Langwedeler will Station im Landkreis einrichten

Drittes Impfzentrum für den Landkreis Verden: „Ich bleibe am Ball“

Ein Mann steht an der Eingangstür zu einem Corona-Testzentrum.
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Kann bereits Erfahrung mit mehreren Testzentren vorweisen: Jetzt will Oliver Bender (Bild) mit einer dritten Impflinie im Landkreis helfen. „Die Warterei muss ja nicht sein“, sagt er.

„Fachpersonal und einen Standort habe ich schon gefunden“, berichtet der Oliver Bender. Er will ein Impfzentrum eröffnen und mit einem privaten Angebot die Impfkampagne voranbringen. An den Start gegangen ist er immer noch nicht. „Ich fühle mich etwas ausgebremst.“

Verden/Langwedel – Die langen Schlangen vor dem Impfzentrum in Posthausen, die wenigen Termine für die stationäre Impfstelle in Verden, und dann eine Inzidenz, die in Niedersachsen Höchstwerte erreicht – da muss geholfen werden. Zu diesem Schluss kam Testzentrum-Betreiber Oliver Bender bereits Anfang Dezember. Ein zusätzliches Impfzentrum schwebte ihm vor, eines auf halber Strecke zwischen Verden und Achim.

Völlig abwegig ist die Idee nicht. Zwar herrscht in der Kreisverwaltung die Einschätzung vor, es könne halt nicht jedermann fix mal irgendwo eine medizinisch und bürokratisch anspruchsvolle Impfstraße in die Landschaft pflanzen, wie es auf Nachfrage hieß, andererseits beginnen die hohen Hürden zu bröckeln. Auch Tierärzte und Apotheker werden bundesweit bereits für den Piks, der Schutz bietet und Leben rettet, ins Spiel gebracht.

Bender habe ganz konventionell vorgehen wollen, erklärt er. Er setze auf ausgebildete Allgemeinmediziner, auf Fachpersonal mit Erfahrung beispielsweise aus dem Verdener Impfzentrum. Zwei Ärzte stünden zur Verfügung. „Beides in den Ruhestand gegangene Hausärzte.“ Damit unterscheide man sich in keiner Weise von der typischen Praxis, in der seit geraumer Zeit ja auch Impfungen vorgenommen würden.

Es scheitert an der Zuteilung von genügen Impfstoff

Und dennoch scheiterte er. „Letztendlich ging es um die Zuteilung von Impfdosen“, so Bender, „ein paar wenige hätte ich haben können, aber das reicht nicht, um ein Impfzentrum aufrecht zu erhalten.“ Er habe sich an die Kassenärztliche Vereinigung, an die Kreisverwaltung, an die Politik gewandt. Überall habe er Verständnis gefunden, helfen konnte ihm keiner.

„Es trifft schon zu, der Impfstoff von Biontech ist seit Wochen budgetiert“, sagt Michael Schmitz von der Kassenärztlichen Vereinigung. Moderna indes sei unbegrenzt bestellbar, aber auch hier sei es zu Engpässen gekommen. „Zuletzt zumindest kamen immer wieder reduzierte Lieferungen an.“ Weshalb vor diesem Hintergrund auf Bundesebene Veterinärmediziner oder Apotheker für Impfungen ins Spiel gebracht wurden, das erschließe sich ihm nicht. „Es suggeriert, es fehle an Personal. Aber das ist zum Glück nicht der Fall. Es fehlt an Impfstoff. In diesem Punkt leben wir von der Hand in den Mund.“

Impfrekorde immer wieder überboten

Trotz der Beschränkungen, so Schmitz, würden andererseits jede Woche neue Impfrekorde aufgestellt. In der letzten Novemberwoche seien in den Arztpraxen niedersachsenweit noch 290 000 Dosen verabreicht worden, anschließend stiegen die Zahlen um bis zu 100 000 pro Woche auf zuletzt 560 000. Aber auch dieser Rekord sei etwa vergangenen Montag schon wieder um 20 000 überboten worden. Zwar sei das Impftempo rasant, so Schmitz, dennoch hätten noch mehr Menschen geschützt werden können. „Wir stellen in den Praxen zunehmend fest, langfristig bestätigte Termine werden nicht wahrgenommen.“ Es sei ja gut für den einzelnen, habe er irgendwo eine noch frühere Impfung ergattern können, aber dann sei es nur fair, den späteren Termin wieder freizugeben. „Anruf genügt.“

Oliver Bender will nicht aufgeben: „Ich bleibe am Ball.“

Oliver Bender indes will nicht aufgeben. „Ich bleibe am Ball.“ Schließlich verkürzten sich die Impfabstände, aktuell liegen sie bei drei Monaten, der Bedarf sei also da. Erfahrungen mit der Pandemie sammelte er anderthalb Jahre ausreichend gesammelt. Inzwischen betreibt Bender nicht weniger als sechs Testzentren, und dies in Etelsen, Dörverden, Baden, zweimal in Thedinghausen und in Bruchhausen-Vilsen.

Schon nach dem ersten Corona-Ausbruch im vergangenen Jahr hatte er die ganze Wucht zu spüren bekommen. Der Rettungsassistent konnte die Erste-Hilfe-Kurse, mit denen er seit anderthalb Jahrzehnten seinen Lebensunterhalt verdiente, nicht mehr durchführen. Das Einkommen, das er damit über seine Firma help2do erwirtschaftet hatte, brach weg. Mit zwei Testzentren begann seine Neuausrichtung.

Von Heinrich Kracke

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