über das niedersächsische Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten auf den Weg zu den Brüsseler Geldquellen machen, in den Genuss der Millionen.

Die Konkurrenz unter den Sstädten ist groß

Allein im Großraum Lüneburg kommen zwei Oberzentren und 18 Mittelzentren in Frage, darunter größere Kaliber wie Lüneburg und Celle. Aber nicht mal jeder Dritte gewinnt. Eine Jury filtert sechs Städte heraus, die ab Sommer dieses Jahres und dann fünf Jahre lang aus dem Budget von fast sieben Millionen Euro schöpfen dürfen. „Wir arbeiten gegenwärtig an dem Förderantrag“, sagt Birgit Koröde vom Fachbereich Stadtentwicklung.

Schon jetzt ist klar, es werden längst nicht alle 20 Städte die Fühler nach europäischen Geldern ausstrecken. Streitthema sind die zweieinhalb Millionen Euro, die die jeweilige Kommune selbst investieren müsste. Aus dem Kreis Verden käme auch Achim in Frage. Als das Thema im dortigen Rathaus auf den Tisch kam, entbrannte eine heiße Debatte um genau diesen Eigenanteil. Entschieden ist zwar noch nichts, aber Achim wäre anders als viele Kommunen aus den anderen Teilen des ehemaligen Bezirks Lüneburg finanziell noch in den Lage, den Betrag zu berappen.

Ziel des Programms ist es, die jeweiligen Städte krisenfester zu machen, speziell deren Innenstädte. Wo förderte die Pandemie Schwächen ans Licht? Wo war die jeweilige Stadt womöglich zu einseitig aufgestellt? Diese Punkte sollen mit großem Aufwand zukunftsfähig gemacht werden.

Von Heinrich Kracke

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