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Verdener Klinikaltbau wird saniert: Bessere Kardiologie, bessere Geburtshilfe

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Von: Heinrich Kracke

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Tritt aus dem Schatten des Neubaus (vorn Mitte) heraus: Der Klinik-Altbau, dessen Sanierung erste Konturen gewinnt.
Tritt aus dem Schatten des Neubaus (vorn Mitte) heraus: Der Klinik-Altbau, dessen Sanierung erste Konturen gewinnt. © Kracke

Die Sanierung des Verdener Klinikaltbaus gewinnt Konturen. Ein erneut millionenschweres Projekt.

Verden – Verwinkelte Flure mit Irrgarten-Charakter, große Zimmer und die Toiletten auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges, dieser Charme vergangener Jahrzehnte wird im Verdener Krankenhaus auf absehbare Zeit zu Ende gehen. Neben dem Klinik-Neubau ist jetzt auch die Sanierung des Alt-Hospitals auf den Weg durch die Instanzen gebracht. Konkret geht es um den ersten Schritt, um die sogenannte baufachliche Prüfung, die das zuständige Landesamt vornehmen will.

Kalkuliert ist die Sanierung mit insgesamt 25 Millionen Euro. Dabei sei unter anderem an Verbesserungen für die Geburtshilfe, die Intensivmedizin, die Kardiologie gedacht, langfristig auch eine Erhöhung der Bettenkapazität. Das bestätigt Klinik-Geschäftsführerin Marianne Baehr auf Nachfrage. In zwei Jahren solle die Sanierung des Altbaus beginnen.

Zunächst gehe es um Klarheit bei den Baukosten. Bisher beruhten die Summen auf groben Schätzungen des Neubau-Architekturbüros. Jetzt begebe man sich ins Detail. „Aktuell sind die Architektur-Leistungen ausgeschrieben, wir befinden uns mitten im Vergabeverfahren“, so Baehr. Anschließend würden alle angedachten Maßnahmen in enger Absprache mit dem Niedersächsischen Landesamt für Bau und Liegenschaften (NLBL) abgesprochen.

Und angedacht ist eine ganze Menge. In Sachen Geburtshilfe zum Beispiel. Noch liegt der Kreißsaal in der dritten Etage. Künftig soll er in der zweiten Etage und damit auf gleicher Ebene mit dem OP-Geschoss des Neubaus residieren. „Sensibel ist der Zeitabschnitt zwischen Kaiserschnitt und der vorherigen ärztlichen Entscheidung. Maximal dürfen 20 Minuten verstreichen. Bei uns sind es höchstens zehn Minuten. Das ist gut. Aber es geht noch besser – mit kürzeren Wegen zum Beispiel“, so Baehr. Ein weiteres Augenmerk gilt dem nächsten Zugpferd der Verdener Klinik, der Kardiologie. „Wir wollen auch künftig die medizinischen Neuerungen integrieren können. Dafür brauchen wir Platz.“ Aufzuwerten sei zudem die Intensivmedizin. „Patienten, die nicht kontinuierlich behandelt, aber trotzdem überwacht werden müssen, werden hier zusammengefasst.“ Intermediate Care heißt diese Abteilung, ein Mittelding zwischen Intensiv- und Normalstation.

Bestätigt wird der Startschuss für die Altbau-Sanierung inzwischen auch von der Landespolitik. „Der Krankenhaus-Planungsausschuss hat sich dafür ausgesprochen, die vorrangige baufachliche Prüfung vornehmen zu lassen. Darin wird von einer voraussichtlichen Fördersumme des Landes in Höhe von 25 Millionen Euro ausgegangen“, teilt die Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (SPD) mit. Festgeschrieben sei diese Summe allerdings nicht. Liebetruth: „Am Ende der Prüfung werden die förderfähigen Kosten festgestellt. Auf dieser Basis kann der Krankenhaus-Planungsausschuss dann darüber beraten, in welcher Höhe eine Investitionsförderung des Landes für das entsprechende Krankenhaus-Projekt bereitgestellt werden kann.“

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. „Erstmal wollen wir den Neubau fertigstellen“, sagt Baehr. Ein Vorhaben mit einigen Fallstricken. „Sowohl Baukosten-Explosion als auch neue behördliche Auflagen müssen integriert werden.“ Erst kürzlich wieder. Eine Funkmeldeanlage war zusätzlich zu allem anderen zu installieren. Kostenpunkt: 200 000 Euro, die niemand vorher auf der Rechnung hatte. Der aufwändige Brandschutz schlage mit einer Million zu Buche. Die Baukosten sind seit dem Baustart von ursprünglich 38 auf jetzt 45 Millionen Euro gestiegen. Das Land hat wie berichtet signalisiert, weitere 5 Millionen und damit insgesamt 35 Millionen zuzuschießen. Auf Landkreis und Stadt Verden entfallen damit je rund fünf Millionen.

Ob es bei diesen Beträgen bleibt, ist noch nicht völlig geklärt. Immerhin aber hat es beim Bezugstermin keinen nächsten Verzug gegeben. Angepeilt ist weiterhin der Jahreswechsel.

Das Kalkül der Klinikleitung geht indes schon über diesen Zeitpunkt hinaus. „Genehmigt sind zurzeit 131 Planbetten. Sind sie im Schnitt zu 85 Prozent ausgelastet, geht die Genehmigungsbehörde davon aus, die Kapazitäten seien ausreichend dimensioniert“, so Baehr. Verden liege im Bereich dieser Prozent-Hürde. Dies aber nur, so Baehr, weil die Raumkapazitäten eng begrenzt seien, und man ja für Hochleistungsintervalle gerüstet bleiben müsse. Sei erst der Neubau bezogen und der Altbau saniert, wachse das Leistungsvermögen und damit langfristig sicher auch das Patienten-Aufkommen. „Das bedeutet auf lange Sicht ein Erhöhen der Planbettenzahl.“

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