Ministerin Honé auf Stippvisite

Verden: Nächste 650 000 Euro in die Innenstadt

Drei Leute auf Rathaus-Vorplatz
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Stippvisite beim Erfolgsprojekt: Ministerin Birgit Honé (Mitte) vor dem Innenstadt-Rundgang, hier mit Bürgermeister Lutz Brockmann und der Landtagsabgeordneten Dörte Liebetruth.

Verden – Vor einem Jahr wurde es noch stirnrunzelnd aus der Distanz beäugt, das Testen von leerstehenden Läden, das die Stadt Verden Interessierten ermöglichte. Als erste kleinere Stadt in Niedersachsen. Jetzt nahm Birgit Honé, niedersächsische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, jetzt nahm sie die ersten Ergebnisse vor Ort unter die Lupe.

Und staunte. „Funktioniert ausgezeichnet“, so der Besuch aus Hannover gestern bei einer Stippvisite an der Allermündung.

Wie am Rande bekannt wurde, übernimmt Verden beim Thema Probierstadt nicht nur eine Vorreiterrolle zwischen Harz und Nordsee, man werde auch weiteren interessierten Kommunen gern mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. „Machen wir“, erklärt Bürgermeister Lutz Brockmann auf Nachfrage. Gleichzeitig wurde bekannt, die Förderung für die Verdener Innenstadt wächst von bisher einer halben Million auf künftig 1,15 Millionen Euro.

Sollte sie vor dem Bummel durch die Verdener Fußgängerzone noch nicht überzeugt gewesen sein, nachher war es Birgit Honé auf jeden Fall. Vor dem ehemaligen Fisch Bremer stoppte die illustre Runde, vor einem der einstigen Problemfälle der Stadt, vor dem langjährigen Leerstand. Ingrid Prill öffnete die Tür. Malerin ist sie. Drei Monate testete sie die Möglichkeit eines eigenen Ladens, drei Monate ohne großes finanzielles Risiko und ohne weitere Verpflichtungen. Sie strahlte. Ja, sagt Prill, sie werde die Räumlichkeiten räumen, aber sie mache weiter. Sie eröffne einen eigenen Laden in der Stadt. Das stehe für sie fest.

Für die Ministerin ein nächster Anlass, das Projekt Probierstadt mit den Pop-Up-Stores flächendeckend zu unterstützen, wie sie betonte. Nachdem bisher nur Großstädte auf diese Form der Innenstadt-Belebung angesprungen waren, bekundeten wegen der Verdener Erfahrungen inzwischen auch eine ganze Anzahl mittlerer und kleinerer Kommunen Interesse. „Wir können uns vor Nachfrage kaum retten.“ Zwar ist der Etat von insgesamt 12 Millionen Euro erschöpft, der unter dem Titel Zukunftsräume zusammengefasst war, rund 100 000 Euro davon sind nach Verden geflossen, die Idee aber werde fortgesetzt. „Darüber besteht Einigkeit im Landtag“, so Honé.

Gleichzeitig deutete sie an, die Stadt Verden werde auch von den 117 Millionen Euro profitieren, die landesweit zum Erhalt der Innenstädte ausgesetzt sind. Auf rund 650 000 Euro bezifferte sie den Zuschuss, der an der Allermündung zu erwarten sei. Einschließlich der halben Million, die der Stadtrat bereits für den Verdener Innenstadtfonds freigegeben hat, stehen jetzt 1,15 Millionen zur Verfügung. Erste Ideen liegen bereits vor. In Frage komme beispielsweise ein sogenanntes Co-Working-Space, ein Arbeitsplatz in der Innenstadt mit perfektem Internet-Anschluss, der Firmen oder Einzelpersonen zur Verfügung gestellt wird. Eine ähnliche Einrichtung ist ebenfalls für Thedinghausen angedacht. Zurück gehen diese Vorschläge auf das Kiwi-Netzwerk der Kreativ- und Innovationswirtschaft, das im vergangenen September das Licht der Welt erblickte.

Honé unterstrich allerdings bei der Stippvisite zwischen Dom und Rathaus, ihr sei nicht nur der Zuschuss-Aspekt dieser Projekte wichtig. „Es geht explizit auch darum, Kommunen beratend zu unterstützen und sich mit all diesen Informationen zu vernetzen. Von Einzelerfahrungen können alle profitieren und sie anwenden.“ Sie wies unter anderem auf alternative Verkehrsprojekte hin. Etwa auf eine E-Bike-Initiative mit einem Fahrradhaus am Rande einer Fußgängerzone. „Radler können dort während des Einkaufs die Fahrrad-Akkus aufladen.“

Bürgermeister Brockmann unterstrich, er wisse die Initiative zu schätzen. „Endlich ist mal ein Programm für mittlere Städte angeschoben worden.“ Dafür danke er, mahnte jedoch an: „Das darf keine Eintagsfliege bleiben. Jetzt brauchen wir eine Verstetigung der Förderung mittlerer Städte.“

Zufrieden reagierte auch die Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (SPD). „Das Projekt Zukunftsräume hatte ich schon vor meiner Wahl in meinen roten Rucksack gepackt. Ich bin froh, dass wir immer mehr Unterstützer für Förderprojekte auch des ländlichen Raumes finden.“ Inzwischen sei die Initiative über alle Parteigrenzen hinweg akzeptiert.

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