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„Alle(r) Singen“: Gospel zwischen Kirchenmauern

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Von: Christel Niemann

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Männer und Frauen stehen in einer Gruppe. Sie halten Papiere in den Händen. Im Hintergrund ein Gebäude.
Musikalisch mitreißen lassen: 80 Teilnehmer kamen in den Innenhof des Verdener Doms, um mit Körpereinsatz und viel Stimme Gospel zu singen. © niemann

Der Chorworkshop „Alle(r) Singen“ entpuppt sich als Anziehungsmagnet. 80 Sängerinnen und Sänger nahmen an der Veranstaltung des Pop-Kantors Micha Keding im Innenhof des Verdener Doms teil. Abschluss und Höhepunkt war ein Konzert des gerade Gelernten.

Verden – Mit Micha Keding hat der Kirchenkreis musikalisch einen super Fang an Land gezogen. Seit September 2019 ist der diplomierte Jazzmusiker und freischaffende Jazz- und Kirchenmusiker außerdem im gesamten Kirchenkreis als Pop-Kantor unterwegs. Und welch ein Juwel der in Achim lebende Mittvierziger ist, hat sich am Wochenende beim großen Chorworkshop „Alle(r) Singen“ im Innenhof des Verdener Doms gezeigt.

Insgesamt 80 Teilnehmer teilten bei der Veranstaltung im Rahmen der Weserfestspielreihe ihre Freude, sangen vierstimmig auf Anleitung von Keding, der die Sängerschar zu motivieren und anzuleiten wusste. Er verstand es, die Freude an der Musik auf lebendige Art und Weise zu vermitteln. Klassische Kirchenlieder waren für das Gros der rund 80 Teilnehmer zwar nichts Neues, doch im musikalisch von Hilmar Kettwig begleiteten Workshop, wurde ihnen der Gospel nahegebracht, was für reichlich Spaß und eine Menge Schwung sorgte.

Zur Teilnahme eingeladen seien alle gewesen, betonte Keding ausdrücklich: Chorleitungen und Chorsänger, aber auch einfach am Singen begeisterte Menschen und auch solche, deren Singstimme bislang nur im Umfeld der heimischen Badewanne erklang. „Eine musikalische Vorbildung ist nicht vonnöten. In diesem Workshop steht ganz klar der Spaß am Singen und die Freude am Erleben der Lieder im Vordergrund“, sagte Keding, der mit den Teilnehmern mehrere vierstimmige Chorsätze einstudierte, damit das erarbeitete Repertoire am Abend mit instrumentaler Begleitung durch eine Band aufgeführt werden konnte.

Auf die Frage, was ihn, den vielseitig aufgestellten Musiker gerade am Gospel fasziniert, wusste er folgende Antwort: „Gospel ist sehr emotional und überaus impulsiv. Die Musik reißt einen förmlich mit und die Texte sind immer positiv. Sie spiegeln Hoffnung wider, was natürlich umso erstaunlicher ist, wenn man die hoffnungslosen Zeiten bedenkt, in denen sie entstanden sind.“ Und doch seien die Texte Mut machend, dankend und lobend.

Für Keding war es der erste Workshop nach langer Corona-Pause und die beachtliche Teilnehmerschar hat ihn daher nicht überrascht. „Die Leute wollen endlich wieder singen.“ Dass der Workshop draußen und zudem noch an diesem wunderschönen Ort stattfinden dürfe, habe vielleicht auch noch den ein oder anderen zur Teilnahme bewegen können, außerdem natürlich das musikalische Thema Gospel, was sicher auch so manchen gereizt habe. „Es ist schön, mal wieder und dann auch noch etwas anderes zu singen“, sagten etwa Kerstin Behnke und Rike Timmermann aus Rotenburg. Die Freundinnen sind zwar chorerfahren, aktuell aber nicht mehr aktiv. Doch die Teilnahme am Workshop habe sie neu motiviert und ihre Lust am Singen geschürt. „Wir haben einen Kick bekommen und ja, gut möglich, dass wir wieder einem Chor beitreten werden.“ Beide lobten die mitreißende Art, die Begeisterung für den Gesang, die Keding unter den Workshop-Teilnehmern entfachte. Denkbar, dass die Freundinnen später dem Gospelchor beitreten werden, dessen Gründung der Popkantor derzeit im Kirchenkreis plant. Timmermann: Singen ist einfach fantastisch. Selbst wenn man gestresst und traurig in eine Chorprobe hineingeht, geht man später doch wieder fröhlich hinaus.“

Bernhard Vienenkötter hat mit seiner Frau Ulrike und weiteren Chormitgliedern aus Asendorf am Workshop teilgenommen. Sonst eher klassische geistliche Musik gewöhnt, gefällt ihm am Gospel vor allem die Lebendigkeit. „Das ist hier alles sehr spannend und neu für uns. Keding gestaltet den Workshop sehr kurzweilig.“

Selbst erfahrene Chorleitungen waren unter den begeisterten Teilnehmern zu finden. Beispielsweise Martina von Ahsen, die mit weiteren zehn, im neuen Chor TonART Verden aktiven Sängern, viel Leidenschaft und Freude erkennen ließ. Was ist für eine so erfahrene Chorleiterin der Reiz, an diesem Workshop teilzunehmen? „Es ist der Spaß an der Musik und an der Dynamik, und natürlich lerne auch ich immer noch etwas dazu. Etwa neue Einsingübungen und natürlich auch neue Lieder, weil jeder Chorleiter seinen eigenen Stil, seine Besonderheiten und Techniken hat.“

Der musikalische Wellness-Tag hat auch ihr Chormitglied Reinhard Witt aus Verden begeistert. „Keding hat eine tolle Art“, sagte er und bedauerte, „dass der Workshop vergleichsweise frauenlastig aufgestellt ist.“  

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