Sanierung des alten Gaswerks

Für Jahrhundert-Hochwasser gerüstet

Betonwände vor  alter Fassade.
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Noch viel freier Himmel: Die zweite Etage des alten Gaswerks

Verden – Plötzlich tauchte es auf. Durch eine Maueröffnung spähte sie, Büsche und Bäume fielen ihr ins Auge. Blattwerk, soweit es ihr Blick zuließ. Und mittendrin eben doch das Wasser, die Aller, deren Strömung. Und die bange Frage, die nach der verheerenden Flutkatastrophe jeden beschäftigt. Auch die Leitende Oberstaatsanwältin Angelika Greser-Appelbaum.

„Ist das Gebäude überhaupt gegen kommende Wassermassen gesichert?“ Nicht dass da eines Tages womöglich die braune Soße durchs Haus schwappe. Ja, es sei gesichert, berichtete Wolfgang Tobias aus dem städtischen Hochbau-Fachbereich. „Die Sohle ist so weit verstärkt, dass sie sogenannten Jahrhundert-Hochwassern standhält.“

Und schon war die gestrige Baustellen-Begehung um ein Detail reicher. Vertreter von Staatsanwaltschaft, Stadt Verden und den beteiligten Planungsbüros hatten zur Stippvisite auf der prominenten Immobilie an der Nordbrücke gebeten. Und Architekt Horst Gumprecht (Angelis und Partner) trat gleich die Flucht nach vorn an. „Zugegeben, noch ist viel freier Blick auf den Himmel. Aber wir gehen weiterhin sehr stark davon aus, im Frühjahr nächsten Jahres kann das Gebäude an die Staatsanwaltschaft übergeben werden.“ Wie berichtet, hat die Stadtverwaltung inzwischen den Verzug von vier Monaten eingeräumt. Ursprünglich sollte das Haus schon Ende dieses Jahres fertig gestellt sein, gleichzeitig führten die Kostenexplosionen bei Baumaterialien aber zu keinerlei Korrekturen der Kalkulation. „Die geplanten 14 Millionen Euro können eingehalten werden“, erklärte Kämmerer Andreas Schreiber schon vor zwei Wochen.

Noch verhindert ein Baugerüst den Blick auf Aller und Nordbrücke

Ein stadtbildprägendes Gebäude sei es, sagte Bürgermeister Lutz Brockmann auf dem Weg durch die unteren beiden Etagen, denen zwei weitere folgen sollen. Aber nicht nur stadtbildprägend, wie der Architekt bestätigte. „In den Städten sind viele Gebäude für andere Zwecke errichtet. Sie müssen jetzt für neue Nutzungen umstrukturiert werden“, so Gumprecht, „das Verdener Projekt ist ein gutes Beispiel für die neuen Initiativen.“

Tatsächlich wird in die Außenfassade, die gegenwärtig durch ein spezielles Gerüst gehalten wird, eine neue Struktur aus Stahlbeton gepflanzt. Die Innenräume sollen später in reiner Leichtbauweise ausgeführt werden.

In der Staatsanwaltschaft betrachtet man die kommende neue Hauptstelle als wesentliche Bereicherung, ließ jedenfalls Angelika Greser-Appelbaum durchblicken. Sie wolle schon mal Ausschau halten nach dem neuen Büro des Leitenden Oberstaatsanwalts. In der dritten Etage wird es angesiedelt sein. Auch von dort habe man den freien Blick auf Aller und Allerwiesen. „Schade, dass ich da nicht mehr einziehen werde.“ Sie gehe Ende September in den Ruhestand. Nachfolgende Generationen indes profitierten von dem Bau. „Es ist der wohl schönste Sitz einer Staatsanwaltschaft in Niedersachsen.“ Zwar werde der Raum bis in den letzten Millimeter ausgereizt, dennoch wird nicht die gesamte J Staatsanwaltschaft Platz an der neuen Adresse Allerufer 8 finden. Vorgesehen ist das Gebäude für 100 der insgesamt 140 Beschäftigten. Von den insgesamt neun Abteilungen bleiben drei am Johanniswall.

Stippvisite auf ungewöhnlicher Baustelle (v.l.): Bürgermeister Lutz Brockmann, Oberstaatsanwältin Angelika Greser-Appelbauch, Architekt Horst Gumprecht.

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