Der Meister des Marktes

Domweih-Marktmeister Rüdiger Nodorp kennt jeden Gully-Deckel in der Innenstadt 

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Marktmeister Rüdiger Nodorp ist zuständig für die Planung und Durchführung des Stadtfestes.

Verden - Von Petra Schlemm - Nach der Domweih ist vor der Domweih für den Marktmeister Rüdiger Nodorp. Der Fachbereichsleiter für Sicherheit und Ordnung der Stadt Verden ist seit 18 Jahren zuständig für Planung und Durchführung des Stadtfestes, das als das älteste in Norddeutschland gilt. „Da fließt eine Menge Herzblut rein“, fasst Nodorp zusammen.

Wenn am 2. Juni, der große bunte Domweih-Umzug die offizielle Eröffnung einleitet, dann hat der Marktmeister schon ein ganzes Jahr Arbeit in das Fest gesteckt, und spätestens seit Dienstag, als die Straßensperrungen eingerichtet wurden, läuft er auf Hochtouren. 150 Aussteller auf einer Fläche von vier Fußballfeldern zu verteilen – größer ist der Festbereich in der Innenstadt nicht – das verlangt Maßarbeit. „Ich kenne den Platz so gut, dass ich weiß, was wo geht“, sagt Rüdiger Nodorp.

150 Aussteller – vom größten Fahrgeschäft bis zur kleinsten Zuckerwatte-Bude – sind übrig geblieben aus 900 Bewerbungen, die bis zum 31. Oktober bei ihm im Büro eingegangen sind. Daraus hat der Marktmeister einen Vorschlag zusammengestellt, den der Marktausschuss dann gesichtet hat. Die sieben Ratsmitglieder haben die gleiche Meßlatte angelegt wie Rüdiger Nodorp. „Vielseitig und attraktiv soll die Domweih sein.“ Der Verwaltungsausschuss hat darüber schließlich in nicht-öffentlicher Beratung die letzte Entscheidung gefällt.

„Auf der Domweih gibt es keine Erbhöfe. Es wird jedes Jahr neu entschieden“, unterstreicht Nodorp. Gerade bei den Großgeschäften ist ein Wechsel angestrebt, damit der Markt interessant bleibt. Bis Weihnachten hat der Marktmeister alle Zulassungsbescheinigungen schriftlich ausgestellt und den Ausstellern zukommen lassen. „Die Schausteller haben ja auch eine Jahresplanung.“ Der Januar ist dann vergangen mit der Aussendung von 750 Absagen. Das passt nicht allen Abgeblitzten. Auch in diesem Jahr läuft eine Klage am Verwaltungsgericht, die Nodorp aber gelassen abwartet. „Bis jetzt hat es noch niemand geschafft sich auf die Domweih zu klagen. Das ist das beste Zeichen, dass wir uns eine Entscheidung nie leicht machen.“

Seit März laufen die konkreten Vorbereitungen, zunächst mit Anpassung und Aktualisierung des Sicherheitskonzeptes, das von Jahr zu Jahr weiter ausgefeilt wird. Dazu beraten Polizei und Feuerwehr mit dem Deutschen Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk und den Johannitern. „Erst auf dem Papier, dann draußen“, fasst Rüdiger Nodorp zusammen. Die Marktbesucher bemerken davon vermutlich nur zwei Dinge. Unübersehbar sind die Betonwände, die zum Teil per Großkran angeliefert wurden und im Kleinen die vierstelligen Nummern, die jeder Aussteller sichtbar anbringen muss. Die Ziffern sind hinterlegt mit einer genauen Ortsbezeichnung, sodass es in Notfällen keine Missverständnisse geben kann, wo Helfer gebraucht werden. Baustellen – in diesem Jahr die Bahnhofstraße – bereiten Kopfzerbrechen. „Manche betrachten die Domweih als Verkehrsbehinderung, aber die Allermeisten sehen die Festtage positiv.“ Am Dienstag vor dem Ausnahmezustand wurden die Straßensperren aktiv, am Mittwoch begann die Standverteilung und ab Donnerstag wurde gebaut.

Neun Großgeschäfte und sechs Kinderfahrgeschäfte bilden Gerüst der Domweih

Neun Großgeschäfte und sechs Kinderfahrgeschäfte sind das Gerüst der Domweih. Rüdiger Nodorp hat die Bewerbungsmappen studiert und kennt genau den Platzbedarf der Schausteller mit ihren zum Teil hochkomplizierten Aufbauten. Und er weiß, wo Bäume, Laternenpfähle oder Gully-Deckel zu beachten sind, damit auch Überflieger nirgends anstoßen. Dazwischen werden die „Tankstellen“ positioniert. Sieben heimische und drei reisende Gastwirte helfen bei der Durstlöschung. Exotische Cocktails mit oder ohne „Umdrehungen“ werden immer mehr gefragt. „Aber Bier bleibt das Hauptgeschäft“, ist Nodorp ganz sicher. Das gastronomische Angebot umfasst die ganze Bandbreite von Aal bis Zuckerwatte. Neu im Angebot sind Bio-Produkte. „Das ist Trend in der Branche“, weiß Nodorp, und die Domweih schließt sich da nicht aus. Der Pöttjer-Markt in der Großen Straße bietet Bewährtes und Neues gleichermaßen.

Überhaupt ist das die Kunst: Tradition erhalten und Erwartungen bedienen und dazu Neues einführen, damit die Domweih auch in ihrer 1033. Ausgabe nicht langweilig wird. Dafür setzt sich der Marktmeister rund ums Jahr und jetzt auch noch rund um die Uhr tatkräftig ein: „Länger als von 2 bis 8 Uhr morgens bin ich nicht zu Hause“, verrät der Marktmeister. Aber die Faszination des Festes wiegt das alles auf. „So ist es mir von Anfang an ergangen.“

Und Mitte Juli – das weiß er jetzt schon – werden die Daten der Domweih 2019 veröffentlicht: Sie findet vom 1. bis 6. Juni statt. Denn: Nach der Domweih ist vor der Domweih. Und die Verdener wissen es: Immer am Samstag vor dem ersten Montag im Juni beginnen die tollen Tage rund um den Dom.

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