Bundesverdienstkreuz

Verden: Ex-Masterrindchef geehrt


Zwei lachende Männer
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In gut 30 Jahren aus einer kleinen Zuchtrindererzeugergemeinschaft die Masterrind geformt: Mit dem Bundesverdienstkreuz wurde gestern Dr. Otto-Werner Marquardt (l.) durch Landrat Peter Bohlmann ausgezeichnet.

Verden/Kirchlinteln – Allein die Zahlen sprechen für sich. In den 32 Jahren seiner Zeit als Hauptgeschäftsführer wuchs der Mitarbeiterstamm von 70 auf 650. Die vielleicht wichtigste Dimension seines Handels aber trat erst nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch Landrat Peter Bohlmann gestern in Heitmanns Gasthaus in Kreepen zutage. Dr. Otto-Werner Marquardt ging auf die sogenannten weichen Faktoren seines Wirkens ein. „Am Anfang wurde wir in der Stadt Verden überhaupt nicht wahrgenommen“, sagte er vor Freunden und Wegbegleiter, „erst im Laufe der Zeit änderte sich diese Haltung. Längst ist die Masterrind jetzt ein wichtiger Standortfaktor.“

In der Person Dr. Marquardt verbinde sich der Wissenschaftler mit dem Praktiker, betonte der Landrat in seiner Laudation. „Mit einer außergewöhnlichen Kommunikationsfähigkeit und einem hohen Maß an Sozialkompetenz gelten sie als idealer Netzwerker“, schrieb er dem 76-Jährigen ins Stammbuch. Er selbst sieht es ähnlich, wie er am Rande der Verdienstkreuz-Verleihung verriet. Als er in Verden mit 33 Jahren in die Verantwortung gegangen war, da war es ihm wichtig, sagt Marquardt, auf keinen Fall unter dem Motto aufzutreten, „ich weiß alles“. In teils schwierigem Umfeld mit dem Damoklesschwert der Insolvenz über ihm, „das ist mehrere Male passiert“, in dieser Lage habe er den Mitarbeitern vertraut. „Junge Leute sind es gewesen, sie sprühten vor Engagement, es wäre unklug, sie nicht machen zu lassen.“

Eine Strategie, die aufgegangen ist, heute wahrscheinlich immer noch aufgehen würde. „Ich habe ihnen Vertrauen geschenkt, sie haben es genutzt.“ Nicht irgendwie jeder in seine Richtung, und am Ende läuft alles auseinander, sondern schon sehr koordiniert, und sehr genau von allen und mit allen beobachtet. „Im Grunde genügte mir eine kleine Rolle“, sagt Marquardt, er legt dazu sein gewinnendes Lächeln auf, das auch gut zehn Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Chefsessel an der Lindhooper Straße geblieben ist, „im Grunde war ich ein Herzschrittmacher. Wenn irgendwas ein bisschen klapperte, sprang ich an.“

Eine Rolle, eine Aufgabe, auf die er nie so richtig hingesteuert hatte. „Ich muss zugeben, vieles in meinem Leben war dem Zufall geschuldet, und vieles dem glücklichen Umstand, mehrere Förderer hinter mir zu wissen.“ Und tatsächlich, es hätte alles anders kommen können. Er war der Älteste auf dem Hof nahe Bad Bevensens in der Heide, normalerweise übernehmen die Erstgeborenen das Anwesen. Das war hier aus mehreren Gründen anders.

Er lernte seine spätere Ehefrau Dorothea in Celle kennen, beide in der landwirtschaftlichen Ausbildung, was auch schon wieder einen Weg vorbeschrieben hatte, der nicht unbedingt auf ein Studium in Göttingen hinausläuft. Lief er aber. Und von dort führte dieser Weg ins Landwirtschaftsministerium in Hannover. Verden ist da immer noch weit. „Die erste Berührung mit der Stadt an der Allermündung hatte ich mit einem Praktikum im Rechenzentrum.“

Allerdings sei es der Aufbau der Masterrind zum größten zusammenhängenden Zuchtgebiet für Holsteinrinder in Deutschland nicht allein, und auch nicht die Führung der Zuchtorganisation mit den meisten Mitgliedern bundesweit, so Landrat Bohlmann, mit der sich Marquardt für eine Auszeichnung wie das Bundesverdienstkreuz empfohlen habe. Nach seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben habe er knapp ein Jahrzehnt als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde gewirkt. Bohlmann: „Dieses langjährige ehrenamtliche Engagement galt der unabhängigen Förderung der Nutztierwissenschaften. Besonders wichtig waren ihnen, wie es eine Würdigung der DGfZ zusammenfasst, zukunftsweisende Anliegen, wie der Klimawandel, das Tierwohl, die Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration, neue Züchtungstechniken, die Zukunft der Milchkuhhaltung, die Biodiversität sowie die tiergenetischen Ressourcen.“ Als Ehrenpräsident strahle sein Engagement weiter aus, so Bohlmann. Allerdings lasse sich das Wirken Marquardts auch in weniger Worten auf den Punkt bringen: „Das Glas ist halbvoll – diesem Motto folgen sie durchs Leben.“

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