Er floh aus zwei Ländern vor dem Krieg

Karam Yazidkhan: „Verden ist meine Heimat“

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Karam Yazidkhan und Ludmilla Engelmann sind ein Herz und eine Seele.

Verden - Krieg und Gewalt haben den gebürtigen Iraner Karam Yazidkhan (20) bereits zweimal gezwungen, ein Land zu verlassen. Seit acht Jahren lebt er mittlerweile in Deutschland, davon sechs Jahre in Verden. Hier fühlt er sich sehr wohl und betrachtet die Allerstadt längst als seine Heimat. „Hier möchte ich für immer leben“, wünscht sich der junge Mann.

Als Kind floh Karam 2003 mit seinen Eltern und seinen beiden älteren Schwestern vor dem Irakkrieg nach Syrien. Hier lebte die Familie für sieben Jahre. Kurz bevor es als Folge des „arabischen Frühlings“ zum Bürgerkrieg kam, gelang Familie Yazidkhan die Flucht nach Deutschland. „Es ist traurig, wenn man sieht, dass wieder ein Land zerstört wird“, sagt Karam bedrückt.

Bevor sie nach Verden kamen, lebten die Yazidkhans in Langwedel, Dörverden und Bremen-Farge. In Langwedel und Dörverden hat Karam immer noch guten Kontakt zu Freunden. „Verden ist mein Lieblingsort. Hier habe ich die Schule besucht und feste Freunde gefunden. Hier ist es so schön ruhig und friedlich, auch Familien können hier gut leben“, findet Karam. Heimat sei da, wo der Mensch sich wohlfühlt. „Meine Heimat ist Verden.“

„Niemand verlässt seine Heimat ohne Not“

Natürlich gebe es auch hier manchmal fremdenfeindliche Äußerungen. Dann sucht er das Gespräch und versucht, mit Humor und Geduld zu erklären, warum die Menschen geflohen sind. „Niemand verlässt seine Heimat ohne Not. Jeder hat sein Schicksal, Krieg oder politische Verfolgung. Viele verstehen es dann auch“, erzählt Yazidkhan.

Seine Zukunft hat der ehrgeizige und intelligente junge Mann fest im Blick. Nach dem Hauptschulabschluss an der Klaus-Störtebeker-Schule arbeitete er an der Kreisvolkshochschule an seinem Realschulabschluss. Den hat er jetzt in der Tasche und er besucht eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme an der Deutschen Angestellten Akademie.

Traumberuf Polizist

Karams Traumberuf ist Polizist, eine Bewerbung läuft gerade. Der junge Mann hofft sehr, dass es klappt. „Ich möchte gern anderen helfen. Dabei sind meine Sprachkenntnisse bestimmt von Vorteil“, sagt er. Karam spricht fließend Kurdisch, Arabisch, Englisch und Deutsch. Freunden und Bekannten ist er oft eine große Hilfe beim Übersetzen amtlicher Schreiben.

Privat engagiert sich Karam für junge Geflüchtete als Co-Trainer im Fußball. Hier treffen sich junge Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen. „Ich vermittele ihnen auch die deutsche Sprache und erkläre, dass sie bessere Chancen haben, wenn sie die Sprache beherrschen“, erzählt er. Er findet es wichtig, dass sich die Bevölkerungsgruppen nicht abgrenzen, sondern ihre Kulturen gegenseitig kennenlernen.

„Man gibt und nimmt“

Dass Karam jetzt etwas zurückgeben möchte, liegt auch daran, dass er selbst viel Unterstützung erfahren hat. Mit 13 Jahren lernte er die Verdenerin Ludmilla Engelmann kennen. Die Schule hatte die engagierte Seniorin an ihn als Nachhilfelehrerin vermittelt. „Zunächst mussten wir uns aneinander gewöhnen, aber jetzt sind wir wie eine Familie“, sagt Engelmann.

Anstatt mit Karam stur nach Lehrbuch die Sprache zu pauken, gab sie ihm Anschauungsunterricht im nahe gelegenen Wald. „Das ist doch viel interessanter und das hat mir auch selbst sehr viel Freude gemacht“, lächelt sie. Die Bücherfreundin deckte ihren Schützling zudem mit deutscher Literatur ein und empfahl ihm Philosophen.

„Ich habe über meine Kultur gesprochen und sie über ihre. Wir haben einfach zusammengepasst“, erinnert sich Karam. „Man gibt und nimmt“, bestätigt Ludmilla Engelmann. „Ludmilla liebt unsere arabischen Gerichte“, verrät Karam augenzwinkernd. Die Rentnerin ist begeistert von der besonderen Vielfalt. „Die arabische Welt hat eine hoch entwickelte Kultur, ist aber ganz anders als unsere.“ 

ahk

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