Wenn nur das Wetter nicht wär

Familie Solot/Niembro aus Mexiko: Verden als Heimat auf Zeit

Miriam Solot mit ihren Kindern Regina und Santiago.

Verden - Es ist zwar nur auf Zeit, aber momentan ist Verden die neue Heimat von Miriam Solot (37), ihrem Ehemann Jorge Niembro (36) und den beiden Kindern Regina (7) und Santiago (fast 6). Die Familie kommt aus der mexikanischen Großstadt Querétaro und lebt seit zwei Jahren in Verden.

„Wir wollten immer schon woanders hin. Die Kinder sollten eine andere Sprache und Kultur kennenlernen“, erklärt Miriam Solot. Da passte es gut, dass der Arbeitgeber ihres Mannes eine Versetzung nach Verden anbot. Miriam hat in Mexiko in einer Privatschule als Psychologin gearbeitet, hier ist sie nicht erwerbstätig. „Verden und Querétaro sind schon zwei unterschiedliche Welten“, sagt sie. Dennoch fühle sie sich hier sehr wohl.

Der Start in Deutschland klappte gut. Ein „Relocation Agent“ erleichterte das Einleben, besorgte eine Wohnung, suchte Schule und Kita für die Kinder und half beim Erledigen der Formalitäten. Die Sprache war zunächst die größte Hürde, auch wenn das Deutsche Miriam nicht völlig fremd ist. 

„Meine Großmutter war Österreicherin und ich habe eine deutsche Schule besucht“, erzählt sie. Genutzt habe sie die Sprache aber wenig. „Zuerst war mein Deutsch sehr schlecht“, lacht sie. Davon ist nichts mehr zu merken. Je 100 Stunden Sprachunterricht stünden ihr und ihrem Mann zu, erzählt sie. Da Jorge aber beruflich sehr eingespannt ist, hat sie einen Teil seines Kontingents übernommen. Zweimal wöchentlich bekommt sie Unterricht von Sandra Bruns.

Sprache kein großes Problem

Regina und Santiago lernten die Sprache sehr schnell. Regina wurde in die erste Klasse der Nicolaischule eingeschult. „Sie war hier gleich glücklich. Das ging sehr schnell“, erzählt Solot. Mittlerweile besucht die Siebenjährige die dritte Klasse, gehört zu den Besten und spricht akzentfrei.

Ihrem Bruder fiel die Umstellung nicht so leicht. „In den ersten sechs Monaten hat er viel geweint“, berichtet seine Mutter. Nun ist auch er voll integriert und hat im katholischen Kindergarten viele Freunde gefunden. Untereinander sprechen die Geschwister zu gleichen Teilen Deutsch und Spanisch. Damit die Muttersprache nicht in Vergessenheit gerät, unterhalten sich die Eltern mit ihren Kindern auf Spanisch.

2016 und 2017 verbrachte die Familie das Weihnachtsfest in Mexiko. Der Abschied sei immer schwer, sagt Miriam Solot. Besonders der kleine Santi vermisst eine Cousins und Cousinen.

Trotz Heimweh fühlt sich Familie Solot/Niembro in Verden Zuhause. „Es ist ruhiger hier und das genießen wir auch“, sagt Miriam. Allerdings fehle manchmal die Unterstützung der Familie.

Eins gefällt Miriam aber überhaupt nicht. „Das Wetter ist schlimm hier.“ Die Mexikanerin vermisst den elf Monate dauernden Sommer. Auch mit der deutschen Küche kann sie sich nicht recht anfreunden. „Das Essen in Mexiko schmeckt mir viel besser“, gibt sie zu. Aber das deutsche Brot sei „super lecker.“

Schulsystem bekommt gute Noten

Gute Noten bekommt das Schulsystem. „Hier haben die Eltern mehr Vertrauen zu den Lehrern. In Mexiko sind öffentliche Schulen nicht gut. Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder auf eine Privatschule. Ich finde es gut, dass Regina hier zusammen mit Kindern aus Syrien und Afghanistan lernt.“ Der Druck sei in den mexikanischen Privatschulen sehr groß. Um aufgenommen zu werden, müssten sie mit sechs Jahren lesen und schreiben können.

„In Deutschland funktioniert alles. Ich bin sehr strukturiert, ich mag das. Dadurch ist alles viel entspannter“, sagt Miriam. Glücklich ist sie über die guten Freunde, die sie und ihr Mann hier gefunden haben. „Sie sind alle sehr warmherzig. Wenn wir wieder gehen, wird uns der Abschied schwerfallen“, weiß sie. Zwei oder drei Jahre möchte die Familie noch bleiben. „Dann wollen wir wieder etwas näher an die Heimat und zur Familie ziehen, vielleicht in die USA“, sagt Miriam Solot.

ahk

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