Sybille Jackl ist optimistisch /

Café Erasmie: Insolvenz als neue Chance

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Sybille Jackl mit der Seiferthschen Spezialtorte, für die das Café Erasmie berühmt ist. Sie ist benannt nach ihrem Erfinder Hermann Seiferth, der 1905 nach Verden kam.

Verden - Optimismus statt Endzeitstimmung: Vor einer Woche stellte die Inhaberin der Konditorei Erasmie, Sybille Jackl, beim Verdener Amtsgericht den Antrag auf Insolvenz. „Das hat keinen Einfluss auf den Geschäftsbetrieb.

Die Konditorei bleibt geöffnet, auch die Gehälter der Mitarbeiter sind für drei Monate gesichert“, bestätigt der Verdener Rechtsanwalt Christian Willmer, der vom Gericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt wurde. „Wir stehen aber noch ganz am Anfang“, so Willmer weiter, der sich aber bereits optimistisch äußerte, dass das Konditorei-Café wieder in ruhiges Betriebsgewässer zu bringen sei. Die Qualität der Produkte und die Auslastung von Online-Shop und Außer-Haus-Geschäft seien schließlich gut.

Die Konditorei Erasmie gehört zu Verden wie die Pferde, die Störche oder der Dom. Das Wichtigste daher zuerst: In der Backstube des traditionsreichen Cafés wird nach wie vor auf Hochtouren gearbeitet, am Verkaufstresen werden die Kunden bedient, Gäste bekommen ihre süßen und herzhaften Wünsche erfüllt und Bestellungen werden pünktlich ausgeliefert.

Doch weder Tradition noch Qualität der Erzeugnisse garantieren die Wirtschaftlichkeit. „Es sind keine Entlassungen geplant. Die Stimmung ist daher trotz allem gut“, sagt Jackl. Niemand im 22 Mitarbeiter zählenden Team stecke den Kopf in den Sand. „Die ersten Gespräche sind gut verlaufen. Ich gehe davon aus, dass wir es hinbekommen. Eine Insolvenz kann schließlich auch die Chance für einen Neustart sein“, so die Konditorin.

Café-Bereich sorgt für Schieflage

Was aber ist ursächlich für die finanzielle Schieflage der alteingesessenen Konditorei, die Jackl 2011 übernommen hat und wenig später aufwendig modernisieren ließ? „Der Grund ist im Café-Bereich zu finden. Die Zahl der Gäste ist deutlich zurückgegangen, außerdem ist ihre Verweildauer gesunken, während die Betriebskosten unverändert hoch geblieben sind.“

Worauf diese Entwicklung zurückzuführen ist, kann Jackl allerdings nur vermuten. „Eine Ursache könnte der Mangel an fußläufig zu erreichenden Parkmöglichkeiten sein. Oder der To-go-Trend, also Getränke, Genuss- und sogar Lebensmittel im Gehen zu konsumieren.“ Und was soll oder könnte in Zukunft anders werden? „Ich habe schon einige Ideen. Es ist aber noch zu früh, um sie auszuplaudern“, hält sich die Konditormeisterin lieber noch bedeckt. Nach erster Prüfung der Geschäftslage teilt auch Insolvenzverwalter Willmer den Optimismus von Jackl, was die Chance auf wirtschaftlichen Erfolg betrifft. „Wir haben jetzt drei Monate Zeit, die Lage zu sondieren und Lösungen zu finden. Und es wird sicher alles getan, um dieses sympathische Geschäft für Verden zu erhalten“, so Christian Willmer.

Der erfahrene Jurist verweist auf die hohe Qualität des gesamten Sortiments und auf Alleinstellungsmerkmale von Produkten wie der Seiferthschen Spezialtorte oder den Verdener Pferdeäpfeln, die einen ausgezeichneten Ruf nicht nur bei den örtlichen Kunden genössen. Die Insolvenz sei daher definitiv nicht das Ende der Konditorei.

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