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Lastenräder: In der Kernstadt stoßen sie an Grenzen

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Von: Heinrich Kracke

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Drei Männer, zwei mit Fahrrad.
Joshua Barek Schafi (Mitte) und Hendrik Jechlitschek überführten das Lastenrad gestern nach Ottersberg, begleitet von den besten Wünschen Bürgermeister Lutz Brockmanns. © Kracke

Verdener testeten drei Monate neues Transportgefährt. Die meisten stiegen mit einem breiten Lächeln aus dem Sattel.

Verden – Als die Stunde des Abschieds gestern Mittag gekommen war, des Verdener Abschieds vom Lastenfahrrad, da konnte Joshua Barek Schafi zwei Feststellungen treffen. Erstens, es hatte aufgehört zu regnen, was die Fahrt mit einem solchen Gerät erst angenehm macht, und zweitens, zumindest in Verden ist das Interesse an solchen Fortbewegungsmitteln ungebrochen. „Es war über die gesamten drei Monate ausgebucht“, so Schafi. Die Testergebnisse indes sind nicht dokumentiert. Einige Reaktionen bekamen die Mitarbeiterinnen der Verdener Touristinformation dennoch frei Haus geliefert, dort, wo das Lastenrad angenommen und wieder neu übergeben wurde. „Die Leute reagierten begeistert“, sagt etwa Annkathrin Sommer, „sie stiegen mit einem breiten Lächeln aus dem Sattel.“

Die Ladefläche des Lastenrades ist mit zwei kleinen Bänken versehen. Bis zu vier Kinder haben hier also Platz. Und sie kommen trockenen Fußes ans Ziel, dank eines Daches und einer seitlichen Zeltplane. Der Fahrer indes muss auf gutes Wetter vertrauen. Oder auf seine Schnelligkeit. Ein durchzugskräftiger E-Motor und ein gut dimensionierter Akku verleihen ihm Rückenwind. Getestet wurde das Rad von Anfang Mai bis Ende August in allen Bereichen Verdens, in den Ortschaften genauso wie in der Kernstadt. Mit seinem Drei-Räder-Prinzip, zwei davon unter der Ladefläche, verleiht es einerseits dem eher noch ungeübten Nutzer Sicherheit, macht es andererseits aber auch komplizierter. „Die Fahrt über Kopfsteinpflaster oder auf Sandwegen, dann die Touren auf den Innenstadt-Radwegen, wo es meist eng zugeht, diese Bedingungen erschwerten den Einsatz des Lastenrades“, hieß es in stichprobenartigen Reaktionen.

An die 40 Tester waren es, die sich an den ungewöhnlich dimensionierten Untersatz in Verden herantrauten. „Die meisten gehörten der mittleren Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren an“, stellte etwa Anja Hildebrandt aus der Touristinformation fest. Für sie überraschend, nicht etwa die jungen Familien befanden sich in der Überzahl, jene, die vielleicht auf den Zweitwagen zu verzichten gedenken, und dennoch Kinder transportieren müssen, nein, sämtliche Bevölkerungsgruppen liebäugeln mit Lastenrädern. „Zu den unterschiedlichsten Zwecken wurde es gebucht.“ Lediglich eine einzige Panne ist dokumentiert. Ein Reifenschaden, der freilich schnell wieder behoben war.

Sozusagen als E-Bikesharing stand es den Verdenern zur Verfügung, kostenlos sogar. Auszubildende in den Rathäusern in Verden und Ottersberg entwickelten das Projekt, unterstützt von der Klimaschutzagentur KleVer. Gesponsert wurde das Rad schließlich von der Metropolregion Nordwest. Nach der Stippvisite in Verden steht es jetzt drei Monate in Ottersberg zur Verfügung, ehe sich für das kommende Jahr weitere Städte und Gemeinden bewerben können.

Begleitet wurde KleVer-Bufdi Schafi gestern auf seinem Weg von Verden zur Übergabe nach Ottersberg von Hendrik Jechlitschek, ebenfalls von der Verdener Klimaschutzagentur. Unter anderem als ehemaliger Fahrradkurier hat er bereits eine Meinung zu den unterschiedlichen Lastenrad-Versionen gebildet. „Gut möglich, dass die dreirädrigen Gefährte mehr Sicherheit bieten. Aber für den täglichen Betrieb etwa bei Fahrradkurieren darf es dann doch eine deutlich windschnittigere Variante sein. Am besten eine mit nur zwei Rädern.“

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