80 Prozent in der Aller-Weser-Klinik immunisiert / Einige bleiben hartnäckig

Verden: Impfpflicht treibt Kräfte aus dem Job

Ein Mann im Arztkittel mit Mundschutz blickt in die Kamera
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„Wir werden ein paar Leute verlieren“, befürchtet der ärztliche Leiter der Aller-Weser-Klinik in Verden, Dr. Peter Ahrens.

„Wir sind nicht glücklich darüber, Mitarbeiter zu verlieren“, sagt Dr. Peter Ahrens. Der ärztliche Direktor der Aller-Weser-Klinik in Verden muss aber damit rechnen, dass die vor wenigen Tagen beschlossene Impfpflicht für Beschäftigte in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen für einige Kräfte das Ende ihrer Tätigkeit einläutet. Bis 1. März müssen sie die Immunisierung gegen Covid-19 nachweisen, sonst droht die Freistellung, und immer noch seien Kräfte in der Pflege in ihrer Verweigerungshaltung hartnäckig.

Verden – „Wir werden ein paar Leute verlieren“, ist Dr. Peter Ahrens schon mal klar. Für ihn läuft das Gesetz darauf hinaus, das seine Kollegen vor die Entscheidung zwischen impfen und nicht impfen lassen stellt. „Es ist die Abwägung zwischen dem persönlichen, individuellen Wohl und dem Wohl der Allgemeinheit“, sieht er einen gewichtigeren Zusammenhang. Selbst wenn man ein Risiko sehe, dass die Behandlung einen Schaden anrichten kann.

Normalstationen bereits jetzt hochbelastet

Ahrens weiß aber auch um das Risiko, das ungeimpfte Personen für andere darstellen, wenn sie infiziert werden. Bereits jetzt seien die Normalstationen angesichts des hohen Infektionsgeschehens hochbelastet. „Die Personaldecke ist gespannt“, sagt der ärztliche Leiter. Für die anstehenden Feiertage, so berichtet der Mediziner, hätten sie ein Krisenteam gebildet, das immer bereit ist einzuspringen, wenn es eng wird.

Impfverweigerer müssen ohne Bezüge freigestellt werden

Üppig bestückt ist der Arbeitsmarkt für Pflegeberufe ohnehin seit Jahren nicht mit Kräften. Im Gegenteil müssen hier und da Seniorenheime ihre Leistungspalette einschränken, weil das Personal für die Aufgaben fehlt. Kräfte werden in den Einrichtungen händeringend gesucht. Auch auf der Internetseite der Aller-Weser-Klinik sind dieser Tage Stellenangebote für zehn Kräfte im Pflegebereich zu finden. Ohne Impfung seien die Mitarbeiter aber spätestens ab März nicht mehr einsetzbar. „Sie müssen dann freigestellt werden, ohne Bezüge“, erklärt der medizinische Leiter.

Die Lage auf den Intensivstationen sei derzeit nicht so angespannt, berichtet Ahrens. Die Verläufe bei geimpften Patienten seien seltener schwer. Wenn dann aber Patienten mit Vorerkrankungen und einer Corona-Infektion auf die Intensivstation kommen, sei die Sterblichkeit hoch. Für den Mediziner sind das alles gute Gründe, sich impfen zu lassen. „Unter den Mitarbeitern schwindet auch das Verständnis für die Impfverweigerung“, hat er beobachtet.

Quote in der Klinik ist eigentlich nicht schlecht

Die Quote in der Aller-Weser-Klinik ist eigentlich nicht schlecht. Die ärztlichen Kräfte seien nahezu vollständig geimpft. Bei den Pflegekräften und anderen Mitarbeitern im Hause liege die Quote mit 80 Prozent noch klar über dem Bevölkerungsdurchschnitt. „Einige wollen sich noch impfen lassen, da war es manchmal nur Nachlässigkeit, dass sie das noch nicht getan haben.“ Er nennt das Beispiel Frankreich, wo die Impfpflicht auch nicht zum Zusammenbruch des Systems geführt habe.

Aber es gebe auch die anderen, die sich weigern, bis hin zu entschiedenen Querdenkern. Auch die Beweggründe seien so vielfältig, wie sie auch sonst in der Bevölkerung geäußert werden. Allerdings überzeugen den Chefarzt die Argumente eher nicht. Den Ängsten vor Langzeitfolgen kann man nach der relativ kurzen Zeit, die es die Impfstoffe gibt, noch nicht so fundiert begegnen. Aber die große Zahl der mittlerweile verabreichten Dosen und die geringe Zahl von schweren Reaktionen beruhigen eher.

Einige werden vielleicht noch umdenken

Dass medizinische Gründe für die Verweigerung sprechen, erwartet Ahrens nur in Einzelfällen. Soviele gebe es gar nicht. Wo sie angeführt werden, müsse derjenige sie dann eben nachweisen und mit dem Betriebsarzt klären.

Aus Gesprächen weiß Ahrens, dass es unter denen, die die neue Regelung aus dem Job treibt, einige gibt, denen es schwer fällt. „Man hat sich für den Beruf ja aus guten Gründen entschieden.“ Mit der Alternative vor Augen, ab März die Tätigkeit nicht mehr ausüben zu können, würden einige dann doch umdenken und sich impfen lassen. Und das sei in der kommunalen Klinik einfach, weil sie dort ihre Dosis erhalten können.

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